PCOS: Wie ein einzelner Buchstabe die Gesundheit von Frauen verbessern soll
Es ist die häufigste endokrinologische Störung von Frauen im fruchtbaren Alter und betrifft 8 bis 13 Prozent von ihnen – weltweit mehr als 170 Millionen Frauen. Die Rede ist vom polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS). Zumindest ist das der bisherige Name der Krankheit, welche Schätzungen zufolge bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen unerkannt bleibt. Mit einer Umbenennung hoffen Fachleute nun, die Diagnose zu erleichtern und die Krankheit besser verständlich zu machen: Aus PCOS wird PMOS. Die neue Abkürzung steht für «polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom».
Was auf den ersten Blick wie eine Nebensächlichkeit tönt, ist das Ergebnis einer Herkulesaufgabe, an der fast 60 Organisationen sowie mehr als 14'000 Betroffene und Fachleute aus der ganzen Welt beteiligt waren. Ihr Argument: Ein Grund für die vielen unerkannten Fälle sei, dass der bisherige Name «Polyzystisches Ovarialsyndrom» den Eindruck vermittele, Eierstockzysten seien das entscheidende Merkmal der Erkrankung. Das ist wissenschaftlich falsch. Denn tatsächlich handelt es sich nicht um krankhafte Zysten, die man im Ultraschall sieht, sondern um eine Vielzahl von Eibläschen (Follikel).
Eine Heilung gibt es nicht
Die Liste der möglichen Symptome von PMOS bleibt aber auch ohne die Zysten sehr lang. So haben viele Betroffene unregelmässige oder ausbleibende Monatsblutungen und Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Hinzu kommen Akne, verstärkter Haarwuchs im Gesicht oder am Körper sowie Haarausfall am Kopf. Ausserdem ist das Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine Fettleber erhöht. Auch psychische Beschwerden treten häufiger auf. Je nach geografischer und ethnischer Herkunft sind gemäss Studien zudem 40 bis 80 Prozent der Betroffenen adipös (schwarze und hispanische Frauen haben ein deutlich höheres Adipositasrisiko als etwa Asiatinnen).
Dieser Vielfalt an Symptomen werde der bisherige Name der Krankheit nicht gerecht, hiess es jüngst in einem Beitrag im medizinischen Fachblatt «The Lancet», in dem das internationale Konsortium die Gründe für die Umbenennung darlegt. Sie verweisen auf frühere Untersuchungen, wonach die Bezeichnung zu Missverständnissen führt, die Kommunikation zwischen Betroffenen und Fachpersonen erschwert und viele Patientinnen mit der medizinischen Versorgung unzufrieden sind.
Noch lässt sich die Hormonstörung nicht mit einem einzelnen Test feststellen. Nach aktuellen Leitlinien stellen Gynäkologinnen und Gynäkologen die Diagnose, wenn mindestens zwei von drei Merkmalen vorliegen: erhöhte männliche Hormone, ein seltener oder ausbleibender Eisprung mit unregelmässigem Zyklus sowie typische Veränderungen der Eierstöcke im Ultraschall oder ein erhöhter Wert des Anti-Müller-Hormons. Gleichzeitig müssen andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden ausgeschlossen werden, wie zum Beispiel eine Erkrankung der Schilddrüse oder hormonbildende Tumore.
Wird PMOS erkannt, gibt es zwar keine Heilung, aber immerhin lassen sich die Symptome bekämpfen. Zum Beispiel mit Hormonpräparaten, Medikamenten zur Gewichtsreduktion oder Antibiotika bei Akne. Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch gibt es die Möglichkeit, mit Medikamenten den Eisprung zu fördern oder auf eine künstliche Befruchtung zurückzugreifen. (schweizheute.ch)

