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KI-Giganten verschulden sich in der Schweiz – das hat Folgen

epa12400419 An image made with a drone shows an Amazon Web Services (AWS) data center in Ashburn, Virginia, USA, 23 September 2025. Virginia is home to more than 650 data centers, the highest concentr ...
Sie wollen finanziert sein: ein Datenzentrum von Amazon in Virginia, USA. Bild: keystone

Die KI-Konzerne verschulden sich auch in der Schweiz – das hat Folgen

Um ihre gigantischen KI-Investitionen zu finanzieren, verschulden sich US-Techunternehmen zunehmend auch in der Schweiz – mit Folgen für den Schweizer Anleihenmarkt und damit die Wirtschaft.
11.09.2026, 15:0211.09.2026, 15:02

Worum geht's?

Das Wettrennen der grossen Techunternehmen um künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Realwirtschaft, sondern derzeit vor allem (noch) die Finanzwirtschaft. Da die Milliarden-Dollar-Investitionen von Meta, Amazon, Google und Co. irgendwie finanziert werden müssen, verschulden sich diese Konzerne zunehmend. Wo früher ihr «eigenes Geld» – konkret: der sogenannte Free Cash Flow – mehr als gereicht hatte, um Investitionen zu tätigen, benötigen sie heute die Hilfe Dritter, um sich Geld zu verschaffen.

Die Techkonzerne tun dies seit gut einem Jahr vor allem über die Herausgabe von Anleihen (englisch und umgangssprachlich auch Bonds genannt), und dies in gigantischem Umfang.

Was sind Anleihen genau?

Anleihen sind sogenannte festverzinsliche Wertpapiere. Staaten, Unternehmen oder Banken verschaffen sich damit frisches Kapital: Sie nehmen Geld auf und geben dafür eine Anleihe aus, die dem Gläubiger – das können andere staatliche Institutionen sein, Zentralbanken, Geschäftsbanken, aber auch private Investoren – einen regelmässigen Zins (auch Kupon genannt) abwirft.

Anleihen haben eine feste Laufzeit, beispielsweise mehrere Monate, oder gar fünf oder zehn Jahre. Am Ende dieser Zeit erhält der Gläubiger den ursprünglichen Wert der Anleihe (den Nennwert) zurück.

Die Wertpapiere, zum Beispiel Staatsanleihen, können am sogenannten Sekundärmarkt gehandelt werden. Je nach Nachfrage – beeinflusst von Erwartungen für die Zukunft – schwanken sie im Preis (dem Kurs). Weil das Risiko langfristig höher ist, werfen langjährige Anleihen in der Regel einen höheren Zins ab als kurzfristige.

Das verändert die Anleihenmärkte massgeblich: Seit Anfang Sommer gibt es vermehrt Berichte darüber, wie die Anleihenrenditen auch durch die Verschuldung der US-Konzerne in die Höhe steigen. Der Grund: Das Angebot (also die Menge an herausgegebenen Anleihen) überstieg die Nachfrage (von Investoren, die solche Anleihen kaufen wollen). Das drückt seit einigen Monaten (gemeinsam mit anderen Faktoren) deren Preis nach unten und die Renditen nach oben. Zudem konkurrieren die KI-Anleihen laut Ansicht von Experten mit den Staatsanleihen, die von den USA und anderen Ländern herausgegeben werden. Diese geraten dadurch ebenfalls unter Druck.

Auch weil der US-Markt angesichts des Finanzierungshungers der Techriesen kaum mehr genügt, verschulden sich diese im Ausland. Sie tun dies beispielsweise in Japan, Kanada, in der EU, in Grossbritannien – und in der Schweiz.

Was sind die Dimensionen?

Laut einem neuen Bericht der Financial Times, die sich auf Zahlen der Zurich Versicherung beruft, sind KI-Unternehmen heute für über ein Viertel aller neu ausgegebenen Unternehmensanleihen in Schweizer Franken verantwortlich. Das käme einem «strukturellen Grössenwandel» auf dem Schweizer Markt gleich, so ein Ökonom gegenüber der FT – also eine Verschiebung von Marktanteilen sowie eine Konzentration hin zu den weltweit grössten Unternehmen als Teilnehmer im Schweizer Anleihenmarkt.

