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Kanye West, left, and Jay Z perform in concert during the

Bild: AP

Hip-Hop an der US-uni

Yo, Professor, was lernen wir im Jay-Z-Seminar?

Rapgewiefte Intellektuelle können sich an der Uni Missouri für ein Seminar einschreiben, das Werk und Karriere von Jay-Z und Kanye West untersucht. watson sprach mit dem zuständigen Professor.

Wer noch Zweifel hat, dass Hip-Hop ein ernstzunehmendes Genre ist, den wird diese Nachricht quasi wegpusten: Jay-Z und Kanye West sind Thema universitärer Studien. 

Jawohl, die Abteilung für Anglistik der University of Missouri bietet bereits zum zweiten Mal einen Lehrgang zum Thema Jay-Z and Kanye West an! Laut Beschreibung werden dabei die Karrieren und das Werk der beiden Hip-Hop-Stars «aus drei Perspektiven untersucht: 

(1) Jay-Z und Kanyes Platz in der Geschichte der Rap-Musik. 
(2) Inwiefern gleicht ihr Schaffen dem von Dichtern oder unterscheidet sich davon? 
(3) Wie hat ihr Erfolg als Celebrities und Unternehmer unser Verständnis des American Dream verändert?»

watson sprach mit Andrew Hoberek, Assistenzprofessor an der Uni Missouri und Kursleiter.

Andrew Hoberek

Zieht Parallelen zwischen der Literatur des frühen 20. Jahrhunderts und dem zeitgenössischem Hip-Hop: Professor Andrew Hoberek Bild: Andrew Hoberek

Herr Professor, erklären Sie uns doch bitte mal, wie das Schaffen Jay-Zs und Kanyes dem von Dichtern ähnelt?
Sowohl Jay-Z wie Kanye West arbeiten auf einem ausserordentlich hohen Niveau als Wortkünstler, ähnlich wie dies zeitgenössische Dichter und Schriftsteller tun. Allerdings unterscheidet sich ihr Schaffen von Literatur dahingehend, dass es nebst Sprache ebenfalls Musik und oft auch Bilder einbezieht.

Bilder und Musik sind ja das Entscheidende. Strapaziert man hier nicht etwas den Begriff Literatur?
Dies darf man und soll man, denn es bringt jene wichtigen Grundsatzfragen an die Oberfläche; jene Fragen nach der Definition von Literatur oder Kunst, sowohl aus sozialer wie auch aus ästhetischer Sicht. Ich sehe eine Parallele zum Film, der in den USA oft in den Anglistik- und Literatur-Abteilungen gelehrt wird, aber über die Standarddefinition vom Lehrstoff solcher Studiengänge natürlich auch hinausgeht.

Hip-Hop in der Anglistik-Fakultät also – aber wieso nun gerade Jay-Z und Kanye?
Weil Jay-Z und Kanye beide ständig gängige Hip-Hop-Konventionen über Bord werfen wollen, was wiederum ähnlich ist wie in der Literatur und Malerei des frühen 20. Jahrhunderts, oder im Jazz der Fünfzigerjahre. Als ich vor einem Jahr zum ersten Mal den Kanye-Kurs durchführte, leitete ich ebenfalls einen eher traditionellen Kurs über modernistische Prosa, über Autoren wie James Joyce, Virginia Woolfe oder William Faulkner. Und siehe da: In beiden Kursen waren es stets die Künstler, welche die Konventionen ihrer Genres ablehnten, die auf das grössere Interesse der Studenten stiessen.

Kanye West hat in jüngster Zeit allerdings weniger mit genialer Musik Schlagzeilen gemacht, sondern mit arroganter Überheblichkeit, die zuweilen in weltfremder Selbstgerechtigkeit gipfelt.
Ach, es ist wichtig, Kanyes künstlerisches Werk von seinem umstrittenen öffentlichen Auftritt zu trennen. Es gibt in diesem Genre eine lange Tradition, das Aufrührerische im Auftreten zu kultivieren.

Also teilen sie nicht Obamas Meinung, Kanye sei ein «Jackass»? (Es ging damals anno 2009 um die Dankesrede von Taylor Swift, die bei den MTV-Awards von Kanye unterbrochen wurde.)
Politiker und Rapper haben logischerweise unterschiedliche Vorstellungen davon, was unter einem gepflegten öffentlichen Diskurs zu verstehen ist. Die Beziehung zwischen beiden Gruppen ist gespannt, seit Bill Clinton die Künstlerin und Aktivistin Sister Souljah während des Wahlkampfs von 1992 kritisierte.

Jay-Z wiederum wurde jüngst des Song-Diebstahls bezichtigt. Noch laufen die Verhandlungen darüber, wie viel Geld er der Basler Jazz-Legende Bruno Spoerri für die unerlaubte Benutzung eines Samples schuldet.
Ich kenne die Details dieses Falles nicht. Weil Sampling so zentral für Rap-Musik ist, ist dies auch nicht der erste Fall, in den Jay-Z involviert ist. Sampling wirft interessante Fragen über nationales und internationales Recht und den Urheber von geistigem Eigentum auf. In meinem Seminar diskutieren wir aber nur die Ästhetik an sich und fragen uns, wie Sampling in gängige Vorstellungen von Kreativität und Individualität eines Künstlers hineinpasst.



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