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Cornell-Präsident beunruhigt nach mutmasslicher Gruppenvergewaltigung

Michael I. Kotlikoff ist seit März 2025 Präsident der Elite-Universität Cornell.
Michael I. Kotlikoff ist seit März 2025 Präsident der Elite-Universität Cornell.Bild: wikipedia.org

Nach Vergewaltigungsvorwürfen: Cornell-Präsident bricht sein Schweigen

Schwere Vergewaltigungsvorwürfe gegen mehrere Studenten bringen die renommierte Cornell University zunehmend unter Druck. Nun hat sich Universitätspräsident Michael Kotlikoff erstmals persönlich zum Fall geäussert und eine unabhängige Untersuchung angekündigt.
04.10.2026, 05:5604.10.2026, 07:03

Im Zentrum steht eine Studentin, die angibt, im Oktober 2024 in einem Verbindungshaus von mehreren Männern vergewaltigt worden zu sein. Der Fall wird derzeit neu aufgerollt. Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James hat die strafrechtlichen Ermittlungen übernommen.

Cornell-Präsident Michael Kotlikoff bezeichnete die Vorwürfe am Samstag in einer Videobotschaft als «zutiefst verstörend». Es handle sich um einen «entscheidenden Moment in Cornells Geschichte». Die Universität habe noch nicht auf alle Fragen Antworten und müsse mehr tun, um sexuelle Gewalt zu verhindern.

Zudem kündigte Kotlikoff eine unabhängige Überprüfung des damaligen Vorgehens der Universität durch eine externe Anwaltskanzlei an.

Kritik an ursprünglichen Ermittlungen

Der Fall sorgt insbesondere deshalb für Aufsehen, weil die Vorwürfe bereits 2024 untersucht worden waren, es jedoch zu keiner strafrechtlichen Anklage kam.

Wie aus von der «New York Times» eingesehenen Unterlagen hervorgeht, erhielt die zuständige Staatsanwaltschaft damals eine sechsseitige Aussage der Studentin. Weitere von der Campuspolizei gesammelte Beweismittel und Befragungen wurden demnach nicht mehr geprüft, nachdem die Staatsanwaltschaft entschieden hatte, keine Anklage zu erheben.

Später bekannt gewordene Unterlagen enthalten deutlichere Aussagen der Studentin. In einer Befragung im November 2024 sagte sie laut dem CNN-Sender WCBS: «Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich vergewaltigt wurde.» Diese Aussage war demnach nicht in der sechsseitigen Erklärung enthalten, die der Staatsanwaltschaft vorlag.

Die Studentin hatte zunächst angegeben, mit Teilen einer ersten sexuellen Begegnung einverstanden gewesen zu sein, andere Handlungen im weiteren Verlauf der Nacht jedoch abgelehnt zu haben. Ihr Anwalt erklärte gegenüber CNN, seine Mandantin habe erst mit der Zeit verarbeitet und verstanden, was in jener Nacht geschehen sei.

New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul zeigte sich «zutiefst beunruhigt» über die ursprünglichen Ermittlungen. Sie unterstützt zudem eine Änderung des New Yorker Sexualstrafrechts. Dabei geht es insbesondere um den rechtlichen Umgang mit Fällen, in denen sich Betroffene freiwillig berauscht haben.

Auch Studierende und Professoren kritisieren den Umgang der Universität mit dem Fall. Für Montag sind Proteste auf dem Campus angekündigt. Cornell hat unterdessen sämtliche gesellschaftlichen Veranstaltungen der Studentenverbindungen an diesem Wochenende abgesagt.

Die universitätsinternen Ermittlungen hatten bereits zuvor zu Suspendierungen und Ausschlüssen beschuldigter Studenten geführt. Vier Männer räumten laut der «New York Times» sexuelle Kontakte mit der Studentin ein, bezeichneten diese jedoch als einvernehmlich. Andere Beschuldigte bestritten sexuelle Kontakte. Die strafrechtlichen Vorwürfe werden nun erneut untersucht. (mke)

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