Batterie wie ein AKW: Wer steckt hinter dem Milliardenprojekt?
Die Grube ist ausgehoben, 190 Meter lang, 80 Meter breit, 27 Meter tief. Ein gewaltiges Loch. Die Bodenplatte ist gelegt. Allmählich wächst das Technologiezentrum Laufenburg aus dem Boden. Das Bauunternehmen Erne ist als direkter Nachbar ins Risiko gegangen. Für den Bau besteht eine Baubewilligung, für den Betrieb sind es viele Absichtserklärungen.
Es ist die Vision des Marcel Aumer, die entstehen soll: Eine gewaltige Batterie mit einer Speicherkapazität von 2,1 Gigawattstunden und einer Leistung von 1,2 Gigawatt, was dem Kernkraftwerk Leibstadt entspricht. Dazu ein Rechenzentrum, das trendig «AI Factory» genannt wird. Dieses ist gekoppelt an eine Wärmeabfuhr mittels Fernwärme, angeschlossen an eine Stromproduktion mittels Photovoltaik-Fassade sowie natürlich abgesichert durch die Batterieleistung. Quasi eine eierlegende Wollmilchsau für die Techindustrie.
Der Partner hat sich verabschiedet
Aumer startete mit seinem Partner Sascha Carroccio; beide ohne entsprechende Palmarès, beide ohne das nötige Kleingeld. Carroccio, der bei der Gründung der Holding 49 Prozent der Anteile hielt, ist weg. «Aus persönlichen Gründen», wie Flexbase erklärt; mit «no comment», wie Carroccio sagt. Aumer ist damit der einzig verbliebene Verwaltungsrat für das Milliardenprojekt. Bloss in den Tochterfirmen wird Carroccio noch als Verwaltungsrat aufgeführt. «Dies im Mandat», erklärt Flexbase auf Anfrage; «er sei noch immer nicht gelöscht», sagt Carroccio.
Carroccio ist nicht die einzige Führungskraft, die den Hinterausgang genommen hat. Der Finanzchef ist schnell wieder gegangen, ein Nachfolger hat das Amt nicht angetreten, von einem neuen ist nichts bekannt. Der Gesamtprojektleiter, der zuvor beim Kantonsspital Aarau wirkte, legte die Kelle nach wenigen Monaten nieder. Zu seinem Abgang sagt er: «No comment». Ein Nachfolger ist nicht bekannt. Auf Nachfrage erklärt Flexbase: «Wir können nicht nachvollziehen, wie Sie darauf kommen, dass es häufige Wechsel im Management gegeben haben soll.»
Ein bekannter Geldgeber, der Rest ist Schweigen
Rund 60 Personen arbeiten nach Flexbase-Auskunft derzeit für das Projekt. Unterschriftsberechtigung hat ausser Aumer niemand. Er ist Flexbase. Unterschriften- und Wertgrenzen würden intern festgelegt, «ohne bürokratischen Eintrag im Handelsregister», erklärt dazu Flexbase.
Als Geldgeber hatte sich ganz am Anfang der Vaduzer Mechatronic-Unternehmer Stefan Dürr geoutet. Ein Kollege aus dem Ferrari-Owner-Club, den Aumer stolz präsidiert. Aus Dürrs Ankündigung, er werde in den Verwaltungsrat aufsteigen, wurde nichts. Flexbase sagt: «Da es sich um einen laufenden Prozess handelt, können wir Ihnen keine Auskunft geben.»
Auf welchem Weg Aumer den Kapitalbedarf von über 1 Milliarde Franken stemmen will, bleibt sein Geheimnis. Flexbase erklärt: «Über die Details zur Finanzierung können wir keine Auskunft geben.» Das aktuelle Versprechen: 51 Prozent würden in Schweizer Hand bleiben.
