Neu entdeckte Schlangenart nach Gitarrist Slash von Guns N‘ Roses benannt
Slash, der eigentlich Saul Hudson heisst, ist vor allem als Gitarrist der Band Guns N‘ Roses bekannt. Doch neben der Musik hat die britisch-amerikanische Rocklegende eine weitere Leidenschaft: Reptilien. Früher hielt Slash Schlangen, die er aber nach der Geburt seines Sohnes an einen Zoo abgab. Zoos und Museen unterstützt er regelmässig.
Nun ist er dafür geehrt worden: Eine neu entdeckte Schlangenart ist nach ihm – das heisst nach seinem Künstlernamen – benannt worden. Angeregt hat das die Forscherin Sara Ruane, die am Field Museum in Chicago arbeitet und selbst ein grosser Guns-N‘-Roses-Fan ist. Die wissenschaftliche Bezeichnung des Reptils lautet Lielaphis slashi, auf Deutsch etwa «Slashs Erdnatter».
Bereits 2006 gefunden
Die neu entdeckte Schlangenart gehört zur Gattung Lielaphis, die wiederum zur Familie der Nattern (Colubridae) gehört. Lielaphis slashi ist in den Wäldern von Neuguinea heimisch, der zweitgrössten Insel der Welt, die nördlich von Australien liegt. Ihr Westteil gehört politisch zu Indonesien, während der Ostteil vom Staat Papua-Neuguinea eingenommen wird. In den tropischen Wäldern der Insel wimmelt es von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten – wie viele, können Wissenschaftler nicht genau abschätzen.
Das zeigte sich auch bei Lielaphis slashi: Das erste Exemplar, das später für die Beschreibung der Art von Bedeutung war, wurde bereits 2006 gefunden. Christopher Austin, Herpetologe am Naturkundemuseum der Louisiana State University, führte damals Feldforschungen in Papua-Neuguinea durch, als er auf eine ihm unbekannte Schlange stiess.
Nach dem Fund war nicht sofort klar, dass es sich um eine neue Art handelte. Äusserlich ähnelte die rotbraune Schlange stark anderen Schlangen der Gattung Lielaphis. Die gefundenen Tiere wurden zunächst für Lielaphis parvus gehalten, eine Art, die von der Insel Yapen in Indonesien bekannt ist.
DNA und körperliche Merkmale
Erst später brachten DNA-Untersuchungen und ein genauer Vergleich der Tiere mehr Klarheit. Die Forscher untersuchten das genetische Material von Dutzenden Lielaphis-Schlangen und verglichen zudem deren DNA. Ausserdem untersuchten sie körperliche Merkmale, darunter die Anzahl der Schuppen am Bauch, am Schwanz und um das Maul herum.
Daraus ergab sich ein deutliches Muster: Die Tiere, die nun als Lielaphis slashi bezeichnet werden, gehören eindeutig zu einer neuen Art. Das lässt sich nicht nur anhand ihrer DNA feststellen: Auch ihre Schuppen unterscheiden sich in mehreren Punkten von denen verwandter Arten.
Nachtaktiv und ungiftig
«Diese neuguineischen Bodenschlangen sind nachtaktiv, daher findet man sie am besten nachts. Man findet sie typischerweise kurz nach Sonnenuntergang am Fusse grosser Bäume, wo sie nach Nahrung suchen», erklärt Austin, wie Sara Ruane Mitautor der in Zootaxa erschienenen Studie, in der die neue Art beschrieben wird. «Wenn man nachts in Neuguinea arbeitet, muss man sehr vorsichtig sein, da es mehrere hochgiftige Arten gibt, die den ungiftigen Bodenschlangen sehr ähnlich sehen.»
Dass die neu entdeckte Schlangenart tatsächlich eine eigene Spezies ist, zeigte sich auch an den Lebensräumen, die für sie geeignet sind. Die Forscher nutzten Computermodelle, um dies zu untersuchen. Dabei zeigte sich, dass vor allem tief liegende Gebiete im Nordosten des Festlandes von Neuguinea geeignet zu sein scheinen. Die Insel Yapen, auf der die fast identische Art Lielaphis parvus vorkommt, erwies sich dabei als ungeeignet für die neu beschriebene Art. Dies war ein weiterer Hinweis darauf, dass die Tiere nicht zur selben Art gehören.
Über die neue Schlange ist noch nicht viel bekannt. Die Tiere lassen sich in freier Wildbahn nur schwer beobachten, da sie schnell zwischen Blättern und Vegetation verschwinden. Ihr Körperbau liefert jedoch einige Hinweise darauf, wovon sie sich ernähren. Schlangen dieser Gattung haben oft relativ grosse Zähne im hinteren Teil ihres Mauls. Damit können sie glatte Eidechsen und Eier anderer Reptilien fressen. Laut Sara Ruane fängt die Schlange ihre Beute vermutlich auch mit dem Maul. Sie würgt ihre Beute also nicht, wie es beispielsweise eine Boa tut.
20 bekannte Arten
Mit Lielaphis slashi umfasst die Gattung Lielaphis nun 20 bekannte Arten. Die Forscher vermuten, dass es auf Neuguinea noch weitere neue Arten gibt. Und genau darin liegt das Problem: Die Wälder, in denen diese bislang noch nicht beschriebenen Arten leben, stehen unter Druck, unter anderem durch Landwirtschafts- und Bergbauunternehmen.
Deshalb ist es laut Ruane wichtig, so schnell wie möglich alle Arten in diesem Gebiet zu entdecken. «Wir können Tiere nicht schützen, wenn wir nicht wissen, dass es sie gibt. Deshalb ist es wichtig, kontinuierlich neue Arten zu identifizieren. Das hilft uns auch dabei, besser zu verstehen, wie die Ökosysteme in diesem Gebiet funktionieren und wie sie sich gegenseitig beeinflussen.» (dhr)
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