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Schüsse in Italien: Hinweise auf rassistisches Motiv verdichten sich

03.02.18, 18:24 03.02.18, 18:38

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Nach Schüssen auf mehrere Ausländer im italienischen Macerata haben sich die Hinweise auf eine rassistisch motivierte Tat verdichtet. Laut Medienberichten zielte der Täter am Samstag aus seinem Auto ausschliesslich auf dunkelhäutige Menschen.

Regierungschef Paolo Gentiloni rief die Italiener auf, dem Risiko einer Gewaltspirale entgegenzuwirken. «Hass und Gewalt werden es nicht schaffen, uns auseinanderzutreiben», sagte der Sozialdemokrat in Rom. Der Vorfall heizte vor den Wahlen am 4. März die politische Diskussion weiter an.

Alle Verletzten sind Ausländer

Die Schüsse waren am Samstagvormittag an verschiedenen Orten in der Provinzhauptstadt in der Adria-Region Marken gefallen. Alle Verletzten seien ausländischer Nationalität, teilte die Polizei auf Twitter mit, stand für weitere Auskünfte aber auch am Nachmittag nicht zur Verfügung. Medien berichteten von vier bis sieben Verletzten.

epa06493402 Paramedics treat an injured person that was shot from a passing vehicle in Macerata, Italy, 03 February 2018. According to the local authorities, the town at the eastern Italian coast near Ancona is under a lockdown due to shots being fired from a car that is driving around in the town for yet unknown reasons.  EPA/GUIDO PICCHIO

Eine angeschossene Person wird von Sanitätern betreut. Bild: EPA/ANSA

Bevor die Polizei am Mittag einen Verdächtigen festnahm, hatten die Gemeinde und die Polizei die Bürger aufgerufen, Häuser, Büros und Schulen nicht zu verlassen. Laut der Nachrichtenagentur Ansa handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 28-jährigen Italiener.

Faschistischer Gruss

Dieser sei gefasst worden, als er einen faschistischen Gruss vor einem Denkmal für gefallene Soldaten in der 42'000-Einwohner-Stadt gezeigt habe, berichteten die Zeitung «La Repubblica» und Ansa. Zuvor habe er sich in eine italienische Flagge gehüllt.

Bei seiner Festnahme habe er keinen Widerstand geleistet. Im Auto fanden die Carabinieri den Berichten zufolge die mutmassliche Tatwaffe, eine Pistole.

Italian Prime Minister Paolo Gentiloni talks about the shooting in Macerata, Italy, as he holds a press conference at Palazzo Chigi in Rome Saturday, Feb. 3, 2018. A lone gunman opened fire on foreigners in drive-by shootings, wounding an undisclosed number of people Saturday morning before being arrested. The suspect’s motive wasn’t immediately clear, but the city of Macerata is still reeling from the gruesome killing of a young Italian woman this week, allegedly at the hands of a Nigerian immigrant. (Angelo Carconi/ANSA via AP)

Regierungschef Paolo Gentiloni will eine Gewaltspirale verhindern. Bild: AP/ANSA

Politiker verschiedener Lager verurteilten die Tat. «Der Mann, der geschossen und sechs dunkelhäutige Altersgenossen getroffen hat, ist eine elendige und irre Person», schrieb der Chef der Sozialdemokraten und Italiens Ex-Ministerpräsident, Matteo Renzi, auf Facebook.

Verdächtiger soll für Lega kandidiert haben

Der Verdächtige sei vergangenes Jahr bei Kommunalwahlen für die ausländerfeindliche Lega Nord angetreten, schrieb Renzi, rief aber gleichzeitig dazu auf, den Vorfall aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Der Mann habe auch einen Schuss auf den Sitz der sozialdemokratischen PD in Macerata abgegeben.

Lega-Chef Matteo Salvini sagte, er hoffe, die Wahlen am 4. März zu gewinnen, um in Italien für Sicherheit zu sorgen. «Die moralische Verantwortung für jede Episode von Gewalt, die in Italien passiert, haben diejenigen, die [das Land] mit illegalen Einwanderern gefüllt haben», wurde er ausserdem von Ansa zitiert.

epa06493910 Matteo Salvini, leader of right-wing party Lega Nord (Northern League, LN), delivers a speech during his electoral tour at San Lazzaro di Savena, Italy, 03 February 2018. Italian nationalist Luca Traini confessed opening fire on African migrants in the central city of Macerata, injuring several people, police said, in an attack that appeared to be racially motivated. The town at the eastern Italian coast near Ancona was put under a lockdown due to shots being fired from a car driving around in the town.  EPA/Giorgio Benvenuti

Lega-Chef Matteo Salvini nutzt die Schiesserei, um gegen Ausländer zu hetzen. Bild: EPA/ANSA

Die Lega ist Teil der Mitte-Rechts-Allianz mit Berlusconis Forza Italia und den rechten Fratelli d'Italia, die laut Umfragen gerade die meisten Stimmen auf sich vereint.

