Österreich
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epa07606303 Austrian Chancellor and leader of the Austrian People's Party' (OeVP) Sebastian Kurz gives a statement to supporters at the political academy of the OeVP in Vienna, Austria, 27 May 2019. Kurz lost a no-confidence vote in parliament earlier in the day after his government's coalition partner, the far-right Freedom Party (FPOe) had come under fire over a secretly filmed video which appeared to show FPOe leader and Vice-Chancellor Heinz-Christian Strache promising public contracts in return for election campaign donations from a fake Russian backer.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Der österreichische Ex-Kanzler, kurz nachdem er das Misstrauensvotum verlor, 27. Mai. Bild: EPA/EPA

Hier werden 5 Festplatten vernichtet – warum das für Österreichs Ex-Kanzler brisant ist

Kurz vor Sebastian Kurz' Rücktritt liess sein Social-Media-Manager fünf Festplatten vernichten. Brisant: Bei der Aktenvernichtungsfirma Reisswolf meldete er sich unter falschem Namen an.



Letzte Woche wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter von Sebastian Kurz' Regierung eine Festplatte schreddern liess. Laut Österreichs Ex-Kanzler nur ein ganz «üblicher Vorgang», ein Mitarbeiter seiner Partei habe nur seine Pflicht getan.

Neue Videoaufnahmen des österreichischen «Falter» zeigen nun aber, dass das nur die halbe Wahrheit ist.

Was ist passiert?

Ein paar Tage nach der Aufdeckung der Ibiza-Affäre kommt ein mysteriöser Kunde in einen Wiener Aktenentsorgungsbetrieb namens Reisswolf. Der Kunde lässt fünf Festplatten schreddern. Aber offenbar reicht ein Mal nicht aus. Ein zweites und drittes Mal lässt er die Überreste durch den Vernichter laufen. Während dem Prozess ist er anwesend und nimmt die pulverisierten Überreste mit. «Walter Maisinger» sei sein Name, sagt er, und lässt die passende E-Mail-Adresse in die Besucherliste eintragen. Die Firma: «Privat.»

Das Video des «Falter»:

abspielen

Video: YouTube/FALTER

Das Problem: Der junge Mann heisst nicht Walter Maisinger, sondern Arno M. und ist Social-Media-Chef des österreichischen Kanzleramts.

Wie kam es ans Licht?

Das seltsame Gebaren des jungen Mannes hinterliess bei den Mitarbeitern von Reisswolf einen bleibenden Eindruck. So heisst es im Protokoll des Entsorgungsbetriebs:

«Kunde bei Vernichtung anwesend, geschredderte Festplatten wieder mitgenommen (Material wurde gesamt 3x geschreddert).»

Protokollauszug

Und Siegfried Schmedler, der Chef der Firma, erklärt gegenüber dem «Falter», dass das Verhalten «absolut unüblich» sei. Die Rechung von 76 Euro und 45 Cent bleibt wochenlang unbezahlt.

Fünf Tage nach dem Schreddern wird Kanzler Kurz in einem Misstrauensvotum abgewählt. Die Mitarbeiter von Reisswolf verfolgen die Abschlussrede im Fernsehen. Und erkennen hinter Sebastian Kurz «Walter Maisinger». Schmedler erstattet Anzeige bei der Polizei:

«Nachdem wieder über die Frist hinaus kein Zahlungseingang erfolgt ist, habe ich mich dazu entschlossen, eine Betrugsanzeige zu machen.»

Siegfried Schmedler, Chef von Reisswolf

Wie geht's jetzt weiter?

Der Fall wird nun von der Sonderkommission «Ibiza» untersucht, die im Auftrag der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt. Ausserdem hat Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein eine interne Untersuchung angeordnet.

Und was meint das Bundeskanzleramt in Wien? Gegenüber dem «Spiegel» heisst es: «Die Löschung bestimmter sensibler, nicht dem Bundesarchivgesetz unterliegender Daten entspricht der üblichen Praxis bei Regierungswechsel.» Und: «Aufgrund laufender Ermittlungen [werden] derzeit keine weiteren Angaben [gemacht].»

