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Neben Impfstoffen sind auch Medikamente wichtig: Sie können bei schweren Krankheitsverläufen Leben retten.
Neben Impfstoffen sind auch Medikamente wichtig: Sie können bei schweren Krankheitsverläufen Leben retten.
Bild: keystone

Das bringen diese 8 Medikamente gegen Covid

02.09.2021, 19:57

Bei den medizinischen Massnahmen gegen Covid-19 stehen die Impfungen im Vordergrund – über Therapien mit Medikamenten hört man vergleichsweise eher wenig. Im Grunde ist dies durchaus gerechtfertigt: Impfungen sind nach wie vor das beste und wirksamste Mittel gegen diese Virus-Krankheit. Sie verhindern in den meisten Fällen, dass eine intensivmedizinische Behandlung überhaupt notwendig wird.

Dennoch sind auch Medikamente wichtig. Sie können bei schweren Krankheitsverläufen Leben retten und zum Teil bei früher Anwendung auch präventiv wirken. Und das ist nach wie vor bitter nötig: Immer noch sterben weltweit jeden Tag tausende von Patienten.

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Der Fortschritt bei der Entwicklung von wirksamen Medikamenten ist zwar schleppend im Vergleich zu den Impfstoffen, aber er existiert. Starben zu Beginn der Pandemie etwa die Hälfte der Patienten auf den Intensivstationen, sind es heute – auch aufgrund der zunehmenden Erfahrung des Pflegepersonals – noch rund ein Viertel.

Zwei unterschiedliche Phasen

Der Verlauf einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung umfasst zwei Phasen: In der ersten steigt die Viruslast an, und der Patient kann ansteckend sein, ohne aber unbedingt Symptome zu zeigen. In dieser Phase können antivirale Medikamente die Vermehrung des Virus hemmen.

In der zweiten Phase zeigen sich Symptome, obwohl die Viruslast bereits sinkt. Das Virus hat jedoch bereits Schäden verursacht und das Immunsystem wird aktiv. Bei einem schweren Verlauf kann die Immunantwort so stark ausfallen, dass es zu einem sogenannten Zytokinsturm kommt – die Immunzellen beginnen damit, körpereigene Zellen anzugreifen. Im schlimmsten Fall kann dies zu Organversagen und Tod führen. Immunmodulatoren, die in dieser Phase eingesetzt werden, sollen die Immunantwort des Körpers dämpfen.

Der Unterschied zwischen diesen Phasen ist sehr wichtig: Medikamente, die im Frühstadium von Covid-19 – also bei leichter Infektion ohne Atemprobleme – hilfreich sind, können in einem späteren Stadium, etwa bei einer schweren Lungenentzündung, unwirksam oder sogar schädlich sein. So sind Immunmodulatoren bei Patienten mit Atemnot angebracht, nicht aber im Frühstadium der Krankheit.

Antivirale Medikamente

Da Viren sich nur in Zellen vermehren können, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie antivirale Medikamente ihre Vermehrung verhindern können: Sie können die Viren abfangen, bevor diese in die Zellen eindringen, oder sie können ihre Vermehrung in den Zellen hemmen. Möglich ist zudem die Stärkung der körpereigenen Virenabwehr.

Die meisten Medikamente, die Viren abfangen sollen, bevor diese in die Zellen gelangen, machen sich antivirale Antikörper zunutze. Antikörper sind Abwehrmoleküle, die der Körper bildet, wenn er von einem Erreger angegriffen wird. Sie können sehr spezifisch an bestimmte Moleküle dieses Erregers andocken und diesen damit an der Vermehrung hindern. Zudem wird er damit als «fremd» markiert und kann von Fresszellen eliminiert werden.

