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Darstellung des Coronavirus: Sars-CoV-2

Darstellung des Erregers Sars-CoV-2, bekannt unter dem Namen Coronavirus. Bild: Shutterstock

Hier siehst du, wie die Gen-Detektive dem Coronavirus auf der Spur sind



Das Coronavirus hält die Welt in Atem. Seitdem der neue Stamm aus der Familie der Coronaviren – die meisten von ihnen sind harmlose Erreger, die Erkältungen verursachen – im Dezember in China aufgetaucht ist, hat sich das Virus auf zahlreiche Länder verbreitet. Sars-CoV-2, wie das neue Virus von den Fachleuten bezeichnet wird, hat mittlerweile neben Europa auch die USA und Südamerika erreicht. Die Epidemie hat damit ein Stadium erreicht, in dem sie kaum mehr zu stoppen ist.

Neben Medizinern, Epidemiologen und Pharmakologen arbeiten auch Genetiker daran, das Virus unter Kontrolle zu bringen. Die Analyse des Genmaterials von Sars-CoV-2 kann Aufschluss darüber geben, woher das neue Virus kommt und wann es zuerst auftrat. Darüber hinaus versprechen sich die Wissenschaftler aber auch Hinweise darauf, wie es sich verbreiten konnte und warum die Versuche scheiterten, es einzudämmen.

Viren mutieren, wenn sie sich verbreiten. Diese Mutationen hinterlassen zufällige Veränderungen im Genom des Erregers. Anhand dieser Unterschiede können die Genetiker nachvollziehen, welche Fälle von welchem Virenzweig verursacht wurden, und dies ermöglicht ihnen, dem Verbreitungsweg auf die Spur zu kommen. Bereits sind dutzende solcher Corona-Verzweigungen identifiziert worden.

Besonders wichtig ist bei dieser Arbeit natürlich, dass die Wissenschaftler ihre Daten schnell und unkompliziert teilen können. Diesem Ziel hat sich das Open-Source-Projekt «Nextstrain» verschrieben, das auf seiner Website interaktive Diagramme und Karten zu diversen Erregern präsentiert. Die aktuelle Corona-Epidemie ist die erste, bei der Verbreitung und Entwicklung eines Virus so genau und so schnell erfasst werden konnte. Dies schreibt der Wissenschaftsjournalist Antonio Regalado in einem Beitrag in der «MIT Techology Review».

Coronavirus, Screenshot Interaktive Grafik  Nextstrain

«Stammbaum» von Sars-CoV-2 auf der Website Nextstrain.org. Das Diagramm ist interaktiv: Wenn der Cursor auf einen Balken zeigt, wird die entsprechende Information in einem Pop-up-Fenster angezeigt. Screenshot: Nextstrain.org

Regalado beschreibt als Beispiel, wie Wissenschaftler in Brasilien den genetischen Code des Virus sequenzierten und so feststellten, dass die beiden damals bestätigten Corona-Fälle in Brasilien nicht vom selben Zweig des Erregers verursacht wurden. Die Sequenzen unterschieden sich so stark, dass sie von verschiedenen Orten stammen mussten.

Einer der beiden Fälle wies genetische Ähnlichkeiten mit einer Gruppe von Infektionen in München auf. Nicht weniger als ein Viertel aller Neuinfektionen seit Beginn Februar zeigt offenbar solche Ähnlichkeiten mit der Gruppe in München – und dies an so verschiedenen Orten wie Mexiko, Finnland, Schottland, Italien und eben Brasilien.

«Patient 1» des Viruszweigs in München war ein Geschäftsmann, der sich mit einer chinesischen Geschäftspartnerin getroffen hatte und am 24. Januar erkrankte. Innerhalb von vier Tagen wurden weitere Mitarbeiter in der Firma krank, in der «Patient 1» arbeitete. Obwohl das Hauptquartier der Firma geschlossen wurde, könnte es schon zu spät gewesen sein, denn die genetischen Daten legen einen Zusammenhang zwischen der Gruppe in München und einem guten Teil der Infektionen in ganz Europa nahe.