Macerata war erst vor wenigen Tagen von dem grausamen Mord an einer 18-Jährigen erschüttert worden. Die Leiche des Mädchens war zerstückelt in zwei Koffern gefunden worden. Verdächtigt wird ein Mann aus Nigeria, der mit Drogen gedealt haben soll. Er sitzt in Untersuchungshaft. Italienische Medien berichten über die Vermutung, der Vorfall am Samstag sei eine Reaktion auf den Mord gewesen.

«Tragödien instrumentalisiert»

Die Migrationskrise, von der Italien in hohem Masse betroffen ist, dominiert den Wahlkampf. Salvinis Partei, die sich gegen die Einwanderung positioniert, hat in den vergangenen Monaten an Zulauf gewonnen und liegt derzeit bei rund 13 Prozent.

Wer wie Salvini «Tragödien für Wahlkampfzwecke instrumentalisiert», sei verantwortlich für eine Spirale von Hass und Gewalt, die schnellstmöglich gestoppt werden müsse, sagt der Anführer der Linksallianz Liberi e Uguali, Pietro Grasso. "

Seien wir still und betreiben keinen Wahlkampf auf Kosten von dem getöteten Mädchen und den Verletzten von heute", mahnte auch der Spitzenkandidat der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio. (leo/sda/dpa/apa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Thadic 04.02.2018 12:02
    Highlight Tatsache ist, dass Italien bis etwa in den 1980-Jahren ein extremes Auswanderungsland war. Sie sollten eigentlich Experten sein wie man mit Migration umgeht. Auch müssten wir Italiener im Ausland erkennen, dass Italien ohne Einwanderung verloren ist. Die Bevölkerung ist extrem überaltert und nimmt ab. Damit kann die Infrastruktur nicht aufrechterhalten werden und noch mehr kleine idyllische Dörfer sterben aus. Ich finde es sehr bedauerlich zu sehen wie rassistisch viele meiner Landsleute sind. Als ob wir nichts aus der von uns erlebten Ungleichbehandlung gelernt hätten.
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  • Thadic 04.02.2018 03:49
    Highlight Es stimmt nicht, dass die italienischen Medien die Tötung der jungen Frau nicht berichtet hätten, wie einige hier behauptet hatten (omicidio Pamela Mastropietro). Da leider fast jeden 2.Tag in Italien eine Frau von einem Mann umgebracht wird, ist verständlich, dass die Schweizer Medien nichts von diesem Mord berichtet haben. Übrigens 78% der ermordeten Frauen waren Italienerinnen und 75% der Mörder waren Italiener. Also auch hier keine Anzeichen von Horden von Migranten die Italienerinnen ermorden. http://m.espresso.repubblica.it/attualita/2017/06/19/news/femminicidi-1.304466
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  • seventhinkingsteps 04.02.2018 01:01
    Highlight Rechter Terror. Aber die "Kill Trump" Banner sind natürlich viel schlimmer, ganz zu schweigen von den kaputten Fenstern.
    15 25 Melden
  • Lowend 04.02.2018 00:34
    Highlight Der offene rechte Rassismus in diesem Forum ist unerträglich! Keine noch so schlimme Tat rechtfertigt aber eine andere schlimme Tat und wer versucht solche üblen Rassisten zu verteidigen, ist selber ein Täter, der um keinen Deut besser ist, als dieser rechte Terrorist!
    19 36 Melden
  • Karl33 03.02.2018 20:34
    Highlight Erstaunlich doch, dass es diese Schüsse in unsere Medien schaffen, der Mord vor 1 Woche, der in direkter Verbindung damit zu stehen scheint (Ausländer bringt Italienerin um) aber nicht. Voreingenommene, politisch instrumentalisierte Medien?
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    • durrrr 03.02.2018 22:16
      Highlight Kommt noch dazu, dass man Parteien wie die Lega und cinque stelle, welche die verfehlte Migrationspolitik am meisten kritisieren, sogleich als "fremdenfeindlich" und "populistisch" kennzeichnen muss, als ob der "mündige Bürger" nicht selbst für sich entscheiden könnte, was gut und was böse ist.
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    • Thadic 04.02.2018 03:55
      Highlight Meinst du die CH-Medien hätten vom Mord an diese junge Frau berichten sollen? In Italien selber wurde ausführlich darüber berichtet. Da in Italien leider fast jeden 2.Tag eine Frau von einem Mann umgebracht wird, ist es doch verständlich wenn die CH-Medien dies nicht berichten.
      12 25 Melden
    • Thadic 04.02.2018 03:58
      Highlight Wer die Lega als nicht rassistisch klassiert, kennt sie entweder nicht oder hat eine andere Definition von Rassismus als üblich.
      16 22 Melden
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  • Linus Luchs 03.02.2018 19:55
    Highlight "Eine elendige und irre Person." Und warum ist das jetzt kein Terrorist? Hat er die falsche Konfession, um ein Terrorist zu sein?
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  • B-Arche 03.02.2018 19:18
    Highlight So sind sie halt die Rechtspopulisten. Attentate gegen Ausländer - und sie geben die Schuld den Ausländern. Dass Menschen solche Parteien wachsendem Masse wählen macht mich sprachlos. Jegliche Moral weg, jeglicher Abstand weg, nur ein Thema "Ausländer" und sie räumen Stimmen ab.
    Ob das gesamte Klima hinterher vergiftet ist, ob die Gesellschaft nur noch auf 2 Teile polarisiert ist - das juckt die nicht. Hauptsache "we have won - get over it".
    Und tragischerweise ist die Schweiz der Auslöser - direkte Demokratie = Kompromiss gibt es keinen. Jeglicher Stimmanteil der Minderheit ist verloren.
    65 131 Melden
    • Alnothur 03.02.2018 21:23
      Highlight Ach darum ist's so ruhig geworden um Calais... Ich dachte, nachdem die Migranten dort LKW-Fahrer mit Kettensägen angriffen, wurde das Lager geräumt?
      49 22 Melden
  • Domino 03.02.2018 19:15
    Highlight Ich denke der Auslöser dieser Tat ist die 18 Jährige getötete Römerin die 10km entfernt von Macerata vor wenigen Tagen gefunden wurde. Die Tat beging ein Nigerianer, welcher die Leiche in 20 Teile zerstückelt hat.
    http://www.corriere.it/cronache/18_gennaio_31/macerata-cadavere-una-donna-fatto-pezzi-trovato-due-valigie-89039856-0685-11e8-8b64-d2626c604009.shtml
    126 36 Melden
    • Makatitom 03.02.2018 23:51
      Highlight Stopp: Ein NIgerianer sitzt zur Untersuchung dieser Tat in Untersuchungshaft, begangen hat er sie erst, wenn er dafür verurteilt ist.
      Der Italiener hingegen hat bereits zugegeben, die tat begangen zu haben
      9 22 Melden
    • exeswiss 04.02.2018 00:44
      Highlight naja er wurde noch nicht verurteilt somit gilt die unschuldsvermutung und dem artikel nach ist die beweislage dünn.
      7 24 Melden
    • Saraina 04.02.2018 10:51
      Highlight Ein einzelner Nigerianer begeht einen grausamen Mord. Inwiefern rechtfertigt das, dass ein Politiker sechs an dem Mord völlig unbeteiligte Ausländer zu töten versucht, und dann in eine Flagge gewickelt und mit faschistischem Gruss sich zu der Tat bekennt? Wäre der Mann in eine IS-Flagge gewickelt gewesen, wäre jedem klar, dass es sich um Terrorismus handelt.