Darstellung von Antikörpern, die ein Coronavirus angreifen.
Darstellung von Antikörpern, die ein Coronavirus angreifen.
Bild: Shutterstock

Die Antikörper in Medikamenten werden meist nach dem Vorbild von Antikörpern aus dem Blutplasma von genesenen Covid-Patienten gentechnisch hergestellt und weisen daher gewisse Parallelen zu Impfstoffen auf – man spricht manchmal auch von «passiver Immunisierung». Entsprechend zeigte sich in klinischen Studien bisher überwiegend, dass solche Antikörper-Medikamente nur bei einem relativ frühen Einsatz wirksam sind und Patienten, die bereits auf der Intensivstation beatmet werden, kaum helfen können.

Regn-Cov2

Das Medikament, das in den USA auch als «Regen-Cov» und in Europa als «Ronapreve» vertrieben wird, wurde vom amerikanischen Biotech-Unternehmen Regeneron Pharmaceuticals und von Roche entwickelt. Es besteht aus den beiden monoklonalen Antikörpern Casirivimab und Imdevimab, die beide an das Spike-Protein des Virus binden. «Monoklonal» bedeutet, dass die Antikörper alle gleich sind und das Virus an einem fest definierten Ziel angreifen.

Die Behandlung soll zu einer Reduzierung der Viruslast und einem schnelleren Abklingen der Symptome führen sowie die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs senken. In einer Phase II/III-Studie mit ambulant behandelten Patienten konnte das Mittel laut Firmenangaben sowohl die Hospitalisierung wie auch die Sterblichkeit um 70 Prozent senken. Hospitalisierte Patienten oder solche, die Sauerstoff benötigen, dürfen das Mittel nicht erhalten. Am stärksten sollen laut Regeneron jene Patienten profitieren, die noch keine eigenen Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet haben.

Regn-Cov2 wird als intravenöse Infusion verabreicht. Es hat in den USA eine Notfallzulassung der FDA erhalten; unter anderen wurde der damalige US-Präsident Donald Trump mit dem Mittel behandelt, als er an Covid-19 erkrankte. Auch in Grossbritannien und Japan hat Regn-Cov2 eine formale Zulassung erhalten. In der EU befindet sich das Mittel noch im sogenannten rollenden Zulassungsverfahren der EMA. In der Schweiz ist Regn-Cov2 nicht offiziell zugelassen, darf aber verabreicht werden.

Bamlanivimab/Etesevimab

Auch die vom US-Pharmakonzern Eli Lilly in Kooperation mit dem kanadischen Unternehmen AbCellera und der chinesischen Firma Shanghai Junshi Biosciences entwickelte Antikörper-Kombination hat in den USA eine Notfallzulassung erhalten. In der EU befindet es sich im Rolling-Review-Verfahren. Die monoklonalen Antikörper Bamlanivimab und Etesevimab binden an unterschiedliche Regionen des Spike-Proteins von SARS-CoV-2.

Eli-Lilly-Campus in San Diego, Kalifornien.
Eli-Lilly-Campus in San Diego, Kalifornien.
Bild: Shutterstock

Auch dieses Präparat wird als Infusionslösung verabreicht und dient der Behandlung von Covid-19-Patienten mit einem hohen Risiko für eine schwere Erkrankung. In einer Phase-III-Studie vermochte das Mittel nach Firmenangaben die Entwicklung von schweren Symptomen auf 0,5 Prozent im Vergleich zu 1,95 Prozent bei der Placebogruppe zu senken. Laut Herstellerangaben senkte das Kombi-Präparat das Erkrankungsrisiko bei Bewohnern von Altersheimen, die es präventiv erhielten, um bis zu 80 Prozent.

Sotrovimab

Sotrovimab, auch als VIR-7831 bezeichnet, ist ebenfalls ein monoklonaler Antikörper, der an das Spike-Protein des Coronavirus bindet. Allerdings ist er einem Antikörper aus dem Blut einer 2003 an SARS erkrankten Person nachgebildet – was den Vorteil hat, dass er eine Stelle von SARS-CoV-2 angreift, die sich seit SARS-CoV nicht verändert hat und deshalb vermutlich weniger für Mutationen anfällig ist. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass Sotrovimab Hospitalisierungen und Todesfälle um 85 Prozent reduziert.

