Schweiz

Auch du, Doris! Bundesrätin Leuthard tritt spätestens im Herbst 2019 zurück

31.07.17, 16:09 31.07.17, 17:28

Bald nicht mehr Bundesrätin: Doris Leuthard. Bild: KEYSTONE

Die amtierende Bundespräsidentin Doris Leuthard hat sich erstmals konkreter zum Zeitpunkt ihres Rücktritts als Bundesrätin geäussert. Sie befinde sich «am Ende ihrer letzten Legislatur», sagte sie am Montag in einem Interview mit dem Westschweizer Fernsehsender RTS.

Hier geht's zum Interview mit dem Westschweizer Fernsehen

Die Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hatte sich bisher nie öffentlich in die Karten blicken lassen, wann ihre Bundesratskarriere zu Ende gehen wird. Nun soll spätestens 2019 Schluss sein.

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  • 16%Fies finde ich das! Sie hat jetzt eine schöne, lebenslange Rente und ich muss noch bis mindestens 65 chrampfen!
  • 25%Unglaublich! Auch im Abgang hat die Frau Stil.

Auf die Frage eines Journalisten, ob sie die Übernahme des Aussendepartements vom zurücktretenden Didier Burkhalter anpeile, sagte die Aargauer CVP-Bundesrätin: «Wenn man das Departement wechselt, sollte man immer vier bis sechs Jahre bleiben.» Bei ihr sei die laufende Legislatur aber die letzte.

Bild: KEYSTONE

Dass sie das Präsidialjahr als krönenden Abschluss ihrer Zeit in der Landesregierung betrachtet, ist zumindest nicht ausgeschlossen. Zwar ist Leuthard erst 54 Jahre alt, doch ist das laufende Jahr bereits ihr elftes im Bundesrat. Sie ist damit das dienstälteste Mitglied der Landesregierung.

Zudem sind einige Meilensteine erreicht. Der Gotthard-Basistunnel ist eröffnet, die Energiewende ist eingeleitet. Letzteres war so nicht erwartet worden, als Leuthard im Herbst 2010 vom Wirtschafts- ins Umweltdepartement wechselte.

Energiewende als Vorzeigeprojekt

Damals schien es, als hätten die Befürworter der Atomkraft Grund zum Feiern: Die Aargauerin, die der Atomindustrie nahestand, hatte sich stets für den Bau neuer AKW ausgesprochen. Doch es kam anders.

Bild: KEYSTONE

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011 liess Leuthard umgehend die Rahmenbewilligungsverfahren sistieren. Wenige Wochen später verkündete die Energieministerin, der Bundesrat wolle auf neue Atomkraftwerke verzichten.

Der Entscheid war pragmatisch: Nach Fukushima wäre eine Abstimmung über neue AKW wohl schwer zu gewinnen gewesen. Dass das Signal so rasch erfolgte, war aber Leuthards Verdienst. Sie wusste die Chance zu nutzen, welche die Situation auch für sie persönlich bot. Mit Begeisterung schlüpfte sie in die Rolle der anpackenden Magistratin und vermochte so ihre bereits grosse Popularität noch zu steigern.

Wenige politische Niederlagen

Leuthard ist bekannt für ihr gewinnendes Auftreten und ihr kommunikatives Talent, ob im Parlament oder vor der Kamera. Vor 2017 amtete sie bereits 2010 als Bundespräsidentin.

Zu ihren Niederlagen gehören das Nein zu einer teureren Autobahnvignette, das Ja zur Zweitwohnungsinitiative sowie der ungelöste Fluglärmstreit mit Deutschland.

Schon als Wirtschaftsministerin hatte sie schwierige Phasen durchlebt. Gegen den von ihr propagierten Agrarfreihandel mit der EU regte sich in der eigenen Partei Widerstand. Mit dem Wechsel ins UVEK konnte sie diesem Problem entfliehen und gleichzeitig einen Wunsch der CVP erfüllen.

Steile Karriere

Die Karriere von Doris Leuthard verlief nahezu reibungslos – und in rasantem Tempo. 1997 wurde die damals unbekannte Juristin in den Aargauer Grossen Rat gewählt, bereits zwei Jahre später in den Nationalrat. Nach der Abwahl von Ruth Metzler 2003 übernahm sie die Parteileitung.

