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Immer mehr doppelt Geimpfte unter den Coronatoten – das sind die Gründe

Coronavirus, Impfung
Alter ist ein massgeblicher Risikofaktor bei der Sterblichkeit an Covid-19. Auch unter Geimpften. Bild: Shutterstock

Immer mehr doppelt Geimpfte unter den Coronatoten – das sind die Gründe

03.07.2021, 11:4703.07.2021, 11:49

Gut ein Drittel der Schweizer Wohnbevölkerung war Ende Juni vollständig – also mit zwei Impfdosen – gegen Covid-19 geimpft. Mehr als die Hälfte hat zumindest eine Dosis erhalten. Die Zahl der Neuinfektionen ist – wenigstens zum aktuellen Zeitpunkt – so niedrig wie seit letztem August nicht mehr, auch wenn sich die gefürchtete Delta-Variante von SARS-CoV-2 auch in der Schweiz auf dem Vormarsch befindet und hier in absehbarer Zeit ebenfalls dominieren wird.

Diese Variante wurde zuerst in Indien nachgewiesen und ist nach vorläufigen Erkenntnissen um rund 60 Prozent ansteckender als die bisher dominierende Alpha-Variante (britische Variante). Wer sich mit der Delta-Variante infiziert hat, bleibt zudem im Mittel 18 Tage ansteckend, während es bei der Alpha-Variante 14 Tage sind und bei den im letzten Jahr dominierenden Varianten nur 13 Tage.

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Mittlerweile verursacht die Delta-Variante in Grossbritannien mehr als 90 Prozent aller Neuinfektionen. Ob sie auch häufiger schwere Krankheitsverläufe nach sich zieht, ist noch nicht abschliessend geklärt – es gibt jedoch Hinweise aus Grossbritannien, wonach das Risiko einer Hospitalisierung etwa doppelt so hoch ist wie bei der Alpha-Variante. Daran könnten allerdings auch weitere Faktoren beteiligt sein.

Die gängigen Impfstoffe verhindern nicht unbedingt eine Infektion mit SARS-CoV-2. Sie schützen jedoch vor einem schweren Krankheitsverlauf, und nach aktuellen Erkenntnissen scheint dies auch bei der aggressiveren Delta-Variante der Fall zu sein. Das Vakzin von Biontech/Pfizer soll gemäss Angaben der britischen Gesundheitsbehörde PHE nach der ersten Dosis zu 94 Prozent eine Hospitalisierung verhindern, nach der zweiten Dosis gar zu 96 Prozent.

Die entsprechenden Werte für den Impfstoff von AstraZeneca liegen bei 71 und 92 Prozent. Und auch Moderna bescheinigt seinem Impfstoff nach Laboruntersuchungen, die bisher jedoch noch nicht von unabhängigen Experten geprüft wurden, eine lediglich «geringfügig verminderte Reduktion» der Schutzwirkung gegen die Delta-Variante. Das Risiko von vollständig Geimpften, nach einer Infektion mit der Delta-Variante hospitalisiert zu werden oder gar zu sterben, ist nach Schätzungen der PHE im Vergleich zu Ungeimpften auf rund 5 Prozent verringert.

Paradoxer Anstieg

Der Schutz, den die Impfstoffe bieten können, ist jedoch nicht hundertprozentig, wie diese Zahlen zeigen. So kann es auch bei doppelt geimpften Personen zu schweren Verläufen bis hin zum Tod kommen, wenn auch in massiv reduziertem Umfang. Dies zeigt sich in der – auf den ersten Blick entmutigend wirkenden – Tatsache, dass von den bisher 117 in Grossbritannien registrierten Todesfällen nach einer Delta-Infektion nicht weniger als 50 vollständig geimpfte Patienten waren.

Dieser Befund erscheint paradox. Je mehr Personen geimpft sind, desto höher wird ihr Anteil an den Covid-19-Toten. Manche Impfskeptiker werden darin eine Bestätigung für ihre Ablehnung der Corona-Impfungen sehen. In Wahrheit ist diese Entwicklung erwartbar und hat nichts mit einer angeblich ineffizienten oder gar gefährlichen Impfung zu tun. Warum aber steigt der Anteil der Geimpften an den Corona-Toten?

Risiko steigt mit dem Alter

Die wenigen Ausnahmen, bei denen der Impfschutz versagt, sind nicht gleichmässig über die Bevölkerung verteilt. Das Risiko ist bei bestimmten Gruppen deutlich höher – bei jenen nämlich, die ohnehin auch ungeimpft stärker gefährdet sind: Vorerkrankte und Alte.

Von den zuvor erwähnten 50 Todesfällen von vollständig Geimpften in Grossbritannien waren alle älter als 50 Jahre. Unter allen insgesamt 117 Verstorbenen (von total 92'029 bestätigten Delta-Fällen) befanden sich lediglich 8, die jünger als 50 Jahre waren. 2 von ihnen hatten eine erste Impfdosis erhalten.

Todesfälle unter Patienten, die mit der Delta-Variante infiziert waren

Tabelle: Deaths among people who got the Delta variant as of June 21, as reported by Public Health England. 
https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/ ...
Stand: 21. Juni 2021. Tabelle: Public Health England

Das Alter spielt eine herausragende Rolle beim Risiko eines tödlichen Verlaufs einer Covid-19-Erkrankung. Alle sechs bis sieben Jahre verdoppelt sich dieses Risiko, sodass es für einen vollständig geimpften 80-Jährigen etwa gleich hoch ist wie für einen ungeimpften 50-Jährigen. Das bedeutet, dass der doppelt geimpfte 80-Jährige ein bedeutend kleineres Risiko hat, an Covid-19 zu sterben als ein ungeimpfter Altersgenosse – aber es ist nicht gleich null.

Immer mehr Geimpfte

Neben dem höheren Erkrankungs- und Sterberisiko der Risikogruppen, das in stark vermindertem Ausmass eben auch bei den Geimpften vorliegt, führt ein weiterer Umstand dazu, dass unter den Covid-19-Toten anteilmässig immer mehr Geimpfte zu finden sind: Die Personen, die zu einer Risikogruppe gehören und geimpft werden können, sind mittlerweile überwiegend geimpft – in Grossbritannien etwa sind es rund 93 Prozent der Über-50-Jährigen.

Die noch nicht Geimpften sind daher weit überwiegend relativ jung; und deren Sterberisiko ist ohnehin niedriger. Diese Gruppe stellt zwar den weitaus grössten Teil der Infizierten, aber ihr Anteil an den Todesfällen ist gering. Wenn – was nun der Fall ist – immer mehr Personen aus dieser Gruppe geimpft werden, nimmt ihr Anteil an den Sterbefällen noch weiter ab.

Die zunächst irritierende Tatsache, dass sich immer mehr Geimpfte unter den Todesopfern des Virus befinden, ist daher im Gegenteil ein Hinweis auf die Wirksamkeit der Impfung.

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