Auch dieses Präparat wird als intravenöse Infusion verabreicht. Entwickelt wurde Sotrovimab wesentlich von der Tessiner Biotechfirma Humabs BioMed, das zum US-Unternehmen Vir Biotechnology gehört, in Zusammenarbeit mit dem Konzern GlaxoSmithKline. An der Produktion wirken zudem das US-Unternehmen Biogen und die chinesische Firma WuXi Biologics mit.

Sotrovimab hat von der EMA eine Notfallzulassung erhalten. Auch von der US-Zulassungsbehörde FDA liegt eine Notfallzulassung für die Behandlung von leichten bis mittelschweren COVID-19-Erkrankungen bei Erwachsenen und pädiatrischen Hochrisikopatienten vor. In der Schweiz ist das Mittel noch nicht offiziell zugelassen, jedoch hat der Bund mit GlaxoSmithKline im Juli einen Vertrag für die Reservation von 3000 Dosen abgeschlossen.

Remdesivir

Im Gegensatz zu den zuvor erwähnten antiviralen Medikamenten, die auf Antikörpern basieren, handelt es sich bei Remdesivir um einen antiviralen Wirkstoff aus der Gruppe der RNA-Polymerase-Inhibitoren. Remdesivir blockiert ein Virus-Enzym, das für die Synthese des Viren-Erbguts unerlässlich ist, und unterbindet damit die Vermehrung des Erregers. Das Präparat wurde vom US-Pharmaunternehmen Gilead Sciences ursprünglich gegen das Ebolavirus entwickelt, bewährte sich jedoch in der klinischen Prüfung nicht.

Remdesivir wird im menschlichen Körper zur aktiven Form GS-441524 verstoffwechselt. Diese hemmt die RNA-Polymerase der Viren und damit deren Vermehrung.
Remdesivir wird im menschlichen Körper zur aktiven Form GS-441524 verstoffwechselt. Diese hemmt die RNA-Polymerase der Viren und damit deren Vermehrung.
Bild: keystone

Remdesivir erhielt im Juli 2020 als erstes Arzneimittel zur Behandlung von bestimmten Covid-19-Patienten ab 12 Jahren eine bedingte Zulassung der EMA und ist derzeit in etwa 50 Ländern zugelassen, darunter die Schweiz. Gemäss den Ergebnissen einer klinischen Studie kann das Mittel die Genesungszeit verkürzen, das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen sowie die Mortalität senken. Andere Studien konnten nur sehr geringe oder gar keine Effekte feststellen.

Immunmodulatoren

Bei schweren Krankheitsverläufen von Covid-19 kommt es oft zu einer überschiessenden Abwehrreaktion des Körpers – das Immunsystem attackiert nicht mehr nur die Viren, sondern schädigt die Organe des Körpers mehr als die Viren selbst. Medikamente, die solche gefährlichen Entzündungsreaktionen im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung dämpfen sollen, werden immunsupprimierende Modulatoren oder Entzündungshemmer genannt. Sie richten sich also nicht gegen die Viren, sondern gegen die Reaktionen des Immunsystems.

Zu starke Reaktionen des Immunsystems sind nicht nur eine Gefahr für Covid-19-Patienten, sondern liegen auch immunologischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder der Psoriasis zugrunde. Zur Behandlung von schweren Covid-19-Erkrankungen werden daher oft Medikamente herangezogen, die bereits gegen eine immunologische Krankheit eingesetzt werden. Bei der Abschwächung der Immunreaktionen wird die Reaktionsfähigkeit des Immunsystems nicht wesentlich beeinträchtigt.

Dexamethason

Dieses Kortikosteroid ist strukturverwandt mit dem Hormon Kortison und wird schon lange als Medikament gegen rheumatoide Arthritis oder Asthma eingesetzt. Im Fall von Covid-19 soll Dexamethason bei Patienten, die mehr als sieben Tage lang krank sind, Sauerstoff benötigen oder gar beatmet werden, die Sterblichkeit gemäss einer britischen Studie um ein Fünftel bzw. ein Drittel senken.