Bild: KEYSTONE

Die Aargauerin gilt als charmant, wurde rasch zum Gesicht der Partei und verlieh dieser ein neues Image. Als Joseph Deiss aus dem Bundesrat zurücktrat, war Leuthard von Beginn weg die Kronfavoritin. Die Wahl am 14. Juni 2006 war praktisch Formsache. Innerhalb von nur neun Jahren war Leuthard so von der unbekannten Grossrätin zur Bundesrätin avanciert. (sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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37
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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 02.08.2017 03:28
    Highlight Von mir aus kann sie schon gestern zurücktreten. Was gehen mich diese Leute an aus dieser Luxuskaste? Überhaupt nichts! Leute wie unsereiner müssen sich allein durchwursteln. Leute wie diese Oberschichtsleute sind für mich tot.
    1 1 Melden
  • Calvin WatsOff 01.08.2017 10:55
    Highlight Ach Frau Leuthard, von mir aus dürften Sie jetzt schon gehen. nicht erst in 2 Jahren. Was sie geleistet haben, wird die Bürgerin und der Bürger noch teuer zu spüren bekommen. Chapeau wie Sie sich verkauft haben.

    Was soll die Ankündigung? wünscht Madame amerikanische Verhältnisse?
    2 3 Melden
  • Turi 31.07.2017 18:48
    Highlight endlich. mehr privatisierung (=profite für private) und steuererhöhungen haben wir keinem anderen bundesrat zu verdanken.
    5 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 31.07.2017 21:42
      Highlight Was genau hat Leuthard privatisiert?
      Hab ich was verpasst?
      6 1 Melden
  • mia83 31.07.2017 17:24
    Highlight Die Kommentare klingen wie beim Blick!
    13 19 Melden
    • andrew1 31.07.2017 17:37
      Highlight Darf man denn niemanden, welcher in der Öffentlichkeit steht kritisieren? Nur friede freude eierkuchen?
      16 14 Melden
    • pachnota 31.07.2017 17:54
      Highlight mia83
      Und wieso sollten sie anders klingen als beim Blick?
      (sind wir jetzt etwas Besseres?)
      16 11 Melden
    • Fabio74 31.07.2017 18:15
      Highlight Tja was erwartest du? DIe SVP geht voran mit dem Bashing der Institutionen und der gewählten Menschen und die Schafe blöken mit. Weil den Anstand, Respekt, Sachlichkeit haben SIe nie gelernt oder vergessen.
      13 14 Melden
    • pachnota 31.07.2017 18:52
      Highlight Ha Ha Fabio
      Du bist soo gut drauf heute?
      5 2 Melden
    • mia83 01.08.2017 11:10
      Highlight So undifferenzierte Kommentare nach dem Motto "Hauptsache gegen die Regierung sein" kommen tatsächlich im Blick gehäuft vor.
      3 2 Melden
    • pachnota 01.08.2017 11:27
      Highlight Mia
      Du meinst also, "für" die Regierung sein, ist spezifisch Watson?
      (und findest das gut)?
      2 3 Melden
    • mia83 01.08.2017 23:01
      Highlight Ich meine das undifferenzierte "Gegen alles, was mit der Regierung zu tun hat"! Ich bin auch keine Anhängerin der seltsamen Auswüchse der Regierung. Aber gleich auf alles draufzuhauen ist lächerlich. "Oooh die ach-so-böse Doris soll das Feld räumen, damit sie für jemad anderen Platz machen kann". Dass die Hater dann gegen die nächste Person genau so hetzen, ist den Leuchten nicht bewusst.
      0 0 Melden
  • Boogie Lakeland 31.07.2017 17:20
    Highlight Sie weiss wie man Mehrheiten hinkriegt und darum geht es in der Politik.
    Das macht sie in meinen Augen zu einer der besten/cleversten Mitglieder unserer Exekutive in den letzten 25 Jahren.
    Ob man die Inhalte ihrer Politik gut findet ist wieder eine andere Frage...
    24 5 Melden
  • Theodorli 31.07.2017 17:02
    Highlight Bitte nicht Doris, Du bist die Beste die wir haben !!
    20 19 Melden
  • pachnota 31.07.2017 16:58
    Highlight Endlich!
    Freue mich schon jetzt auf den Tag, wo auch noch eine gewisse Frau S zurücktreten wird!
    27 87 Melden
    • karl_e 31.07.2017 17:09
      Highlight Der Seitenhieb auf Frau S darf bei dir nicht fehlen, gelle.
      35 11 Melden
    • Madmessie 31.07.2017 17:38
      Highlight @pachnota: Dich würde ich mal gerne sehen in so einer Position wie Frau Leuthard....Das würde Fremdschämen auf ein neues Niveau heben.
      16 6 Melden
    • pachnota 31.07.2017 17:55
      Highlight Nein, Karl, darf er nicht !
      6 13 Melden
    • pachnota 31.07.2017 17:59
      Highlight Hey Madmessie
      (nomen est omen)?
      Danke für deinen Fremdschämer-Beitrag.

