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Cannabis-Konsum vor 2800 Jahren belegt

Erhaltene menschliche Haare aus den Gräbern erlaubten den Nachweis des Konsums von Cannabis.
Erhaltene menschliche Haare aus den Gräbern erlaubten den Nachweis des Konsums von Cannabis.Bild: CC BY / Caspari et al.

Cannabis wird schon seit 2800 Jahren konsumiert

Chemische Spuren in menschlichen Haaren aus einem Grab in Sibirien weisen darauf hin, dass Cannabis bereits vor langer Zeit als Rauschmittel genutzt wurde.
05.11.2026, 20:0005.11.2026, 20:04

Ein internationales Forschungsteam untersuchte für eine am Donnerstag veröffentlichte Studie einen rund 2800 Jahre alten Grabhügel namens Tunnug 1 im Süden Sibiriens. Dort stiessen Archäologinnen und Archäologen um Gino Caspari von der Universität Bern auf zahlreiche Cannabis-Samen, die in hölzernen Grabkammern und in der Nähe von Bestatteten lagen. Insgesamt bargen sie mehr als 1400 vollständige Samen sowie weitere Bruchstücke.

Entscheidend für den Nachweis des Konsums waren jedoch menschliche Haarproben aus dem Grab. Mit massenspektrometrischen Analysen wiesen die Forschenden darin Cannabinol nach. Dabei handelt es sich um ein Abbauprodukt des psychoaktiven Wirkstoffs THC.

Die archäologische Ausgrabungsstätte Tunnug 1 in Südsibirien.
Die archäologische Ausgrabungsstätte Tunnug 1 in Südsibirien.Bild: T. Wallace

Die Kombination aus Pflanzenresten und chemischen Spuren im menschlichen Haar spreche stark dafür, dass die Menschen Cannabis tatsächlich konsumiert hätten, schreiben die Forschenden in der Fachzeitschrift «Science». Eine unbeabsichtigte Aufnahme der Substanzen lasse sich zwar nicht vollständig ausschliessen. Die Befunde deuteten aber auf eine gezielte Verwendung wegen der psychoaktiven Wirkung hin.

Ein Situationsplan der zentralen Begräbnisstätte des Fürstengrabs Tunnug 1.
Ein Situationsplan der zentralen Begräbnisstätte des Fürstengrabs Tunnug 1.Bild: CC BY / Caspari et al.

Cannabis als Teil von Bestattungsritualen

Die Forschenden vermuten, dass Cannabis bei Bestattungsritualen eine Rolle spielte. Der Grabhügel gehörte zu einem aufwendig gestalteten Bestattungskomplex, bei dem auch zahlreiche Pferde geopfert worden waren. Möglicherweise wurde die Pflanze geraucht oder auf andere Weise konsumiert. Denkbar sei auch, dass sie dazu diente, Menschen im Rahmen der Rituale zu beruhigen.

Wie genau Cannabis verwendet wurde, lässt sich anhand der Funde nicht feststellen. Auch eine Verwendung als Räucherwerk können die Forschenden nicht ausschliessen. Die chemischen Spuren in den Haaren sprechen ihrer Ansicht nach allerdings dafür, dass die psychoaktiven Substanzen in den Körper gelangten.

Die Cannabissamen sind im Ausgrabungskontext nicht ganz einfach zu entdecken.
Die Cannabissamen sind im Ausgrabungskontext nicht ganz einfach zu entdecken.Bild: T. Wallace

Die Samen wurden mit der Radiokarbonmethode datiert. Ein statistisches Modell ordnet ihre Ablagerung dem ersten Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts vor Christus zu. Damit ist der Fund rund 2800 Jahre alt.

Unter gutem Licht fotografiert zeigt sich auf den Samen ein typisches netzartiges Muster, dass die Identifikation erlaubt.
Unter gutem Licht fotografiert zeigt sich auf den Samen ein typisches netzartiges Muster, dass die Identifikation erlaubt.Bild: CC BY / Caspari et al.

Frühe Hinweise aus Zentralasien

Dass Menschen in der eurasischen Steppe schon vor Jahrtausenden Cannabis verwendeten, war bereits aufgrund früherer archäologischer Funde vermutet worden. In Gräbern im Altai-Gebirge und im Pamir-Gebirge fanden Forschende unter anderem Cannabis-Samen und Gefässe mit Rückständen verbrannter Pflanzen. Diese Funde deuteten auf eine Verwendung im Rahmen von Ritualen hin.

Auch der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtete, dass Skythen Cannabis-Dämpfe einatmeten. Die neuen Ergebnisse liefern nun einen direkten biologischen Beleg für den Konsum. (sda)

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