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FILE - In this Oct. 24, 2017 file photo, an employee poses with Leonardo da Vinci's

Der «Salvator Mundi» in den Räumen des Auktionshauses Christie's in London. Bild: AP/AP

Wo ist «Salvator Mundi»? Die unglaubliche Geschichte um das teuerste Bild der Welt

Schlechte Restaurierung, umstrittene Expertisen und eine phänomenale Wertsteigerung: Die Geschichte um das teuerste Gemälde der Welt ist der grösste Kunstkrimi der Neuzeit. Und das nächste Kapitel kommt schon bald.



Bei 400 Millionen Dollar fiel der Hammer. Der anonyme Bieter hatte soeben den «Salvator Mundi» ersteigert, ein Ölgemälde, das Leonardo da Vinci gemalt haben soll. Die Verkaufssumme – mit Gebühren und Aufgeld für das Auktionshaus Christie's 450,3 Millionen Dollar – machte das Kunstwerk am 15. November 2017 schlagartig zum teuersten Gemälde der Welt.

Seither wurde der «Salvator Mundi» nicht mehr gesehen. Möglicherweise befindet sich das Gemälde im Besitz des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman al-Saud oder des Kulturministeriums von Abu Dhabi. Im September 2018 hätte das Bild im Louvre in Abu Dhabi gezeigt werden sollen, doch die Ausstellung wurde ohne Begründung abgesagt.

Vielleicht wird sich die Frage am 24. Oktober klären – dann eröffnet der Louvre in Paris, der eine enge Kooperation mit dem gleichnamigen Kunstmuseum in Abu Dhabi pflegt, eine grosse Ausstellung zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci. Das renommierte Museum bemüht sich, den «Salvator Mundi» als Leihgabe zu erhalten. Doch die Aussichten dafür sind eher düster, wie das Fachblatt «The Art Newspaper» schreibt.

Es wäre die nächste Episode in einem Kunstkrimi, der seinesgleichen sucht.

FILE- In this Oct. 23, 2018 file photo, Saudi Crown Prince, Mohammed bin Salman, smiles as he attends the Future Investment Initiative conference, in Riyadh, Saudi Arabia. The killing of Washington Post columnist Jamal Khashoggi at the Saudi Consulate in Istanbul drew renewed scrutiny to the kingdom, as his son and a U.N. investigator spoke out Tuesday, Oct. 1, 2019, ahead of the anniversary of his death. (AP Photo/Amr Nabil, File)
Mohammed bin Salman

Mohammed bin Salman al-Saud ist der mutmassliche Besitzer des Gemäldes. Bild: AP

Ein echter da Vinci – oder doch nicht?

Der «Salvator Mundi» (der Begriff, zu Deutsch «Erlöser der Welt», ist ein Ehrentitel Christi) steht in einer Tradition der christlichen Ikonographie, die im Spätmittelalter entstand. Die meisten solcher Darstellungen zeigen Jesus Christus mit einem Reichsapfel oder einer Sphärenkugel als Insigne seiner Weltherrschaft. Das Leonardo da Vinci zugeschriebene Ölgemälde ist 65,6 x 45,4 cm gross und wird auf die Zeit um 1500 datiert.

Circa 1490-1519, oil on panel, 45.4 cm × 65.6 cm (25.8 in × 17.9 in), private collection. (Photo by VCG Wilson/Corbis via Getty Images)

Der restaurierte «Salvator Mundi». Bild: wikipedia

Der genaue Zeitpunkt der Entstehung ist jedoch ebenso wenig bekannt wie der Auftraggeber. Das Gemälde war noch 2005 in einem extrem schlechten Zustand; es war früher unfachmännisch restauriert und dabei übermalt worden; erst nach einer eingehenden Restaurierung wurde es 2007 mehreren Experten zur Begutachtung vorgelegt, darunter namhafte Leonardo-Spezialisten. Die Meinungen gehen auseinander: Eine Mehrheit hält den «Salvator Mundi» für einen echten da Vinci, doch andere glauben, es handle sich eher um ein Werk eines Schülers oder Assistenten von da Vinci.

