Wissen
Wirtschaft

Foodwatch mahnt Nahrungsergänzungsmittel von Pamela Reif ab

Foodwatch mahnt Nahrungsergänzungsmittel von Pamela Reif und Christian Wolf ab

Die bekannten Influencer Pamela Reif und Christian Wolf vermarkten Nahrungsergänzungsmittel für die mentale Gesundheit mit grossen Gesundheitsversprechen, obwohl die Präparate mit Risiken verbunden sein können.
02.09.2026, 19:3802.09.2026, 19:49

Haarausfall? Dafür gibt es Nahrungsergänzungsmittel. Zu wenig Energie? Auch dafür. Die Verdauung macht Probleme? Natürlich gibt es auch dafür ein Supplement. Es scheint, als hätte die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie für jede Lebenslage die passende Kapsel bereit.

Der Markt lebt von den grossen Versprechen. Doch die Nahrungsergänzungsmittel sind nicht immer ohne Risiken.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat drei bekannte Anbieter abgemahnt: More Nutrition, gegründet vom Influencer Christian Wolf, Naturally You von Fitness-Influencerin Pamela Reif sowie den Supplement-Anbieter ESN, der wie More Nutrition zum deutschen Unternehmen The Quality Group gehört. Die Fitness-Produkte von More Nutrition und ESN sind auch im Schweizer Handel zu finden, unter anderem bei Migros und Coop.

Der Vorwurf: irreführende Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel mit dem umstrittenen Pflanzenstoff Ashwagandha.

Ashwagandha – die Schlafbeere

Der Name Ashwagandha stammt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt so viel wie «Geruch des Pferdes». Die aus Asien stammende Pflanze ist auch als Schlafbeere bekannt und wird in der ayurvedischen Medizin unter anderem gegen Schlafstörungen und innere Unruhe eingesetzt.

Die versprochenen positiven Wirkungen sind wissenschaftlich nicht belegt, und auch die gesundheitlichen Risiken sind bisher nicht ausreichend untersucht. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt deshalb vor der Einnahme. Kindern, Schwangeren und Stillenden sowie Menschen mit Lebererkrankungen rät das Institut davon ab.

Als mögliche Nebenwirkungen nennt das Institut Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Schläfrigkeit und Hautausschläge. Zudem gibt es Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Auch über Leberschäden wurde berichtet.

Dass solche Präparate trotz ungeklärter Risiken verkauft werden dürfen, hat damit zu tun, dass Nahrungsergänzungsmittel rechtlich nicht als Medikamente, sondern als Lebensmittel gelten. Deshalb müssen sie in Deutschland sowie in der Schweiz kein behördliches Zulassungsverfahren durchlaufen.

In anderen europäischen Ländern geht man vorsichtiger mit Ashwagandha um: Dänemark verbot die Pflanze 2023 in Nahrungsergänzungsmitteln, Polen setzte Höchstmengen fest.

Kein Zulassungsverfahren, dafür grosse Versprechen

Das lässt Herstellern und Influencern viel Spielraum bei der Vermarktung. Fitness-Influencerin Pamela Reif empfiehlt ihren fast neun Millionen Followern ihr Supplement «Mental Balance». Es soll Menschen helfen, «die viel Last auf sich haben und deshalb viel innere Stabilität brauchen». Ein Warnhinweis zu den Risken findet man nur ganz unten auf der Webseite, nicht aber auf dem Instagram-Post zum Produkt.

20.04.2024, Baden-W�rttemberg, Waldbronn: Influencerin Pamela Reif bei einem Medientermin. (zu dpa: �Leute kompakt�) Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Christoph Schmidt)
Foodwatch geht gegen ein Ashwagandha-Supplement von Pamela Reifs Firma Naturally Pam vor.Bild: DPA

Bei More Nutrition zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Marke bewirbt ihre Ashwagandha-Pülverchen auf Instagram mit Slogans wie «Du bist müde, kannst aber trotzdem nicht abschalten» oder «Dein Kopf arbeitet weiter, obwohl der Tag längst vorbei ist». Auf mögliche gesundheitliche Risiken wird in den Posts nicht hingewiesen. Den Warnhinweis findet man auf der Website nach längerem Scrollen.

Weder auf dem Produkt selbst noch auf der Produktseite oder in der Instagram-Werbung findet sich laut Foodwatch beim Supplement-Anbieter ESN ein Warnhinweis für Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit Lebererkrankungen.

«Training und Alltag bewältigen»

Noch weiter geht ESN bei der Bewerbung der Ashwagandha-Kapseln: Der Anbieter preist sie als Unterstützung für die Regeneration nach «harten Workouts» und als «Stresssupport für Körper und Geist» an. Über einem Foto der Kapseln heisst es: «Stress & schlechter Schlaf sabotieren deine Performance. Dein Körper wächst nicht im Training, sondern in der Regeneration.»

Foodwatch kritisiert: Alle drei Hersteller würden für ihre Ashwagandha-Produkte rechtswidrig mit gesundheitsbezogenen Aussagen zu Stressabbau, besserem Schlaf und emotionaler Stabilität werben. More Nutrition und ESN wehren sich gegen die Anschuldigungen.

Ein ESN-Sprecher schreibt gegenüber dem Spiegel: «Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht hat im Juli 2026 festgestellt, dass ESN die beworbene stresslindernde Wirkung des verwendeten Ashwagandha-Wurzelextrakts KSM-66 wissenschaftlich hinreichend belegt hat.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Für Anina bedeutet Essen Seelenfrieden
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
19 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
ZarcMellweger
02.09.2026 19:48registriert Mai 2026
Um solchen Influencern zu glauben, muss man schon reichlich naiv sein.
553
Melden
Zum Kommentar
avatar
Yardy
02.09.2026 20:07registriert August 2026
Gleichzeitig ist die genau so unnütze Homöopathie in der Grundversicherung.
519
Melden
Zum Kommentar
19
Investor Kushner bricht Schweigen zu Infantinos FIFA-Plänen
Technologieinvestor Joshua Kushner bedauert öffentlich seine Beteiligung an Infantinos gescheitertem FIFA-Investorenplan. Dabei enthüllt er, was hinter dem Milliarden-Vorhaben steckte.
Der US-Risikokapitalgeber Joshua Kushner hat sich erstmals öffentlich zu den gescheiterten Investorenplänen von FIFA-Chef Gianni Infantino geäussert. Kushner bedauert, mit seiner Investmentfirma Thrive an dem Vorhaben beteiligt gewesen zu sein. Infantino hatte geplant, rund 20 Prozent der Anteile an einem neuen FIFA-Tochterunternehmen für bis zu 20 Milliarden Dollar an private Investoren zu verkaufen – musste die Pläne aber nach massivem Druck aufgeben.
Zur Story