Coronavirus Nextstrain Screenshot Interaktive Grafik

Das interaktive Diagramm von Nextstrain erlaubt verschiedene Darstellungen, hier eine radiale. Es kann auch nach einzelnen Ländern, Virenstämmen usw. gruppiert werden. Hervorgehoben ist hier einer der Viruszweige, der in die Schweiz führt. screenshot: Nextstrain.org

«Eine extrem wichtige Erkenntnis daraus ist: Wenn ein Cluster identifiziert und ‹isoliert› wurde, bedeutet dies noch nicht, dass dieser Fall nicht zum Ausgangspunkt für eine Übertragungskette wurde, die erst entdeckt wurde, als sie zu einem grösseren Ausbruch führte», zitiert Regalado den Forscher Trevor Bedford, einen der Mitgründer von Nextstrain.

(dhr)

Coronavirus – Städte in Wuhan praktisch abgeschottet

Video: srf/Roberto Krone

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    Alle Leser-Kommentare
  • MartinZH 07.03.2020 20:45
    Highlight Highlight Wichtig erscheint mir festzuhalten:

    "Als sich vor siebzehn Jahren das Sars-Coronavirus ausgebreitet hat, das mit dem neuen Virus nahe verwandt ist, wurde überall auf der Welt angefangen, einen Impfstoff zu entwickeln.

    Nach ein paar Monaten verschwand das Virus, die Seuche war eingedämmt. Und so hat man überall auch die Impfstoffentwicklung eingestellt.

    Das rächt sich jetzt."

    Hoffentlich jetzt nicht nochmals?!

    In der FAZ-Rubrik "Wie erkläre ich’s meinem Kind?" wurde am 21.2. die Frage: "Wieso es mit dem Coronavirus-Impfstoff nicht schneller geht", im Detail erörtert: https://bit.ly/2Twgf9W
    • _Qwertzuiop_ 07.03.2020 23:47
      Highlight Highlight Israel hat doch einen Impfstoff? Dauert eben immer relativ lang & der vom SARS müsste auch noch überarbeitet werden etc. würde im Endeffekt wieder gleich lang dauern bis der durch alle Tests durch ist. Das ist normal
    • MartinZH 08.03.2020 01:06
      Highlight Highlight @Qwertzuiop: Ja, auch in Israel wird es noch lange dauern (12-18 Monate), bis ein Impfstoff "für die Massen" verfügbar sein wird.

      Ich nehme an, Du beziehst Dich auf den Beitrag vom 2. März 2020:
      https://www.watson.ch/wissen/international/270503193-coronavirus-israelische-forscher-haben-einen-impfstoff

      Einfach ein gelungener PR-Stunt! 😉 Und dann noch Schluck- und keine Spritz-Impfung... 👍

      Auch China betreibt Propaganda: Am 21. Feb. kam die Meldung: "China will Ende April den ersten Impfstoff testen".

      Aber eben: Die "klinische Erprobung" bringt eben noch längst keine Impfung für alle... 😉
    • _Qwertzuiop_ 08.03.2020 17:16
      Highlight Highlight Normal, wie bei allen Medikamenten etc was bei Menschen ins System geht. Das ist mit bewusst. Nur wollte ich damit sagen, dass wir jetzt auf demselben stand sind wie wir wären, wenn es eine SARS Impfung gäbe. Es sind verschiedene Viren die verschiedene Impfstoffe benötigen von dem her hätte es nicht viel gebracht weiter zu forschen.
  • FoxSinBan 07.03.2020 20:17
    Highlight Highlight Sehr spanneder Artikel

    Wenn 1/4 der neuifizierte den Stmm aus München zugrundeliegen zeigt das, dass die Deutschen behörden zu sorglos mit dem Thema umgegangen sind und Menschenleben gefärden.

    Da Hat die Schweiz einiges besser gemacht.
    • Garp 07.03.2020 23:04
      Highlight Highlight Blödsinn, in München wurde schnell gehandelt. Das Virus ist schneller.
      Und wie es sich bei uns derzeit ausbreitet, welcher Stamm auch immer, zeigt nicht gerade, dass wir es besser machen.
    • _Qwertzuiop_ 07.03.2020 23:48
      Highlight Highlight DE hat eine andere Strategie. Keine Ahnung was für eine aber momentan sind in Deutschland verhältnismässig auch viel weniger Leute betroffen als in der CH.

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