Wieder Nacht der Angst mit schwerem Nachbeben in Italien

Publiziert: 03.11.16, 09:36

Die Bewohner Mittelitaliens haben neuerlich eine Nacht voller Angst erlebt. Ein Nachbeben Donnerstag früh erreichte nach Angaben italienischer Medien eine Stärke von 4.8. Das Zentrum des Erdbebens lag in der Provinz Macerata.

Tausende, die die Nacht in Notunterkünften verbrachten, wurden geweckt. Zunächst lagen keine Berichte über grössere Schäden vor, so der Zivilschutz.

Die Lage der Obdachlosen wird auch durch eine Schlechtwetter-Front in der Region erschwert. 7000 Menschen zogen in leere Hotels an der Adria, die zur Verfügung gestellt wurden. Viele andere wollen jedoch ihre Gemeinden nicht verlassen.

Der italienische Präsident, Sergio Mattarella, hatte am Mittwochnachmittag die vom Erdbeben zerstörte Gemeinde Norcia in Umbrien besucht. Er drückte den Bewohnern der Kleinstadt sein Mitgefühl aus und versprach einen raschen Wiederaufbau.

Die schweren Beben haben die Erdoberfläche auf 1100 Quadratkilometern deformiert, was aus einer Auswertung von Satellitenbildern hervorgeht. Am äussersten Rand des Bereichs habe sich der Erdboden um rund drei Zentimeter abgesenkt, im Inneren - in der Gegend um das Dorf Castelluccio bei Norcia - um bis zu 70 Zentimeter.

Über 1100 Nachbeben

Seit dem verheerenden Erdstoss am Sonntag, der schwere Schäden anrichtete, haben mehr als 1100 Nachbeben die ohnehin schon verwüstete Region erschüttert. Fast 20 davon hatten eine Stärke von über 4, teilte die nationale Erdbebenwarte INGV mit.

Inzwischen will die Regierung mit der Planung des Wiederaufbaus beginnen. Das Wirtschaftsministerium in Rom schätzt, dass die öffentliche Verwaltung 2017 sechs Milliarden Euro für die Stabilisierung öffentlicher Gebäude und den Wiederaufbau ausgeben wird. Zusätzlich will die Regierung mit einem am Freitag geplanten Dekret weitere Finanzierungen für den Wiederaufbau locker machen.

Ministerpräsident Matteo Renzi bekräftigte seinen festen Willen, die zerstörten Gemeinden in den Regionen Umbrien und Marken komplett wieder aufzubauen. Es sei ein «halbes Wunder», dass es bei einem Erdbeben mit einer Magnitude von 6,5, wie jenem am Sonntag, zu keinen Todesopfern wie beim Erdstoss im August gekommen sei.

Indes kämpft das Kulturministerium um die Rettung der beschädigten Kunstschätze. 1500 Werke wurden bereits aus den zerstörten Kirchen und Museen im Erdbebengebiet geholt und in Sicherheit gebracht. Kulturminister Dario Franceschini versprach seinen vollen Einsatz zur Rettung der Kunstschätze im Erdbebenraum.

Auch Caritas Schweiz hilft

Finanzielle Hilfe für die Erdbebenopfer kommt auch aus der Schweiz. So richtet etwa Caritas Schweiz einen Fonds für Härtefälle ein. Der Fonds werde vorerst mit einem Beitrag von 300‘000 Franken ausgestattet, teilte die Hilfsorganisation am Donnerstag mit. Damit soll sozial schwachen Menschen geholfen werden, die durch die Erdbeben in eine Notlage geraten sind. (sda/apa)

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