Das Gemälde von Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, in einer Fotografie aus dem Jahr 1912, vor der Restaurierung.

Der «Salvator Mundi», fotografiert 1912, vor der Restaurierung, mit entstellenden Übermalungen. Bild: Wikimedia

Die Fachleute, die im Gemälde einen echten da Vinci sehen, ziehen neben den Ergebnissen der materialtechnischen Untersuchungen unter anderem zwei Gewandstudien des Meisters heran, die dieser bei der Vorbereitung des Werks anfertigte und bei denen Leonardos Urheberschaft als gesichert gilt. Auch die Analyse der Änderungen, die der Künstler am Werk vornahm, weise auf da Vinci.

Der Salvator Mundi, Gemälde von Leonardo da Vinci, nach der Säuberung, 2007

Das Gemälde nach der Säuberung, aber vor der Restaurierung, 2007. Bild: Wikimedia

Kritiker hingegen monieren zum Beispiel, dass kein Zeitgenosse jemals von diesem Gemälde berichtet habe. Ferner wirke die Kristallkugel auf dem Gemälde wie eine Glasscheibe und der dahinter sichtbare Faltenwurf stehe nicht aufgrund des Linseneffekts auf dem Kopf. Da Leonardo sich damals intensiv mit Optik befasst habe, könne es sich nicht um sein Werk handeln. Und schliesslich mache die tiefgreifende Restaurierung es kaum möglich, eine seriöse Expertise vorzunehmen.

Odyssee mit phänomenaler Wertsteigerung

Nach seiner Entstehung verliert sich die Spur des «Salvator Mundi» eine Weile, bis er Mitte des 17. Jahrhunderts wieder auftaucht. Er soll dem englischen König Karl I. gehört haben und wurde nach dessen Hinrichtung im Jahr 1649 verkauft. Später gelangte das Gemälde in den Besitz des Herzogs von Buckingham, dessen Sohn es 1763 versteigern liess – wonach es wieder für lange Zeit verschwand.

Erst um 1900 tauchte der «Salvator Mundi» wieder auf, in der erlesenen Kunstsammlung einer englischen Textilhändlerfirma. Von dort gelangte das Gemälde 1958 in den Besitz des Amerikaners Warren Kuntz, der es für 45 Pfund ersteigerte und in seine Wohnung in New Orleans mitnahm. Dort blieb es, bis Kuntz' Neffe Basil Clovis Hendry, der es 1987 geerbt hatte, 2004 starb und seine Erben im Jahr darauf den Hausrat inklusive des Gemäldes einem Auktionshaus in New Orleans verkauften. Dieses veranschlagte den Wert des Kunstwerks auf 1200 bis 1800 Dollar.

Katalog der St. Charles Gallery in New Orleans mit dem Gemälde, das heute als Salvator Mundi von Leonardo da Vinci gilt.
http://artwatch.org.uk/two-developments-in-the-no-show-louvre-abu-dhabi-leonardo-salvator-mundi-saga/

Das Gemälde im Katalog des Auktionshauses in New Orleans, 2005. Bild: Artwatch.org.uk

Verkauft wurde der «Salvator Mundi» dann aber für lediglich 1175 Dollar. Die Käufer waren zwei Kunsthändler aus New York, Alexander Parish und Robert Simon. Sie behielten das Gemälde bis 2013 und verkauften es dann – für 83 Millionen Dollar. Die phänomenale Wertsteigerung beruhte darauf, dass sie das Werk restaurieren liessen und es als da Vinci identifizierten. Das Gütesiegel erhielten sie, als sie den «Salvator Mundi» in der grossen Leonardo-da-Vinci-Ausstellung in der Londoner National Gallery platzieren konnten, die im November 2011 eröffnet wurde.

