Krankenkassenprämien steigen im Schnitt um 5 Prozent – so sieht's in deinem Kanton aus
Die mittlere Krankenkassenprämie steigt für 2027 auf 412 Franken pro Monat. Das entspricht gegenüber 2026 einem Anstieg von 5 Prozent oder 19.70 Franken.
Im Frühling lagen die Schätzungen noch auseinander: Comparis rechnete im Mai mit einem Anstieg von 3,7 Prozent. Das BAG selbst und Bonus.ch gingen dagegen von fast 5 Prozent aus. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) schätzte das Kostenwachstum in der Grundversicherung für 2027 auf rund 4 Prozent pro versicherte Person.
Als Haupttreiber gelten weiterhin die steigenden Gesundheitskosten.
Veränderung zum Vorjahr
Auch 2027 zahlen Schweizerinnen und Schweizer je nach Alter unterschiedlich viel mehr. Erwachsene zahlen künftig 487.60 Franken pro Monat, das sind 22.80 Franken beziehungsweise 4,9 Prozent mehr als 2026. Junge Erwachsene zahlen neu 338.80 Franken, Kinder 128.10 Franken.
Zum Vergleich: 2026 stieg die mittlere Prämie um 4,4 Prozent auf 393.30 Franken, nachdem sie 2025 noch um 6 Prozent, 2024 um 8,7 Prozent und 2023 um 6,6 Prozent gewachsen war.
Für die mittlere Prämie addiert das BAG alle in der Schweiz bezahlten Prämien und teilt sie durch die Gesamtzahl der Versicherten.
Entwicklung der Jahresprämie
Die Prämien folgen den Gesundheitskosten, weil jeder Versicherer und jeder Kanton damit seine erwarteten Ausgaben decken muss.
Im zweiten Quartal 2026 wuchsen die Kosten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im Jahresvergleich nur um 0,4 Prozent, eine versicherte Person verursachte in den letzten zwölf Monaten durchschnittlich Kosten von 4834 Franken, 21 Franken mehr als im Vorjahr.
Das BAG warnt aber selbst vor den tiefen Zahlen: Der neue Tarif für ambulante ärztliche Leistungen verzögert bei vielen Spitälern und Praxen die Abrechnung, weshalb die ambulanten Spitalbehandlungen in der Statistik sogar um 150 Franken pro Kopf sinken, obwohl die Leistungen weiterhin erbracht werden. Das BAG rechnet mit 4,7 Prozent mehr Kosten fürs laufende Jahr.
Seit Einführung der obligatorischen Krankenversicherung 1996 hat sich die mittlere Prämie mehr als verdreifacht – von rund 128 Franken auf 393 Franken im Jahr 2026, ein Plus von 207 Prozent. Das allgemeine Preisniveau stieg im gleichen Zeitraum nur um rund 20 Prozent.
Veränderung pro Kanton
Im Jura nimmt die Prämie mit 6,6 Prozent am meisten zu. Im jüngsten Kanton der Schweiz müssen Bürgerinnen und Bürger darum jetzt im Mittel über 460 Franken für die Krankenkasse ausgeben. Damit ist der Kanton Jura neu in den Top 5 der teuersten Kantone, wenn es um die Krankenkassenprämien geht.
Am wenigsten steigt die Prämie im Kanton Glarus. Dort zahlen Versicherte im Vergleich zum Vorjahr nur 3 Prozent mehr. Mit 365 Franken Durchschnittsprämie befindet sich Glarus nun im Mittelfeld aller Kantone.
Am billigsten bleibt es in der Zentralschweiz: Der Kanton Zug übernimmt für die Jahre 2026 und 2027 rund 220 Millionen Franken für stationäre Spitalbehandlungen und vergütet den Zugerinnen und Zugern damit 99 Prozent der Spitalkosten.
Weil dieses Programm 2027 unverändert weiterläuft, bleibt Zug zwar günstig, den ausserordentlichen Prämienrückgang von 2026 kann er aber nicht ein zweites Mal wiederholen. Für 2027 steigt die Prämie um 4,4 Prozent.
Gründe für den Anstieg
Als Ursache der steigenden Gesundheitskosten nennt der Bundesrat die alternde Bevölkerung, den medizinisch-technischen Fortschritt, eine steigende Inanspruchnahme von Leistungen und Fehlanreize im Tarifsystem. Neue Therapien erweitern die Behandlungsmöglichkeiten, treiben aber auch die Kosten – ebenso wie neue, hochpreisige Medikamente.
Konkret ist da etwa die Angehörigenpflege: Spezialisierte Firmen beschäftigen Personen, die Angehörige im Alltag unterstützen. Dafür bezahlen die Krankenkassen rund 53 Franken pro Stunde. Das dürfte die Prämienzahlenden 2026 mindestens 350 Millionen Franken kosten.
Oder die Abnehmspritzen: Eine Behandlung mit GLP-1-Analoga kostet pro Person rund 2100 Franken jährlich, schweizweit summieren sich die Ausgaben für den Einsatz bei Adipositas und Diabetes Typ 2 auf etwa 160 Millionen Franken pro Jahr. Problematisch dabei: Viele Patientinnen und Patienten brechen die Therapie schon nach wenigen Monaten ab, wodurch der Nutzen oft verpufft.
Die Verlagerung von stationären zu ambulanten Behandlungen bleibt ebenfalls ein Treiber: Sie ist medizinisch sinnvoll und insgesamt kostendämpfend, belastet aber aktuell einseitig die Prämienzahlenden, weil nur die Kantone an stationären Behandlungen mitzahlen. Das ändert sich in einem Jahr: Ab 2028 tritt die einheitliche Finanzierung der Gesundheitsleistungen in Kraft.
Massnahmen zur Kostendämpfung
Die Krankenkassenprämien sind für viele Menschen eine finanzielle Belastung. Das Kostenwachstum zu dämpfen bleibt deshalb eine Daueraufgabe des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) und des BAG.
Seit Anfang 2026 wirken zwei der drei 2024 vom Volk beschlossenen Reformen: Der Bundesrat setzt seither Kostenziele für die Grundversicherung und die Kantone müssen einen Mindestbeitrag zur Prämienverbilligung leisten. Ab 2028 – also in einem Jahr – folgt dann noch die einheitliche Finanzierung der Gesundheitsleistungen (EFAS).
Ab dann beteiligen sich die Kantone erstmals auch an ambulanten Behandlungen, Medikamenten, Labor- und Physiotherapiekosten und übernehmen dabei einen Viertel der Kosten, die Krankenkassen den Rest. Das dämpft die Prämien laut einer BAG-Berechnung schweizweit um rund 2 Prozent, gut 800 Millionen Franken pro Jahr.
Ob das reicht, damit irgendwo die Prämien 2028 tatsächlich sinken, hängt davon ab, wie stark die Gesundheitskosten bis dahin weiterwachsen.