      ..so cool man!
      10 11 Melden
    • pachnota 31.07.2017 18:17
      Highlight @nomen est omen
      Dabei wollte ich mich gerade für den Job bewerben.
      6 9 Melden
    • pachnota 31.07.2017 18:18
      Highlight Die eben etwas weniger talentierte Frau S.
      5 14 Melden
    • Fabio74 31.07.2017 20:12
      Highlight BIs jetzt glänzt du durch Bashing, motzen und jammern. Typische Eigenschaften eines Super-Eidgenossen gemäss Herrliberger Gesetz.
      6 6 Melden
    • pachnota 31.07.2017 21:22
      Highlight Fabio
      Bis jetzt bist du es, der hier Bashing betreibt, der Jammert und moralinversauert daherkommt.
      "Herrliberger Gesetz"?? Du übernimmst immer mehr die Sprache von Piedone, den du offenbar zu deinem grossert Führer erkohren hast.

      Na Ja, mach dir nicht,s draus. du kannst nicht,s daführ, und ich will,s dir nachsehen.

      6 7 Melden
  • atomschlaf 31.07.2017 16:38
    Highlight Warum die vielen negativen Kommentare?

    In meinen Augen ist Leuthard eines der fähigsten, wenn nicht das fähigste Mitglied der Landesregierung.

    Da würden mir gewisse andere Rücktritte sehr viel mehr Freude bereiten!

    63 15 Melden
    • Tikvaw 31.07.2017 17:09
      Highlight Ist doch häufig verzerrt hier und anderswo.

      Tatsache ist, dass die Abstimmenden praktisch all ihren Projekten zugestimmt haben.
      Rechnerisch war sie somit die Fähigste im derzeitigen Bundesrat.
      28 2 Melden
    • Chääschueche 31.07.2017 18:41
      Highlight @Tikvaw
      Zustimmen ja...Ob die Umsetzung dann klapt werden wir sehen. Erst dann sieht man ob Sie wirklich fähig war oder das Volk einfach zu Dumm.
      3 6 Melden
  • Thinktank 31.07.2017 16:36
    Highlight Rücktritt abgelehnt. Sie muss bis 2050 bleiben und ihre Energiestrategie mitverantworten. Zudem soll sie miterleben, wie ihre fettwabernde SRG kastriert wird.
    18 71 Melden
    • Hugo Wottaupott 31.07.2017 17:16
      Highlight very amused! best comment!
      12 6 Melden
    • atomschlaf 31.07.2017 17:18
      Highlight Also ob nur Leuthard der SRG den Hof macht.
      Das tun fast alle Politiker(innen) von links bis rechts, weil sie Angst vor negativer oder (noch schlimmer!) zu wenig Berichterstattung über die Produkte ihrer jeweiligen Profilierungsneurosen haben.
      17 11 Melden
    • Fabio74 31.07.2017 18:17
      Highlight Wenn Bundesräte nur abtreten dürften wenn Dossiers geschlossen werden können, hätten wir Nordkoreanische Verhältnisse, wo Tote noch dort sitzen.
      Eine Strategie ist nun mal längerfristig und Politik muss über Legislaturperioden planen. Auch wenn das die wenigsten verstehen.
      10 5 Melden
  • Karl Müller 31.07.2017 16:16
    Highlight "Auch du, Doris!" ... ?

    Ich verstehe nicht - wen soll sie ermordet haben?
    47 7 Melden
  • Marshawn 31.07.2017 16:14
    Highlight Zuerst Burkhalter? Dann Delgado? Und jetzt auch noch Doris?!
    59 5 Melden
    • pachnota 31.07.2017 16:56
      Highlight Wovon Delgado mit Sicherheit, den größten Verlust darstellt.
      21 34 Melden
  • snowvirus 31.07.2017 16:14
    Highlight Das schönste Geschenk, das Doris-Warum-AKWs-bei-mir-kommt-der-Strom-für-den-Tesla-aus-der-Steckdose Leuthard der Eidgenossenschaft zum 726. Geburtstag machen konnte.
    31 114 Melden
  • Darkside 31.07.2017 16:13
    Highlight Beste Nachricht aus Bern seit der Abwahl des Herrliberger Mötzlis.
    36 89 Melden
    • supremewash 31.07.2017 17:43
      Highlight Naja, ob da von der CVP gescheitere Nachfolgekandidaten kommen werden?
      Als Mittepolitikerin werden wir sie im Bundeshaus noch vermissen.
      11 3 Melden
  • Chääschueche 31.07.2017 16:10
    Highlight Das sind gute Neuigkeiten.
    38 68 Melden

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