FILE - In this Friday, May 31, 2013 file photo, Russian businessman and President of AS Monaco football club, Dmitry Rybolovlev poses during the celebration of the AS Monaco 2012-13 season and their come back in the French Premier League football for the next season, in Monaco. The Trump administration has released a list of 114 Russian politicians and 96

Dmitri Rybolowlew im Jahr 2013. In diesem Jahr kaufte er den «Salvator Mundi». Bild: AP/AP

Der Käufer, der Genfer Kunstberater Yves Bouvier, verkaufte das Gemälde umgehend an den Oligarchen Dmitri Rybolowlew weiter. Der schwerreiche Russe, der unter anderem den Fussballklub AS Monaco besitzt, bezahlte das hübsche Sümmchen von 127.5 Millionen Dollar für den «Salvator Mundi». Er war es, der schliesslich 2017 bei der Versteigerung des Kunstwerks 400 Millionen Dollar einstrich.

Viel Geld – viel Streit

Mit diesem enormen Gewinn sollte Rybolowlew eigentlich zufrieden sein, könnte man denken. Doch der Oligarch fühlte sich betrogen: Seiner Ansicht nach hatte ihn Bouvier – der ihm zuvor bereits mehrere Gemälde vermittelt hatte – betrogen. Der Kunstberater habe ihm angegeben, er sei als Mittelmann tätig, habe dann aber den «Salvator Mundi» selber gekauft und am gleichen Tag mit mehr als 44 Millionen Dollar Gewinn an ihn weiterverkauft, berichtet die «NZZ am Sonntag» in einem ausführlichen Artikel.

Bei einer von Bouvier arrangierten Besichtigung des Gemäldes im März 2013 sagte Rybolowlew dem Kunstberater, er sei nicht bereit, mehr als 100 Millionen Dollar zu bezahlen. Bouvier soll darauf erklärt haben, die Besitzer würden nicht zu diesem Preis verkaufen – zugleich soll er aber mit ihnen hinter dem Rücken des Russen verhandelt haben, um den Preis zu drücken. Bouvier habe sowohl die Namen des Käufers wie der Verkäufer streng geheim gehalten. Doch als Rybolowlew 2014 in der «New York Times» las, Parish und Simon hätten das Gemälde für rund 80 Millionen Dollar verkauft, klingelten bei ihm die Alarmglocken – und er begann, Bouvier mit Klagen zu überziehen. Die Verfahren laufen heute noch.

Das sind die 25 teuersten Gemälde der Welt

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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Inspektor 24.10.2019 11:37
    Highlight Highlight Es ist ein Betracchi ;-)
    • Charlie Runkle 24.10.2019 18:48
      Highlight Highlight Alles ist von beltracchi, die anderen gab es nie
  • Kaishakunin 24.10.2019 10:08
    Highlight Highlight Dass die Saudis wissen, wie man Dinge (oder Menschen) verschwinden lässt, haben sie ja schon des öfteren gezeigt..
  • DJ77 24.10.2019 01:42
    Highlight Highlight 450mio$... schade erlebe ich es knapp nicht mehr wenn der letzte Tropfen Öl aus dem Sand des nahen Osten gepumt wird. Aber der Moment wird kommen ihr lieben Schaichs und dann heisst es: back to the roots.
    Für so ein verschwenderisches Leben hab ich kein Respekt und kein Verständniss.
    • Mario Conconi 25.10.2019 15:58
      Highlight Highlight Leider leider wissen die Schaichs auch wie sie reich geworden sind und wie sie auch in Zukunft reich bleiben.

      Das schwerste am reich sein ist der Weg dorthin!
      Hast du einmal Vermögen, kannst du es wachsen lassen
  • NadoHeinz 24.10.2019 00:46
    Highlight Highlight Das Francic Bacon Triptychon sind die einzigen Bilder auf dieser Liste welche ich mit $142.4 noch selber veremoegen koennte :-).