      3 6 Melden
  • Eskimo 03.02.2018 19:12
    Highlight In Macerata wurde vor wenigen Tagen eine junge Frau von einem Afrikaner ermordet und zerstückelt. In den meisten Medien kein Wort darüber. Werden aber Migranten angegriffen,
    (was ich auf keinen Fall gutheissen will) liest man überall darüber. Mit dem verheimlichen und schönreden von Gewalt die von Migranten ausgeht, tut man niemandem einen gefallen und spielt den sogenannten Rechtspopulisten nur in die Hände.
    234 80 Melden
    • B-Arche 03.02.2018 19:47
      Highlight Aha und das relativiert diese Attentate? Weil der eine Nigerianer ein scheussliches Verbrechen begangen hat sind nun also die Nigerianer Schuld die feige erschossen wurden?

      Mir geht dieses indirekte "Verständnis zeigen" für rassistische Gewalt enorm auf den Keks (hätte der eine Nigerianer kein Mädchen zerstückelt hätten diese Einheimischen auch keine erschossen ergo sind die Ausländer schuld - das ist dieser ekelhafte Rechtspopulismus.

      71 108 Melden
    • Kilian Holzer 03.02.2018 20:16
      Highlight Der Nigerianer steht unter Verdacht!!! Es ist nichts beweisen aber Rechtspopulisten wie Salvini benutzen jede Möglichkeit um zu hetzen....
      48 72 Melden
    • atomschlaf 03.02.2018 20:32
      Highlight @B-Arche: Ich sehe nicht, wo Eskimo diese Tat rechtfertigen sollte. Er kritisiert einzig - und dies zu Recht - die selektive Medienberichterstattung.
      72 31 Melden
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Migranten in Italien: Hass, Hetze und Gewalt

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