Jazz-Album-Covers im Basler Rappaz-Museum - Klang-Verhüllungs-Kunst

Jazz-Album-Covers im Basler Rappaz-Museum - Klang-Verhüllungs-Kunst

05.04.2018, 14:5205.04.2018, 14:52

Dass in einem Museum ein Andy Warhol neben einem Martin Disler hängt, überrascht kaum. Eher aber, dass beide nur dekorative Statistenrollen haben: Sie zieren Schallplattenhüllen, Jazz-Covers. Solchen widmet das kleine Basler Rappaz-Museum eine Ausstellung.

Die Geschichte der Musik ist älter als jene der Schrift, und greifbar zusammen gefunden haben sie in Form der Covers. Diese schützen Schellack und später Vinyl, informieren über die in Rillen gepresste Musik und sollen deren Verkauf ankurbeln. Angesichts von Downloads und Streaming könnte indes auch das bald Geschichte sein.

Als Grafiker blickt Armin Vogt mit professionellem Blick auf die Objekte seiner Jazz-Leidenschaft. Als Kurator des privaten Museums - ein im Kleinbasel bei der Mittleren Brücke verstecktes Bijou - hat er nun zusammen mit Co-Jazzer und -Grafiker Christian Mengelt einen Blick auf eine spannende Phase dieser Kunstform geworfen.

Die gezeigten gegen 300 Alben bieten keinen wissenschaftlich-kulturhistorischen, sondern einen subjektiven Zugang zu Coverdesigns der 1950er- bis 1980er Jahre. Zufällig ist das dennoch nicht, kamen doch in dieser Zeit grosse Labels auf, die ihre Künstler breit vermarkteten. In den 80ern dann verdrängte die graphisch weniger ergiebige CD die LP.

Da sich kein einzelnes Ordnungskriterium per se aufdrängt, sind die Exponate nach recht verschiedenen Aspekten quasi Wand-weise gruppiert: Malerei, Typographie & Bild, Labels (etwa Intakt oder HatHut), Gestalter (Reid Miles oder Niklaus Troxler), Kalligraphie, Musiker (Monk, Mingus oder Gruntz).

Der subjektive Blick der Ausstellungsmacher auf diese Geschichte der Grafik und der Photographie holt Betrachtende auch bei persönlichen Vorlieben und Erinnerungen ab - passend zur Emotionalität des Jazz. Für erklärende Kurztexte zu all den Covers fehlten dem kleinen Haus die Kapazitäten; ad-hoc-Fragen in der Ausstellung müssen reichen.

Auch so bietet die aus Privatsammlungen gespiesene Ausstellung «Jazz LP + CD Cover Designs», die vom 6. April bis 27. Mai zu sehen ist, verblüffende bis erheiternde Bezüge und Vergleiche: etwa wie sich Karrieren in Gesichtszügen eingravieren, wie um Markenidentität gerungen wird oder wie sich Berühmtheit wortlos ablesen lässt.

Die Ausstellung ist Vorbotin des Basler Offbeat-Jazzfestivals, das am kommenden Donnerstag beginnt und bis Mitte Mai dauert. Thematisch stehen heuer Oriental Jazz - den ersten Abend bestreitet Anouar Brahem - und Latin-Worldmusic im Vordergrund, wobei im Programm auch Grenzgänger zur Klassik sowie einige Gitarristen auffallen.

www.rappazmuseum.ch, www.offbeat-concert.ch (sda)

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