Prominent vertreten sind dabei bis jetzt Google-Mutter Alphabet sowie Amazon. Bereits im Februar gab Alphabet mehrere Tranchen von Anleihen im Wert von insgesamt 3 Milliarden Franken heraus. Laut FT war dies wohl die grösste je von einem Unternehmen in Franken herausgegebene Anleihe. Im Mai folgte schliesslich Amazon: 2,8 Milliarden Franken, verteilt auf sechs Tranchen, mit Laufzeiten zwischen drei und 25 Jahren. Zum Vergleich: Bis Anfang des Jahres war keines dieser Unternehmen im Schweizer Anleihenmarkt präsent.

Das Volumen dieser Transaktionen sei demnach mehr als zehnmal so hoch gewesen wie das einer typischen Anleiheemission an der Schweizer Börse SIX.

Warum verschulden sich die KI-Unternehmen in der Schweiz?

Die SIX Group hat für 2019 einen höheren operativen Gewinn gemeldet. (Archivbild)
Die Schweizer Börse SIX in Zürich. Bild: KEYSTONE

Die KI-Konzerne sehen sich aufgrund ihrer gigantischen Schulden teilweise gezwungen, Pausen im US-Markt einzulegen, da dieser Anzeichen von Übersättigung zeigt. Das Ausweichen auf andere Märkte bietet also neue Finanzierungskanäle, aber es gibt für die Unternehmen auch weitere Vorteile. Die Verschuldung in einer Vielzahl von Währungen bietet Amazon, Microsoft, Alphabet und Co. eine willkommene Diversifikation, die sie gegen diverse Risiken absichert: Sich auf den US-Markt zu beschränken, könnte ein Klumpenrisiko darstellen.

Laut Reuters suchen sich die Unternehmen deshalb – ebenso wie die Investoren – auch gezielt andere Märkte aus, weil der US-Markt derzeit erhöhte Risiken birgt, vor allem durch die geopolitische Instabilität. Sich in Schweizer Franken zu verschulden ist daher attraktiv: Es ist aufgrund der Sicherheit und der tieferen Zinsen hierzulande billiger, wobei der Franken gleichzeitig stabil ist.

Absicherung durch Währungsswaps
Irgendwann müssen die KI-Konzerne das geliehene Geld wieder in US-Dollar umwandeln. Hier können sich die Unternehmen aber mit sogenannten Währungsswaps absichern. Solche Swaps sind Termingeschäfte, bei denen beide Parteien einen bestimmten Kapitalbetrag in unterschiedlichen Währungen tauschen, diese über die Laufzeit hinweg mit Zinsen bedienen und am Ende wieder zu einem fixen Wechselkurs zurücktauschen. Das tönt kompliziert (und ist es in der Praxis auch), das Entscheidende ist jedoch: Unter Umständen und je nach Art der Swaps ist diese Finanzierung für die Konzerne unter dem Strich billiger, da sie von den tieferen Zinsen in der Schweiz aus den USA heraus profitieren können.

Wer kauft diese Anleihen?

Diese Daten sind nicht öffentlich. Fakt ist aber: Sogenannte Hyperscaler – so werden die Betreiber der riesigen Datenzentren genannt – wie Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta oder Oracle suchen sich ihren Markt zur Fremdfinanzierung auch nach dem Nachfragepotenzial aus.

Dazu muss man wissen: Der Schweizer Anleihenmarkt gilt traditionell als konservativ. Das heisst, die Renditen sind im Vergleich zum US-Markt sehr tief, da der Schweizer Markt aufgrund des Frankens und seiner stabilen wirtschaftlichen und politischen Grundlage als sehr sicher gilt. Anlegerinnen und Investoren, die Anleihen in Schweizer Franken kaufen, erhoffen sich daher keine grossen Gewinne, dafür eine stabile, langfristige Anlage und einen Ausgleich zu risikoreicheren Investitionen.