Dexamethason wird schon lange als Medikament eingesetzt – nun auch gegen Covid-19.
Dexamethason wird schon lange als Medikament eingesetzt – nun auch gegen Covid-19.
Bild: Shutterstock

Das Mittel sollte jedoch nicht bei Patienten mit milden Symptomen und nicht zu früh eingesetzt werden. Ein Vorteil besteht darin, dass das Präparat billig ist, da der Patentschutz der Tabletten und Infusionen längst abgelaufen ist.

Tocilizumab

Manchmal wird Dexamethason zusammen mit dem monoklonalen Antikörper Tocilizumab von Roche verabreicht, der ebenfalls immunsuppressive und entzündungshemmende Eigenschaften hat. Hämatologen wenden Tocilizumab, das in der Schweiz seit 2008 zugelassen ist, auch in der Zelltherapie an, beispielsweise bei Blutkrebs.

Die Ergebnisse verschiedener Studien sind uneinheitlich: Die EMPACTA-Studie mit hospitalisierten Patienten, die jedoch keinen Sauerstoff benötigten, verzeichnete eine Senkung der Lebensgefahr und eine verringerte Notwendigkeit der Beatmung. In der zuvor durchgeführten COVACTA-Studie gab es jedoch keinen Unterschied zur Placebo-Gruppe. Tocilizumab erhielt im Juni 2021 eine Notfallzulassung der FDA für die Behandlung von Covid-19-Patienten.

Infliximab

Infliximab ist ein Medikament, das unter anderem gegen Morbus Crohn, Psoriasis und rheumatoide Arthritis eingesetzt wird. Es gehört zu den TNF-alpha-Inhibitoren, das heisst es bindet den entzündungsfördernden Botenstoff TNF-alpha (Tumor-Nekrose-Faktor alpha), das die Bildung und Entwicklung von anderen Immunzellen steuert. Es ist schon länger bekannt, dass Infliximab das Infektionsrisiko erhöht.

Darstellung des Zytokins Tumor-Nekrose-Faktor alpha, das von Infliximab gebunden wird.
Darstellung des Zytokins Tumor-Nekrose-Faktor alpha, das von Infliximab gebunden wird.
Bild: Shutterstock

Tatsächlich zeigte sich während der Corona-Pandemie, dass positiv getestete Patienten, die Infliximab einnahmen, weniger Antikörper bildeten. Das Medikament behinderte also die Immunantwort. Zugleich aber gab es Hinweise, dass die Behandlung mit dem Medikament einen schweren Krankheitsverlauf verhindert. Patienten, die wegen einer Rheumaerkrankung Infliximab einnehmen, erlebten häufiger eine harmlose Covid-Infektion. Der Wirkstoff wird deshalb von der Weltgesundheitsorganisation WHO weiter erprobt.

Imatinib

Das seit 2001 zugelassene Krebsmedikament gehört zu den Kinasehemmern und wird zur Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie eingesetzt. Bei anderen Erkrankungen hat Imatinib eine Funktionsstörung der Blutkapillaren in den Lungen verhindert. In einer kontrollierten klinischen Studie in den Niederlanden vermochte das Medikament zwar die Dauer der Sauerstoffbehandlung und Beatmung nicht zu verringern – aber es kam zu einem deutlichen Rückgang der Sterblichkeit.

Möglicherweise macht der Wirkstoff das Auftreten von Kapillarlecks in der Lunge rückgängig und verbessert den Transport von Sauerstoff von der Lunge in die Blutgefässe. Solche Lecks stellen bei einer schweren Covid-19-Erkrankung eine gefährliche Komplikation dar. Die niederländische Studie war allerdings nicht sehr umfangreich; weitere Forschungen erscheinen daher notwendig.

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Coronavirus: Was du wissen musst

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quelle: ap / zoltan balogh
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