Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Daniel Blumer, links, Kommandant der Stadtpolizei Zuerich, und Polizeivorsteher Richard Wolff, rechts, in der St. Peters Kirche in Zuerich am Freitag, 28. Maerz 2014. Fuenf Aspirantinnen und 24 Aspiranten der Klassen F13 und W13 haben das erste Jahr der Zuerrcher Polizeischule ZHPS erfolgreich abgeschlossen und die Eidgenoessische Berufspruefung

Daniel Blumer (links) neben Stadtrat Richard Wollf. Bild: KEYSTONE

Interview mit dem Polizeikommandanten

«Herr Blumer, könnte die Zunahme der Gewalt auch etwas mit dem Verhalten der Polizisten zu tun haben?»

Der höchste Zürcher Ordnungshüter im Gespräch über Gewalt gegenüber Polizisten und ob deren Zeit als Respektperson gezählt ist.

22.05.14, 07:22 22.05.14, 14:33

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

sophie rüesch, aargauer zeitung

Herr Blumer, ein Mann, der am 1. Mai 2012 Stadtpolizisten mit Steinen bewarf, wurde gestern zu fast drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, ein halbes davon unbedingt. Es ist das erste Mal, dass das blosse Inkaufnehmen von möglichen Verletzten zu einer so hohen Strafe führt. Was bedeutet das für Sie?
Daniel Blumer:
Wir haben das Urteil mit grosser Genugtuung aufgenommen. Für uns ist vor allem die Signalwirkung wichtig. Die Auffassung, dass es eben zum Berufsrisiko eines Polizisten gehört, mit Steinen beworfen oder generell angegriffen zu werden, ist verbreitet. Das Gericht hat nun klar gezeigt, dass das nicht geht. Dass das Zürcher Bezirksgericht gezielte Steinwürfe gegen Polizisten als versuchte schwere Körperverletzung beurteilt, heisst, dass auch ähnliches Verhalten künftig zu einer schwerwiegenden Bestrafung bis hin zur unbedingten Freiheitsstrafe führen kann.

Hoffen Sie, dass es nun weniger Gewalt gegenüber Polizisten gibt? 
Ich glaube, dass das Urteil im gewaltbereiten Sportumfeld, aber auch bei politisch motivierten Straftätern zu einem Umdenken führen könnte, wenn künftig mit mehrmonatigen Haftstrafen zu rechnen ist. Leute, die bei solchen Anlässen aggressiv werden, führen unter der Woche meist ein ganz normales Leben. Doch wer zu lange am Arbeitsplatz fehlt, kann diese Fassade nicht mehr aufrechterhalten.

Der betroffene Polizist trug vom Vorfall am 1. Mai bleibende Schäden davon. Gibt es heute mehr Übergriffe auf Polizisten als früher? 
Ja, über die letzten Jahre hinweg hat sowohl die Anzahl der Angriffe erheblich zugenommen als auch die Bereitschaft, schwere physische Gewalt anzuwenden. Zurzeit stagniert die Zahl, aber auf hohem Niveau. Die Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten ist heute deutlich zu hoch. Zudem werden auch Sanitäter und Feuerwehrleute vermehrt angegriffen.

Daniel Blumer ist seit knapp einem Jahr Kommandant der Stadtpolizei Zürich, dem mit rund 2100 Mitarbeitern drittgrössten Polizeikorps der Schweiz.

Wie bitte? 
Ja, wir müssen immer häufiger ausrücken, um andere Blaulichtorganisationen zu beschützen. Wahrscheinlich ist es die Kombination von Blaulicht, Sirene und Uniform, die Aggressionen gegen die in gewissen Kreisen verhasste Staatsgewalt verursacht. Da wird nicht mehr zwischen «Good Cop» und «Bad Cop» unterschieden. 

Wie oft werden Ihre Polizisten bei Einsätzen verletzt? 
Zurzeit verzeichnen wir etwa einen Fall pro Woche. Rund einmal im Monat handelt es sich dabei um schwerere Verletzungen, die zu einem Arbeitsausfall führen.

Aggression führt in der Regel zu mehr Aggression. Könnte die Zunahme auch etwas mit dem Verhalten der Polizisten zu tun haben? 
Nein, im Gegenteil: Wir schulen unsere Mitarbeiter bewusst immer intensiver in Deeskalationstechniken. Es ist überhaupt nicht unsere Philosophie, Gewalt zu provozieren oder mit Gegengewalt zu reagieren.

Wie gehen Sie mit Gewalt gegenüber Angestellten um? 
Bei schweren Übergriffen werden sie von der polizeipsychologischen Abteilung betreut. Zudem zeigen wir Täter konsequent an. Das Urteil zeigt nun, dass das auch Folgen hat.

Haben Polizisten schon gekündigt wegen des Verletzungsrisikos? 
Das nicht, aber es kommt ab und zu vor, dass Mitarbeiter weg von der Front in den Innendienst wechseln. Ich erinnere mich etwa an ein Polizistenpaar, bei dem ganz bewusst nur eine Hälfte Einsätze an der Front leistet – damit stets gewährleistet ist, dass mindestens ein Elternteil noch voll arbeitsfähig ist.

Sind denn die Tage des Polizisten als Respektperson gezählt? 
Nein, von der Mehrheit wird der Polizist oder die Polizistin nach wie vor als staatliche Autorität respektiert. Doch die Ausnahmen nehmen zu. Das betrifft übrigens nicht nur die Polizei, dasselbe stellen wir auch bei vielen anderen Berufsgruppen fest.



Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Buyer's Remorse 22.05.2014 10:01
    Highlight Das ich nicht lache. Die Polizei trägt selbst stark dazu bei, das sie von vielen nicht mehr als Respektspersonen sondern als machtgeile Sadisten angesehen werden. Darüber, was sich teilweise für Szenen abspielen, würden sich manch einer mehr als wundern.

    Gerade in den angesprochenen Bereichen, Sport und Politik, häufen sich Provokation und Schikanierung in ungeheuerlichem Masse.
    5 1 Melden
  • samy4me 22.05.2014 09:54
    Highlight Die Gewalt an Polizisten nimmt wegen einiger Ausnahmen zu. So wie zum Beispiel alle Sportfans pauschalisiert und in den Hooligantopf geworfen werden, hat die Polizei halt auch ihren Ruf....
    4 1 Melden

Brand auf Dachterrasse beim Zürcher Grossmünster gelöscht – keine Verletzten

Kurz vor 17 Uhr am Donnerstagnachmittag stieg dunkler Rauch über den Häusern neben dem Zürcher Grossmünster auf. Auf der Dachterrasse einer Liegenschaft an der Oberdorfstrasse sei bei einem Unterstand ein Feuer ausgebrochen, sagt Reto Portmann von Schutz und Rettung Zürich gegenüber watson.

Die Bewohner hätten den Brand teilweise selber löschen können. Sie waren aber noch auf die Unterstützung der Feuerwehr angewiesen. Es habe keine Verletzten gegeben und niemand habe evakuiert werden …

Artikel lesen