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Die Technik hinter dem Mysterium: Wenn Seen Löcher haben

Ein Loch im See? Was wir hier sehen, ist ein sogenannter Überfalltrichter. 
Ein Loch im See? Was wir hier sehen, ist ein sogenannter Überfalltrichter.

Wenn Seen Löcher haben

03.04.2016, 18:4304.04.2016, 16:00

Ein spektakuläres Drohnenvideo, das kürzlich auf Youtube veröffentlicht wurde, zeigt ein enormes Loch im portugiesischen Stausee Covão do Conchos. Über den Rand der 46 Meter breiten kreisrunden Öffnung rauscht das Wasser in die Tiefe:  

Covão do Conchos (Luftaufnahme).
YouTube/ProBilder

Dieses Loch im See ist nicht das einzige. An vielen Orten der Welt gibt es Stauseen, in denen das Wasser in kreisrunden Öffnungen verschwindet. Und auch wenn die mysteriös anmutenden Löcher aussehen, als wären sie ein Zugang zur Unterwelt oder zu einer anderen Dimension: Es handelt sich in Wahrheit um völlig profane Vorrichtungen.

Schematische Darstellung eines Übeerfalltrichters. 
Schematische Darstellung eines Übeerfalltrichters.
Grafik: Wikipedia/Morty

Es sind sogenannte Überfalltrichter oder Überlauftulpen, die bei Hochwasser dafür sorgen, dass das überschüssige Wasser ablaufen kann. Der Ausdruck «Überfall» hat nichts mit Raub zu tun, sondern ist ein Fachbegriff, der bedeutet, dass das Wasser nach Erreichen der maximal zulässigen Höhe im Stausee kontrolliert abgeleitet wird. Oft geschieht dies über eigens angebrachte Öffnungen in der Staumauer oder eben über einen Trichter. 

Das Loch ist die Spitze eines Turms

Die Trichter sind dabei nur der oberste Teil der Konstruktion. Darunter befindet sich der Hochwasserentlastungsturm, durch den das Wasser  in einen Entlastungsstollen gelangt (siehe Grafik). 

Auch wenn die Bilder eindrucksvoll sind: Bei hohem Wasserstand, wenn das Wasser über den Rand des Trichters ins Loch verschwindet, sollte man sich nicht in der Nähe eines solchen Überfalltrichters aufhalten. 

Hier ein paar Videos zu verschiedenen Überfalltrichtern in Stauseen rund um die Welt: 

Monticello-Damm, Lake Berryessa, Kalifornien, USA

Der Monticello-Damm am Lake Berryessa im kalifornischen Napa-Valley wurde zwischen 1953 und 1957 erbaut. Der Trichter misst oben 22 Meter im Durchmesser. 

Ladybower Reservoir, England

Das Ladybower Reservoir ist ein Stausee im Tal des Derwent in der englischen Grafschaft Derbyshire. 1943, bei seiner Fertigstellung, war es der drittgrösste Stausee Grossbritanniens. 

Vartry Reservoir, Irland

Das Vartry Reservoir in Roundwood im County Wicklow ist durch einen Zaun abgesperrt. Im Video ist auch zu sehen, wo das Wasser unter dem Damm herausströmt. 

Gibson Damm, Montana, USA

Dieser enorme Überfalltrichter im Gibson-Stausee in Montana wurde 1929 erbaut. Das Wasser wird in den Sun River abgeleitet. 

Harriman Damm, Vermont, USA

Der Harriman-Damm befindet sich im Windham County im US-Staat Vermont. Er wurde 1923 erbaut.

San Roque Damm, Argentinien

Der Staudamm beim San-Roque-Stausee in der argentinischen Provinz Cordoba wurde 1944 fertiggestellt und ersetzte einen älteren Damm. Auch bei diesem Video ist zu sehen, wo das Wasser nach seinem Fall durch den Überfalltrichter weiterfliesst. 

Und noch einmal Covão do Conchos, Portugal

Der Stausee Covão do Conchos befindet sich im portugiesischen Gebirge Serra da Estrela. Er wurde 1955 erbaut. Das Wasser, das durch den Trichter abfliesst, gelangt durch einen Tunnel in einen anderen Stausee. (dhr)

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