Börsensprung der britischen Batteriebauer
Unbestritten schreiten die Bauarbeiten voran. International beachtet wurde eine Vereinbarung mit dem britischen Batteriebauer Invinity, der den weltgrössten Stromspeicher bauen soll. Das börsenkotierte Start-up, das mit überschaubarem Geschäftsvolumen bisher bloss Verluste produziert hat, profitierte unmittelbar: Mit der Ankündigung im Frühjahr verdoppelte sich der Börsenkurs. Die Hausse war allerdings nicht nachhaltig; der Kurs hat sich wieder halbiert.
Offen ist, ob Flexbase und Invinity mehr als eine Planungsvereinbarung unterzeichnet haben. Damit bleibt ungeklärt, wer die Batterieinfrastruktur bezahlen soll. Flexbase erklärt: «Über die vertraglichen Inhalte wurde gegenseitiges Stillschweigen vereinbart.»
Auf die Frage, ob für den Einbau der Batterien eine behördliche Bewilligung vorliegt, erklärt Flexbase: «Wir arbeiten eng mit den zuständigen Behörden zusammen und durchlaufen alle regulären Bewilligungsverfahren zu gegebenem Zeitpunkt.» Was wohl heisst, dass dieser Zeitpunkt derzeit nicht «gegeben» sei.
Das SRF-«Regionaljournal» berichtete von zeitlichen Komplikationen beim Bau eines Unterwerks, über das der Betrieb mit dem Starkstromnetz verbunden werden soll. Die Netzbetreiberin Swissgrid hatte einer «Grundsatzvereinbarung» zugestimmt, was zu einem Vorstoss im eidgenössischen Parlament geführt hat. Der St.Galler Ständerat Benedikt Würth fordert «Transparenz bei systemkritischen Anschlüssen an das Höchstspannungsnetz».
In der neu vorliegenden Antwort bleibt der Bundesrat unverbindlich: «Ein Netzanschlussvertrag liegt noch nicht vor.» Für die Genehmigung eines Umspannwerkes zwischen dem Netzanschluss und dem Stromnetz sei zudem das Starkstrominspektorat zuständig.
Verzögerungen auf Kosten von Laufenburg
Noch ungefährer sind die Flexbase-Informationen zum propagierten Rechenzentrum. «Wir bitten um Verständnis, dass wir zu potenziellen Partnerschaften sowie zu laufenden Gesprächen aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen keine Stellungnahme abgeben können», erklärt Flexbase.
Dabei ist das Städtchen Laufenburg in Vorleistung gegangen in der Erwartung, mit der Abwärme des Rechenzentrums seinen Fernwärmebedarf zu decken. Der Anschluss verzögere sich jedoch um «mindestens» zwei Jahre bis ins Jahr 2029.
Das war, bevor die Verzögerungen beim Unterwerk bekannt gewesen sind. Zum Stand der Verhandlungen mit der Axpo, die dafür Hand bieten muss, liegen unterschiedliche Informationen vor. Flexbase sagt: «Wir arbeiten gemeinsam mit Axpo an der Planung und Umsetzung des Unterwerks.»
Kein Selbstzweifel: «Flexbase ist stabil aufgestellt»
Aumer hat auf jede Frage eine Antwort, auch wenn sie bloss darin besteht, leider nichts sagen zu können. So sind auch keine Geschäftszahlen bekannt. Aus der Umwandlung der Holding von einer GmbH in eine AG per Ende Oktober 2025 zeigt sich allerdings die Struktur: Die damalige Bilanzsumme von 45 Millionen Franken bestand im Wesentlichen aus Forderungen gegenüber den Tochterfirmen – doch diese standen bei der Muttergesellschaft in ähnlicher Grössenordnung in der Kreide.
Die Bilanz der von Aumer mit minimalem eigenen Kapitaleinsatz beherrschten Holding ist damit praktisch ein Nullsummenspiel. Die Eigenkapitalmarge liegt dabei unter zehn Prozent; aufgrund einer «Aufwertungsreserve» ist sie positiv.
Doch zu zweifeln gilt nicht. Flexbase erklärt: «Die strategische Ausrichtung und die laufenden Projekte von Flexbase bleiben unverändert. Das Unternehmen ist operativ stabil aufgestellt und führt seine Wachstumsstrategie konsequent fort.» (schweizheute.ch)
