Schweiz

Attraktivität der Schweiz hat abgenommen

Asylbewerber machen einen Bogen um die Schweiz: Anderswo gibt es mehr Geld und bessere Chancen auf Aufnahme 

Der Flüchtlingsstrom nach Europa hält an – aber immer weniger wollen in die Schweiz. Andere Länder sind inzwischen attraktiver.

24.04.14, 10:19 24.04.14, 12:14
Gelöschter Benutzer

Praktikant Gesellschaft / Politik / Wirtschaft

Die Asylgesuche in der Schweiz haben im ersten Quartal 2014 stark abgenommen. Von 5759 auf 4898 Gesuche. Das ist ein Minus von 15 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Damit bestätigt sich ein Trend, der seit längerem anhält. 

Auf gesamteuropäischer Ebene geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung: 2013 nahmen die Asylgesuche laut Bundesamt für Migration (BFM) im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent zu. 2012 entfielen noch 8 Prozent aller Asylgesuche in Europa auf die Schweiz. Letztes Jahr waren es laut BFM nur noch 5 Prozent.

Anderswo haben Asylbewerber bessere Chancen

Die Schweiz wird zunehmend nur noch als Transitland genutzt oder gänzlich umgangen, um anderswo einen Asylantrag zu stellen. 

Dieser Trend hat mehrere Gründe: Fast aussichtslose Gesuche aus Ländern wie Marokko, Tunesien oder Nigeria werden beim BFM prioritär behandelt. Die Chancen auf einen längeren Aufenthalt werden damit kleiner. Dies spricht sich auch in den Herkunftsländern herum. 

Die meisten Asylanträge hat die Schweiz aktuell aus Syrien (1188 Personen). Syrer stellen aber vermehrt Gesuche in nordischen Staaten, da dort die Aufnahmepraxis liberaler ist und bereits eine grössere Gemeinschaft aus dem bürgerkriegsgeplagten Land besteht. 

Während Schweden in erster Instanz 40 Prozent aller Asylanträge angenommen hat, waren es in der Schweiz nur 26 Prozent. 

Keine grossen Sprünge mit 250 Franken

Auch was die finanzielle Unterstützung anbelangt, zeigen sich andere europäische Länder wesentlich grosszügiger. Im Kanton Zürich erhält ein Asylsuchender pro Tag 8.50 Franken in Migros-Gutscheinen, in anderen Kantonen gibt es leichte Abweichungen nach oben oder unten. Das entspricht monatlich rund 250 Franken. In Deutschland und Frankreich beträgt die monatliche finanzielle Unterstützung für Flüchtlinge über 400 Franken.

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 24.04.2014 19:09
    Highlight Europa wird noch über viele Jahre Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen müssen. Denn es wird viel Zeit in Anspruch nehmen, bis in afrikanischen Ländern und Ländern des Nahen Ostens verantwortungsbewusste und demokratische Regierungen die Ruder übernommen haben. Und die Politik Europas, mit subventionierten Gütern die Wirtschaft in diesen Ländern unten zu halten, trägt den Rest zu den Migrantenströmen bei.
    1 0 Melden
  • papparazzi 24.04.2014 18:12
    Highlight Endlich... wurde aber auch Zeit, schliesslich liegt ja das Geld nicht einfach auf der Strasse. ut (dp)
    3 0 Melden
  • Ruslan 24.04.2014 15:11
    Highlight CH ist nicht so gross
    3 0 Melden
  • Lumpirr01 24.04.2014 14:13
    Highlight Asylbewerber machen keinen Bogen um die Schweiz!

    Die Statistik sollte keine absoluten Zahlen zeigen, sondern relative Zahlen; sprich Anzahl Asylbesucher pro Einwohner.

    Dann wird erkenntlich, dass die Schweiz von allen gezeigten Ländern immer noch mit Abstand den grössten Wert hat.

    Da würde ich von watson eine etwas eine fairere Darstellung erwarten!
    6 1 Melden
    • Flash.74 24.04.2014 14:36
      Highlight Stimmt nicht.
      Schweden hat bei 9.517 Mio Einwohnern 54'300 Gesuche erhalten. Die Schweiz hat bei 7.997 Mio Einwohnern lediglich deren 19'400 Gesuche erhalten.
      Macht für Schweden 0.57% der Bevölkerung und bei der Schweiz 0.24% der Bevölkerung.
      Ausserdem werden in Schweden mit 39.3 % auch deutlich mehr Gesuche 1. instanzlich bewilligt im Vergleich zur Schweiz wo es 25.7% sind.
      Die Darstellung ist also durchaus fair. Aber der Betrachter muss es halt auch begreifen.
      Trotzdem kann man der Schweiz keinen Vorwurf machen. Es kann nicht unsere Aufgabe sein Wirtschaftsflüchtlinge zu versorgen. Sondern es geht um die Vertriebenen und daher stimmt mich die Quote von 25% in erster Instanz grundsätzlich zuversichtlich, dass die richtigen Massnahmen eingeleitet wurden.
      5 1 Melden
    • Kian 24.04.2014 15:46
      Highlight Die Asylbewerber machen doch einen Bogen um die Schweiz, weil a) die Gesuche in der Schweiz 2013 um ein Viertel zurückgingen und b) den Asylbewerbern die Bevölkerungszahl eines Ziellands egal ist. Bei der Anzahl bewilligter Gesuche ist ein Wert pro Einwohner sinnvoll, bei der Anzahl gestellter Gesuche nicht.
      4 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.04.2014 14:07
    Highlight chf 255.00 kann nicht stimmen, da fehlen nebenleistungen wie medizinische versorgung, zahnarzt, kleider, unterbringung etc. In F gibts z.b. nur notfallmedizin, nix mit neuem gebiss, neue kleider. Reklamiert jemand in der CH z.b. wegen kleidern aus der brocki gibts gutscheine fuer "gute jeans". In D beim "harz-satz" gibts auch quase keine extras/ausnahmen.
    2 0 Melden

Immer wieder krass: Diese Luftaufnahmen zeigen, wie ein Flüchtlingsproblem wirklich aussieht 

Im Mittelmeer soll sich erneut ein Flüchtlingsunglück mit vielen Toten ereignet haben. «Es sieht so aus, als seien Hunderte Menschen gestorben», sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella. Offiziell ist das noch nicht bestätigt. Fakt ist aber: Jeden Monat versuchen tausende Flüchtlinge aus Nordafrika und der Türkei mit Booten nach Europa zu gelangen. 2014 starben nach Angaben der International Organization for Migration (IOM) knapp 3300 Flüchtlinge auf See, 2015 …

Artikel lesen