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Neue Studie zeigt: Cannabis-Wirkstoff hilft gegen belastende Albträume

Miguel Laboy rolls a joint Friday, Nov. 14, 2025, in Brookline, Mass. (AP Photo/Robert F. Bukaty)
Cannabis Use Disorder Users
In der Studie wurde der Cannabis-Wirkstoff den Probanden und Probandinnen jedoch in Tropfenform verabreicht.Bild: keystone

Studie macht Hoffnung – Cannabis-Wirkstoff hilft gegen belastende Albträume

Ein Cannabis-Wirkstoff könnte Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) beim Schlafen helfen. Das zeigt eine neue Studie.
09.08.2026, 19:4109.08.2026, 19:41

Die Untersuchungen wurden an der Berliner Charité initiiert und federführend durchgeführt. Stefan Röpke, der an der dortigen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Traumafolgestörungen erforscht, nutzte für die Studie zusammen mit seinem Team sowie Partnern einen zentralen Wirkstoff der Hanfpflanze, nämlich Tetrahydrocannabinol, kurz THC.

Das Ergebnis der Studie mit 171 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist deutlich: Bei mehr als der Hälfte derjenigen, die THC erhielten, zeigte die Behandlung Wirkung, bei über einem Drittel verschwanden die Albträume während des Studienzeitraums sogar vollständig. Die Befunde wurden im Fachjournal «Nature Medicine» veröffentlicht.

THC ist nicht nur berauschend, sondern den Forschenden zufolge im Körper auch für die Regulation von Schlaf, Stress und die Verarbeitung von emotionalen Erinnerungen mit zuständig. «Es gibt Hinweise darauf, dass THC im REM-Schlaf, den intensiven Traumphasen, in denen das Gehirn Erlebnisse verarbeitet und Emotionen reguliert, die Traumaktivität abschwächt und damit nächtliche Stressreaktionen mildert», sagt Röpke.

Traumatisierte Menschen greifen oft schon länger zu Cannabis

Wer an einer PTBS erkrankt ist, dessen Gehirn ist nicht in der Lage, extreme Erlebnisse angemessen zu verarbeiten. Traumatische Erinnerungen werden auf eine Weise gespeichert, die dem Betroffenen keine bewusste Kontrolle darüber lässt – sie brechen ungefiltert hervor, tagsüber wie nachts. Im Schlaf mündet das in intensive Alpträume, aus denen Betroffene häufig in Panik erwachen.

Bei der Behandlung einer PTBS kommen laut der Charité bislang vor allem Antidepressiva und Blutdruckmittel zum Einsatz, die jedoch nur begrenzt wirksam sind und speziell gegen die Alpträume kaum helfen. Ein spezifisch zugelassenes Medikament für traumabedingte Alpträume fehlt demnach in Deutschland bis heute.

Die Autorinnen und Autoren der Studie schreiben, dass viele Patientinnen und Patienten mit PTBS schon länger Cannabis als Selbstmedikation konsumieren. Dadurch könnten sie eigenen Angaben zufolge Angstgefühle verringern, sich entspannen und den Schlaf verbessern. Dieser oft schon seit Jahrzehnten durchgeführte Privatkonsum brachte die Forschung auf die Idee, die Cannabis-Wirkstoffe systematisch zu untersuchen.

Placebo schmeckte auch nach Cannabis

Für die Studie nutzten die Forschenden Dronabinol, ein direkt aus der Hanfpflanze gewonnenes THC in Tropfenform. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt zehn Wochen lang täglich 2,5 bis 15 Milligramm – je nach Wirkung individuell dosiert. Die andere Hälfte erhielt ein optisch identisches, ebenfalls nach Cannabis schmeckendes Placebo. Weder die Behandler noch die Teilnehmer wussten, wer welches Präparat einnahm.

Die Auswertung zeigte einen deutlichen Unterschied zwischen den Gruppen: In der Dronabinol-Gruppe sank die Albtraumlast auf einer achtstufigen Skala im Schnitt um 3,7 Punkte, in der Placebogruppe lediglich um 2,2 Punkte. «Insgesamt nahmen rund fünf von sechs Patientinnen und Patienten in der Dronabinol-Gruppe ihren Gesundheitszustand subjektiv als deutlich verbessert wahr», sagt Röpke.

Unabhängige Einschätzung: gut angelegte Studie

Kirsten Müller-Vahl, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover, die an der Studie nicht beteiligt war, hält diese für «gut angelegt». Löblich sei auch, dass das Studiendesign bereits zuvor publiziert wurde und dass die Charité die Untersuchung selbst bezahlt habe, also keine Gelder aus der Pharmaindustrie dafür nahm.

Wichtig sei ausserdem, dass man auf theoretischer Ebene gut erklären könne, wieso eine Therapie mit THC sinnvoll sein könne, führt Müller-Vahl weiter aus. Denn auch im Körper gebe es ein endogenes Cannabinoid-System, das unter anderem bei Angstauslöschung und bei Schlaf eine Rolle spiele.

Weitere Studie zu langfristigem Gebrauch

Schwerwiegende Nebenwirkungen traten während der Studie nicht auf. Leichtere bis mittelschwere Begleiterscheinungen wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Appetitsteigerung wurden hingegen häufiger registriert. Entzugserscheinungen nach dem Absetzen des Präparats konnten die Forschenden nicht feststellen.

Nun wollen die Forschenden herausfinden, ob die Cannabis-Tropfen auch langfristig eingenommen werden können. Möglich sei, dass sich auf Dauer ein Gewöhnungseffekt einstellt und die Wirksamkeit nachlässt. Weitere Studien könnten sich auch damit beschäftigen, ob die Tropfen denjenigen Menschen helfen, die aus anderen Gründen häufig Alpträume haben, erklärte Röpke. (sda/dpa)

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