Das Fazit des «Falter»-Chefredaktors Florian Klenk: «Was also bleibt? Eine Staatsaffäre? Eine Posse? Ein Sittenbild der Republik und des Kabinett Kurz ist diese Causa allemal.» (jaw)

Beidlpracker und Co. – Schimpfwörter zu Österreichs Krise.

Kanzler Sebastian Kurz und seine Regierung sind gestürzt

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41
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    Alle Leser-Kommentare
  • HAL1 24.07.2019 08:20
    Highlight Highlight Naja nicht grad vertrauenserweckend diese firma. Gehst hin um daten zu vernichten und kommst dann in alle zeitungen plus videobeweis.👍🤦‍♂️😂
  • Sarkasmusdetektor 24.07.2019 06:45
    Highlight Highlight Üblicher Vorgang? Wenn man das professionell macht, lässt man das Unternehmen mit dem Schredder ins Haus kommen und trägt die Festplatten nicht durch die Stadt, wo man sie schlimmstenfalls auf dem Weg noch verlieren kann.
  • DocShi 24.07.2019 05:26
    Highlight Highlight Tja, also irgendwie nicht ganz schlüssig. Man ist schlau genug um Festplatten shreddern zu lassen, ist aber nicht schlau genug um zu bezahlen? 🤔
  • G. Schmidt 24.07.2019 00:14
    Highlight Highlight Ach Österreich...

    Das Land geprägt von Skandalen?
  • El Pepedente 23.07.2019 22:44
    Highlight Highlight Ksmeras sind ja nur zum eigenen schutz^^ warum hat der sich nicht einfach boot and nuke runtergeladen xD und die platten einfach nullen
  • hämpii 23.07.2019 22:20
    Highlight Highlight Mal ehrlich, hätte Herr M. sich unter seinem richtigen Namen gemeldet, was denkt ihr wie lange es gegangen wäre bis jemand herausgefunden hätte, dass Herr M. für Herrn Kurz arbeitet? Und dann wären die Dinger niemals beim Schredder angelangt, statt dessen wäre aber deren Inhalt mit Sicherheit irgendwo im Internet aufgetaucht....
  • Spooky 23.07.2019 22:13
    Highlight Highlight Dieser Firma würde ich nicht einmal mein WC-Papier zum Schreddern geben. Die würden das an die grosse Glocke hängen.

    Dieser Firma geht es wahrscheinlich nicht sehr gut.
    Wegen 76 Euro und 45 Cent so ein Theater? 🙈
    • sambeat 23.07.2019 22:31
      Highlight Highlight Kennst Du das Wort „Prinzip“?
    • Spooky 24.07.2019 02:51
      Highlight Highlight sambeat