Daher dürften es in erster Linie Schweizer und europäische Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen oder andere grosse institutionelle Anleger sein, die in US-KI-Bonds investieren. Für sie ist es eine Möglichkeit, am KI-Boom teilzuhaben – gerade weil dieser grösstenteils in den USA und China und deutlich weniger ausgeprägt in Europa stattfindet.

Gemäss Bloomberg wurde bei der Amazon-Anleihe die Emission mehrfach vergrössert, was auf eine starke Nachfrage hinweist. Gegenüber der «Financial Times» bemerkt ein Ökonom: «KI-Emittenten [die Techfirmen, die solche Anleihen ausgeben] schaffen nicht die Nachfrage, sie decken sie lediglich auf», sagte er. Mit anderen Worten: Die Nachfrage nach solchen Investitionen ist trotz ihres Umfangs und der überschaubaren Grösse des Schweizer Marktes durchaus vorhanden.

Wer genau gekauft hat, ist jedoch nicht öffentlich. Laut Einschätzung der Zuger Kantonalbank dürften die langfristigen Amazon-Anleihen (bis zu 25-jährige Anleihen wurden ausgegeben) besonders in den Händen institutioneller Anleger gelandet sein, gleichzeitig könnten diejenigen mit kürzerer Laufzeit auch für private Investoren «interessant» sein.

Das hat zur Folge, dass wir alle, zumindest über unsere Pensionskassen, in KI-Unternehmen aus den USA investieren, wie ein Assetmanager gegenüber Morningstar erklärt: «Während Europa darum kämpft, eigene Technologieführer hervorzubringen, fliesst ein Teil der Pensions- und Versicherungsersparnisse letztlich in die Finanzierung der US-amerikanischen Cloud- und KI-Infrastruktur.»

Was sind die Auswirkungen auf den Schweizer Markt?

Obwohl die Nachfrage nach den KI-Anleihen also durchaus vorhanden ist, haben sie laut FT den Schweizer Markt bereits verändert. Demnach reagieren Unternehmen hierzulande bereits auf die «Ankunft» der KI-Konzerne: Da sie in Konkurrenz mit ihnen um mögliche Investoren stehen, riskieren sie nun, höhere Zinsen auf ihren eigenen Anleihen zahlen zu müssen. Sie würden zurzeit deshalb geplante Emissionen neuer Anleihen verschieben, sobald sich neue Hyperscaler-Anleihen ankündigen.

Sollten sich jedoch noch mehr KI-Konzerne am Schweizer Markt beteiligen – wovon angesichts ihres enormen Finanzierungsbedarfs ausgegangen werden kann –, könnten solche Ausweichmanöver jedoch nicht mehr genügen und die Finanzierungskosten für Unternehmen in der Schweiz würden steigen.

Nicht zuletzt besteht gerade im vergleichsweise kleinen Schweizer Markt das Risiko, dass man sich gegenüber der KI-Branche zu stark exponiert. «Ein zunehmender Anteil des Schweizer Anleihemarktes wird an eine Handvoll Technologieunternehmen gebunden», so die «Financial Times», «deren Erfolg von eben diesem enormen Investitionsboom im Bereich der künstlichen Intelligenz abhängt».

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67 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sam1984
11.09.2026 15:26registriert Dezember 2014
Und falls die KI Blase platzt stehen die institutionellen Anleger mit heruntergelassenen Hosen da und wir alle dürfen die Zeche bezahlen.

Wir zahlen für die KI durch erhöhte Preise bei den Hyperscalern und jetzt noch über unsere PK, mit der Aussicht dass viele Ihren Job verlieren und am Schluss stehen wir vor einem Scherbenhauffen. Mit Vollgas in die Wand.

Schöne neue Welt
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Fertiglustig
11.09.2026 15:27registriert Juli 2025
Nur noch krank, diese Auswüchse des Marktes und des Kapitalismus.
Zum Tech-Kotzen.
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Schlaf
11.09.2026 15:29registriert Oktober 2019
Schon krank..
Wie sieht die Wertschöpfung davon aus?
Im Betrieb sind diese Stromfresser ja auch alles andere als günstig.
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