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Schweizer Erdbeben-Experte zum Doppelbeben in Venezuela

Interview

Erdbeben-Experte: «Nachbeben können verheerende Folgen haben»

Zwei schwere Erdbeben haben Venezuela erschüttert. Ein Experte vom Schweizerischen Erdbebendienst erklärt, warum weitere Nachbeben gefährlich werden können.
25.06.2026, 15:2725.06.2026, 16:55
Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf

Am Mittwochabend um 18.05 Uhr Ortszeit bebte die Erde im Norden Venezuelas. Der Seismologe Xavier Borgeat vom Schweizerischen Erdbebendienst an der ETH Zürich erklärt, was sich abspielte.

epa13063478 Residents walk through the rubble of damaged apartment buildings following the twin 7.2 and 7.5-magnitude earthquakes that struck the country, in Catia la Mar, Venezuela, 25 June 2026. At  ...
Die Beben ereigneten sich innerhalb von 39 Sekunden.Bild: keystone

Die Situation in Venezuela ist noch unklar. Wo lag das Epizentrum der Erdbeben?
Xavier Borgeat: Es gab zwei Erdbeben, sehr kurz hintereinander. Beide mehr oder weniger am gleichen Ort, etwa 200 Kilometer westlich von Caracas. In einer Tiefe von 10 bis 20 Kilometern. Die Beben hatten nach Angaben des «US Geological Survey» (USGS) Magnituden von 7,2 und 7,5. Die Magnitude zeigt die Stärke des Bebens an der Quelle. Beben dieser Stärke haben ausgedehnte Bruchflächen von rund 150 bis 200 Kilometer Länge.

Wie ist die Stärke zu beurteilen?
Im Bereich des Epizentrums war die berechnete und die verspürte Intensität des Erdbebens sehr hoch. Bei solcher Intensität waren solch deutliche Schäden an Gebäuden zu erwarten.

Gab es seither Nachbeben?
Ja, es gab schon zwei registrierte Nachbeben mit einer Stärke auf der Magnitudenskala von über 4, genau genommen 4,5 und 4,4. Diese beiden Nachbeben gingen östlich von den Hauptbeben, in der Nähe von Caracas aus.

Ist mit weiteren Nachbeben zu rechnen?
Ja, die Gefahr ist insbesondere in den nächsten Tagen hoch. Typischerweise sind Nachbeben aber geringer in der Stärke. Allerdings sind viele Gebäude jetzt vorgeschädigt und auch ein Nachbeben von geringerer Magnitude kann weitere verheerende Konsequenzen haben. Es besteht zudem eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass sich nochmals ein ähnlich grosses oder gar grösseres Beben ereignet.

Wie weit waren die Erdbeben zu spüren?
Die beiden Erdbeben wurden weiträumig verspürt. Einige «Verspürtmeldungen» stammen aus einer Entfernung von etwa 1000 Kilometern vom Epizentrum. Die Erschütterungen wurden auch vom seismischen Netzwerk der Schweiz erfasst.

Die Opferangaben sind sehr unterschiedlich. Kann man trotzdem irgendwie abschätzen, wie viele Tote es geben könnte?
Die einzigen verfügbaren Schätzungen kommen vom amerikanischen Erdbebendienst USGS.  Diese gehen von sehr hohen Opferzahlen aus, zwischen 10 000 und 100 000. Das scheint realistisch, auch wenn sie mit grossen Unsicherheiten behaftet ist. Die Lage vor Ort ist nach wie vor sehr unübersichtlich, unter anderem, weil auch die mobile Kommunikation nicht funktioniert. Erfahrungsgemäss wird es mehrere Tage dauern, bis ein genaueres Bild des Ausmasses besteht – und mehrere Wochen bis Monate, bis das gesamte Ausmass beziffert werden kann.

Kann man die Stärke dieses Erdbebens mit anderen vergleichen?
Es ist gut vergleichbar mit dem Erdbeben vom 26. März 1812, das sich entlang des Boconó-Verwerfungssystems mit einer vergleichbaren Magnitude ereignete. Dieses Verwerfungssystem durchzieht die venezolanischen Anden im Westen des Landes und reicht von der kolumbianischen Grenzregion bis zur Karibikküste. Im Nachhinein wurde die Stärke auf 7,4 geschätzt. Es führte zu weitreichenden Zerstörungen in den Städten Mérida und Caracas und forderte schätzungsweise 30’000 Menschenleben. Die Beben von heute Nacht gehören allerdings zu den stärksten Beben, die bisher in dieser Region aufgetreten sind.

Ist diese Gegend bekannt für die Erdbebentätigkeit?
Ja, in der Vergangenheit haben sich immer wieder grosse Beben in Venezuela ereignet. Das liegt daran, dass die Region durch verschiedene plattentektonische Prozesse geprägt ist, was zu häufigen Erdbeben und Vulkanausbrüchen führt. Die Beben von vergangener Nacht hat sich an der Grenze der karibischen Platte im Norden und der südamerikanischen Platte im Süden ereignet. Die karibische Platte bewegt sich jedes Jahr um etwa zwei Zentimeter nach Osten, relativ zur südamerikanischen Platte. Das baut enorme Spannungen im Untergrund auf, die sich in Form von Erdbeben entladen.

(schweizheute.ch)

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Doppeltes Erdbeben in Venezuela
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Doppeltes Erdbeben in Venezuela

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quelle: keystone / ariana cubillos
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