      Ja, und? 🤔
    • Wander Kern 24.07.2019 13:35
      Highlight Highlight Sauber am Thema vorbeigeschrammt 👍
    Weitere Antworten anzeigen
  • northvan 23.07.2019 19:28
    Highlight Highlight Was lernt man daraus? (Egal ob da jetzt was illegales gelaufen sein könnte...) Zahl deine Rechnungen!!!!!
  • Mario Conconi 23.07.2019 19:26
    Highlight Highlight Hätten sie die Festpatteb mal lieber in der Kanine in die Microwelle gelegt....
    Aber mal ernsthaft, wie schwer kann es sein Festplatten zu vernichten!?
    • sambeat 23.07.2019 22:33
      Highlight Highlight Je mehr Dreck man am Stecken hat, desto gefühlt unzerstörbarer sind solche Sachen wahrscheinlich😂
    • El Pepedente 23.07.2019 22:47
      Highlight Highlight Ziemlich einfach und die möglichkeiten sind fast unendlich xD vin elegantem software lösungen bis neandertaler engineering
    • Alnothur 24.07.2019 01:08
      Highlight Highlight Mit ner Software 5x überschreiben lassen, fertig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • what's on? 23.07.2019 19:23
    Highlight Highlight Das war ja wieder mal ein Kabinettstück!
  • mille_plateaux 23.07.2019 18:53
    Highlight Highlight Hab mich während des Studiums intensiv mit Österreich befasst. Die haben ein nochmal grösseres Transparenzproblem als wir mit unseren Politiker. Parteiarchive zum zweiten Weltkrieg sind noch allesamt unter Verschluss, völkische Burschenschaften haben freie Hand - und die Politik (im Mindesten die Administration der Steiermark) sonnt sich im ach-so-sauberen Gärtchen. Moskauer Deklaration, Opfermythos und die daraus folgende Absenz einer kritisch-historischen Perspektive haben die perfekten Voraussetzungen für Mauschelei und Kuhhandel geschaffen. Kurz ist nur das nächste Rädchen. Arme Austria.
  • Moelal 23.07.2019 18:49
    Highlight Highlight Es zeigt doch einfach die totale Dummheit dieser Leute! Gottseidank ist der Kurz weg vom politischen Fenster
  • Gummibär 23.07.2019 18:40
    Highlight Highlight Laut Österreichs Ex-Kanzler nur ein ganz «üblicher Vorgang» .... Wirklich ? Das Erschleichen einer Dienstleistung unter falschem Namen mit der betrügerischen Absicht, dafür nicht zu bezahlen ist ganz üblich ?
    Landauf landab prüfen jetzt die Buchhalter ob unter dem Namen Maisinger noch was offen ist.
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 23.07.2019 17:57
    Highlight Highlight Waren da die Strache Videos drauf?
  • zeusli 23.07.2019 17:51
    Highlight Highlight Der Bursche hätte besser mal was gscheites gelernt....
  • watsoff 23.07.2019 17:46
    Highlight Highlight Toll gemacht. Fürs nächste Mal: ein paarmal kräftig mit dem Hammer draufhauen und die Teile sind hinüber. Oder mit einer Gratissoftware die Platten dauerhaft löschen. Aber das wäre wohl zu viel verlangt von einem Social Media Manager.
    • nick11 23.07.2019 21:34
      Highlight Highlight Naja ganz so einfach und sicher ist das nicht. Der Hammer zerstört vor allem das gehäuse und verformt evtl. die Platten, die Daten sind dann immer noch drauf. Mit genügend Geld lässt sich da noch was machen. Und auch beim Überschreiben können Datenschnipsel noch verbleiben, dies z.B. wenn defekte Sektoren übersprungen werden oder früher "ersetzt" worden sind. Es gibt von daher schon die Berechtigung, eine Festplatte "schreddern" zu lassen bis die Teile zu klein sind um irgendwie noch was zu erkennen.
    • Wander Kern 23.07.2019 21:38
      Highlight Highlight Jö, das solch naive Vorstellungen noch immer herumgeistern...
    • sambeat 23.07.2019 22:37
      Highlight Highlight @ watsoff: Es tut mir leid, wenn ich das so sagen muss, aber: Du hast keine Ahnung, was heutzutage möglich ist...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Harpist 23.07.2019 17:39
    Highlight Highlight Und das ganze fliegt ihnen jetzt um die Ohren weil sie die 76 Euro und 45 Cent nicht bezahlt haben...
    • Enjoymylife 23.07.2019 17:51
      Highlight Highlight Karma lässt grüssen... 😅🙈
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 23.07.2019 17:56
      Highlight Highlight Solches Zeug fliegt doch gefühlt immer wegen so kleinigkeiten auf 😂
    • Evenwhenthewaterscold 23.07.2019 18:48
      Highlight Highlight das erinnert irgendwie an den Film „War Dogs“
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wander Kern 23.07.2019 17:25
    Highlight Highlight Jetzt weiss man wenigstens, was "Social Media Manager" so tun.
    • What’s Up, Doc? 23.07.2019 17:54
      Highlight Highlight Hey! Das ist gemein, sind nicht alle so. 😁✌
    • pamayer 23.07.2019 22:06
      Highlight Highlight Weisses Pulver durch die Gegend chauffieren.

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