Die Armee will ihre Logistik umbauen – und dafür 10 Milliarden ausgeben

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VBS/DDPS/Sam Bosshard
Das Armeelogistikcenter Hinwil ist einer der grossen Logistik-Knotenpunkte der Schweizer Armee.Bild: VBS/DDPS/Clemens Laub

Die Armee will ihre Logistik umbauen – und dafür 10 Milliarden ausgeben

Die Schweizer Armee plant im Zuge der Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit, ihre Logistik zu dezentralisieren. Gemäss VBS-internen Zahlen dürfte das bis zu zehn Milliarden Franken kosten.
06.08.2026, 13:1006.08.2026, 13:10

«Logistik ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Logistik», besagt eine alte Militärweisheit. Verteidigungsminister Martin Pfister ist sich dieser Problematik durchaus bewusst, deshalb möchte er im Rahmen der Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit der Armee auch die Armeelogistik umbauen.

Das kostet eine Stange Geld, wie aus einem Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) hervorgeht. Offiziell werden dafür 4.3 Milliarden Franken beziffert; interne Zahlen des VBS legen jedoch Kosten von bis zu zehn Milliarden nahe, schreibt der «Tages-Anzeiger».

So sieht es jetzt aus

Im Zuge der Armeereform «Armee 21» respektive der damit einhergehenden Sparmassnahmen wurde die Armeelogistik gestrafft und stark zentralisiert. Seither wird das Gros von Material, Waffen und Munition in grossen Logistikhubs gelagert. Die drei grössten Armeelogistikcenter (ALC) befinden sich in Hinwil, Grolley und Monteceneri.

Armeelogistikcenter (ALC) Othmarsingen, Logistik
In Hochregallagern wird der Grossteil des Armeematerials in oberirdischen Hallen aufbewahrt.Bild: VBS/DDPS/Philipp Schmidli

Mit der Zentralisierung konnte die Armee rund 1500 Stellen einsparen. Der Preis dafür liegt jedoch in der Verwundbarkeit. Die oberirdischen Lagerhallen sind schlecht bis gar nicht gegen Luftangriffe geschützt. Gekoppelt mit der gegenwärtigen Fähigkeitslücke in der Luftverteidigung sind die Logistikcenter im Kriegsfall äusserst verwundbare Ziele.

So soll es aussehen

Mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine startete die Armee gemeinsam mit dem Bundesamt für Rüstung und der Ruag im Sommer 2023 ein Projekt, um die Armeelogistik wieder kriegstauglich zu machen. Das Projekt, das den Namen «Gesamtkonzeption Logistik» trägt, umfasst bereits jetzt 144 konkrete Massnahmen.

Einer der wichtigsten Punkte: Die Armeelogistik soll dezentralisiert werden. Dazu gehört, dass wichtige Güter wie Waffen und Munition wieder unterirdisch gelagert werden. Zu diesem Zweck will die Armee auch alte Bunkeranlagen, die mittlerweile leer stehen, reaktivieren.

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Ein Panzermechaniker nimmt die Raupe eines Leopard-Panzers ab.Bild: VBS/DDPS/Clemens Laub

Weiter sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Instandhaltung von Waffensystemen (wie beispielsweise Panzern) möglichst nahe an der Kriegsfront geschehen kann. Derweil wird die Instandhaltung durch die Ruag in den zwei Zentralen in Thun und Emmen durchgeführt – eine Dezentralisierung dürfte die Verträge mit dem staatlichen Technologiebetrieb um rund 20 Prozent verteuern.

Das sind die Kritikpunkte

Die EFK hat das Projekt nun einer ersten Prüfung unterzogen. Sie kommt dabei zum Schluss, dass das erste Konzept grundsätzlich gut sei – es gebe aber noch einige Schwachstellen. Ein Beispiel: die hohen Kosten.

Das Konzept beziffert die Kosten mit 4.3 Milliarden Franken, während interne Zahlen von Gesamtkosten in Höhe von 10 Milliarden ausgehen. Dazu kommt, dass noch unklar ist, woher das Geld für das Projekt kommen soll. Erst im März dieses Jahres hat der Bundesrat eine befristete Mehrwertsteuererhöhung beschlossen, um die diversen Aufrüstungsausgaben der Armee zu finanzieren. Der Umbau der Logistik ist darin nicht enthalten.

Robert Scheidegger, der stellvertretende Generalsekretär des VBS und Verantwortliche für das Projektmanagement, begründet die Unsicherheiten bezüglich der Finanzierung gegenüber dem «Tages-Anzeiger» mitunter mit dem langen Zeithorizont des Projekts – fast 15 Jahre soll es dauern, bis der Umbau vollzogen ist. Weil die Dezentralisierung aus vielen verschiedenen Teilprojekten besteht, können diese nur Stück für Stück umgesetzt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt, den die EFK vorbringt, ist, dass die Führungsspitze des VBS bislang zu wenig involviert wurde. Ein Projekt von einer solchen Tragweite müsse «zwingend» von der Departementsführung begleitet werden, so der Bericht. Erst seit Anfang dieses Jahres gehört die «Gesamtkonzeption Logistik» zu den offiziellen Schlüsselprojekten des VBS.

Schliesslich bleibt ein Knackpunkt weiterhin offen: die Frage nach der Software, mit welcher die Armeelogistik künftig arbeiten soll. Der ursprüngliche Plan, das in der Bundesverwaltung gängige System des deutschen Anbieters SAP zu verwenden, fiel ins Wasser, nachdem SAP bekannt gab, ihre Software künftig nur noch in der Cloud zu betreiben.

Mittlerweile hat die deutsche Firma ihre Strategie überarbeitet – nicht nur das VBS, sondern auch viele andere Kunden hatten ihre Bedenken bezüglich einer rein cloudbasierten Softwarelösung geäussert. SAP ist somit wieder im Rennen. (cpf)

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Die beliebtesten Kommentare
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Pummelfee
06.08.2026 14:23registriert Mai 2020
10 Milliarden für die Logistik der Armee, aber 100 Millionen für einen klimatauglichen Wald sind dann zuviel…ich verstehe wurklich nicht, was in solchen Köpfen vor sich geht! Muppetsshow?
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El_Chorche
06.08.2026 13:57registriert März 2021
"Robert Scheidegger, der stellvertretende Generalsekretär des VBS und Verantwortliche für das Projektmanagement,"

Da steht "verantwortlich".

Was bedeutet das konkret? Dann trägt er die Verantwortung für die letzten Rüstungsprojekte?

Falls ja: Wann genau trägt er diese "Verantwortung"?
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Patrice 73
06.08.2026 13:42registriert Oktober 2015
Wieso schrillen bei mir sofort alle Alarmglocken? Ich hab den Eindruck, dass eher die Führung umgebaut werden müsste. Das werden so viele Fehlentscheidungen getroffen. Ich glaube daher, dass bei der Führung angesetzt werden müsste. Danach den Rest.
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