    Aber diese Kustwerke beschraenken sich auf Bilder die in den letzten Jahrzehten einen Besitzerswechsel hatten.
  • KarlWeber 23.10.2019 22:37
    Highlight Highlight Solche Kunstwerke sollten der Allgemeinheit gehören und in Museen stehen. Aber sicher nicht im Keller von irgendeinem Scheich in Arabien.
  • rundumeli 23.10.2019 22:24
    Highlight Highlight fein recherchiert ... toll illustriert ... merci! ... schon cool, wie sich experten da in den schwanz beissen ;-)
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 23.10.2019 21:50
    Highlight Highlight Wer hat diese Restauration Verbrochen?
  • Darkside 23.10.2019 21:33
    Highlight Highlight Über 270 Millionen Gewinn für den Oligarchen, quasi im Vorbeigehen, aber nein, es ist nicht genug. Es ist nie genug, das ist einer der Gründe warum die Welt aussieht wie sie heute eben aussieht. Da kann einem schon mal schlecht werden.
    • Tugium 23.10.2019 22:28
      Highlight Highlight Jeden Tag einmal...mindestens leider...
    • Pakart 23.10.2019 23:25
      Highlight Highlight „Genug kann nie genügen“. Wusste schon Konstatin Wecker.
    • #veganseatmeat 24.10.2019 08:39
      Highlight Highlight Ich denke dem Oligarchen geht es nicht um Gewinn sondern um Fairness. Wenn man so übers Ohr gehauen und belogen wird, verstehe ich die Klagen voll und ganz. Genau darum haben wir eine Justiz.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Füürtüfäli 23.10.2019 20:52
    Highlight Highlight Ich weiss, dass Jesus Christus als der 2. größte Prophet nach Mohammed gilt und ein eigens Kapitel im Koran hat.

    Denoch finde ich es bizzli schräg, wenn ein hochchristliches Gemälde im Besitz eines der rigidsten Bewahrer des ultrakonvervativen Islams ist.


    • supremewash 23.10.2019 23:04
      Highlight Highlight Ethno Kitsch für Reiche?
    • Heinzbond 23.10.2019 23:35
      Highlight Highlight Gut und eigentlich gilt da ja auch ein bildniss Verbot im (streng) ausgelegten Koran, Propheten dürfen nicht mit Gesicht abgebildet werden, der einzige der Gesichter macht ist Allah...
    • Saraina 24.10.2019 08:25
      Highlight Highlight Mohamed bin Salman ist nicht ein rigider Bewahrer des ultrakonservativen Islam. Er ist der Sohn des saudischen Königs, und hat in seiner Rolle als Kronprinz etliche Bewahrer des ultrakonservativen Islam unter Hausarrest gesetzt, die gesellschaftlichen Regeln für Frauen gelockert, und will Saudi Arabien in modernere Zeiten führen.

      Das Bild ist eine Wertanlage, Katar und Abu Dhabi haben grosse Museen voller europäischer Kunstschätze.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Raphael Stein 23.10.2019 20:48
    Highlight Highlight Stört mich überhaupt nicht, wenn sich da ein paar Kunsthändler über den Tisch ziehen.
  • Heinzbond 23.10.2019 20:28
    Highlight Highlight Es ist mir nach wie vor unbegreiflich das ein kunstwerk wie dieses einer Person oder Institution gehört und vom Rest der Menschheit ferngehalten wird...
  • 3-blettligs-chleeblatt 23.10.2019 20:25
    Highlight Highlight 450 Millionen?? Woah sh*t, genauso absurd wie der Neymar-Transfer!

    • Forrest Gump 24.10.2019 06:57
      Highlight Highlight Das Bild macht auch ungefähr gleich viel wie Neymar seit seinem Transfer. ;-)
    • reamiado 24.10.2019 08:34
      Highlight Highlight Du musst dich entscheiden, Jesus oder Neymar?
  • D. Saat 23.10.2019 19:58
    Highlight Highlight Die Kunstwelt ist doch krank. Ich finde es äusserst stossend, wenn ein einzelner für ein „hübsches“ Gemälde mal eben so über 100 Mio hinblättert, während abertausende Menschen in Europa nicht mehr von ihrem Lohn leben können. Ein weiteres Argument für eine saftige Luxussteuer.
    • TheBase 23.10.2019 22:30
      Highlight Highlight Das ist nicht irgendein „hübsches“ Gemälde sondern einer der grössten Kulturschätze der Menschheit, der eigentlich in ein fachkundiges Museum gehört!

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