Wirtschaft
ZUR VEREINBARUNG DER CREDIT SUISSE MIT DER FEDERAL HOUSING FINANCE AGENCY FHFA STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG, 21. MAERZ 2014, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Buildings of Credit Suisse bank in New York City, USA, pictured on August 7, 2009.  (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Gebaeude der Credit Suisse in New York City, USA, aufgenommen am 7. August 2009. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Bild: KEYSTONE

Interview mit Peter V. Kunz zur Credit Suisse

«Die Schweiz muss den Druck der USA ignorieren»

Der Berner Wirtschaftsrechtler Peter V. Kunz rät der Schweiz im Steuerstreit mit den USA zu Gelassenheit. Die mögliche Klage gegen die Credit Suisse werde aufgebauscht.

07.05.14, 08:17 07.05.14, 08:42

Die «Lex USA» hätte es den Banken ermöglicht, der US-Justiz Kundendaten zu liefern. Der Nationalrat hat sie 2013 versenkt. War dies angesichts des Drucks auf die Credit Suisse ein Fehler? 
Peter V. Kunz: 
Ich war einer der wenigen Befürworter der Lex USA in der Schweiz. Für die Credit Suisse aber wäre sie nicht in Frage gekommen. Die Lex USA galt nur für jene der rund 300 Schweizer Banken, die sich nicht bereits auf dem Radar der USA befanden. Sie hätte der CS nichts genützt, das Nein war keine verpasste Chance.

Warum?
Die Amerikaner waren nicht bereit, die CS und andere Banken der Kategorie 1 wie die Zürcher Kantonalbank oder Julius Bär in das Gesetz zu integrieren. Für die CS musste eine eigene Lösung gefunden werden. Sie war immer ein Sonderfall.

Der 49-jährige Peter V. Kunz ist Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Bild: François Gribi

Die Amerikaner verlangen aber, dass die CS die Namen ihrer steuerflüchtigen US-Kunden herausgibt. Wie soll dies sonst geschehen?
Die Lieferung der Kundendaten kann nur auf dem ordentlichen Weg via Amtshilfe erfolgen. Es ist die einzige juristisch korrekte Möglichkeit. Konkret über das neue Doppelbesteuerungsabkommen. Die Amerikaner müssten es endlich ratifizieren. 

«Eine Klage wäre schlimm und unangenehm, trotzdem steht Notrecht nicht zur Diskussion.»

Peter V. Kunz

Es wird derzeit viel über Notrecht spekuliert. Auf diesem Weg lieferte der Bundesrat 2009 die Namen der UBS-Kunden.
Diese Lieferung erfolgte in einem Grenzbereich. In der heutigen Phase wäre Notrecht schlicht illegal. Die Mutmassungen in den Medien sind interessant, aber es kommt juristisch nicht in Frage. Selbst wenn die CS in dieser Sache beim Bundesrat vorstellig wurde: Er kann es nicht tun.

Unter welchen Bedingungen könnte der Bundesrat zu Notrecht greifen?
Es gibt dafür zwei Voraussetzungen: Entweder liegt eine unvorhersehbare Situation vor oder ein Super-GAU für die Volkswirtschaft. Beides ist eindeutig nicht gegeben. Die Credit Suisse steckt seit zwei bis drei Jahren in diesem Schlamassel. Und für den Fall einer Klage in den USA haben die Bank und die Politik Notfallpläne erstellt. Eine Klage wäre schlimm und unangenehm, trotzdem steht Notrecht nicht zur Diskussion.

«Rund 15'000 Arbeitsplätze in den USA hängen von der Credit Suisse ab.» 

Peter V. Kunz

Was soll die Schweiz dann tun? 
Man muss den Druck der USA ignorieren. Die Sache wird aufgebauscht. Beim Senatshearing vom 26. Februar mussten nicht die Vertreter der CS am meisten Kritik einstecken, sondern jene des Justizministeriums. Es steht unter hohem innenpolitischen Druck und will deshalb Stärke zeigen. Dabei sind die Amerikaner selbst nicht an einer Anklage gegen eine systemrelevante Bank interessiert. Rund 15'000 Arbeitsplätze in den USA hängen von der Credit Suisse ab. Mit dem Getöse soll der Preis hinaufgetrieben werden.

Der Bundesrat soll also ruhig bleiben.
Natürlich horcht man auf, wenn eine Bundesrätin in die USA fliegt und sich mit dem Justizminister trifft. Sie wollte sicher nicht nur mit ihm Kaffee trinken, so gut ist der Kaffee dort bekanntlich nicht. Trotzdem, es braucht eine gewisse Gelassenheit, anders als bei der UBS vor fünf Jahren. Damals fiel die Schweiz auf einen Bluff herein.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 12.05.2014 21:52
    Highlight ... und weiter Schwarzgelder importieren oder was? ut (dp)
    1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.05.2014 08:55
    Highlight @Kari Metzger
    Mitteilungen an mich, die mit persönlichen Angriffen und Defamierungen gespickt sind, beantworte ich grundsätzlich nicht.
    Dies ist eine Diskussions-Platform, also werden Sie nicht persönlich!
    2 0 Melden
  • Horny 07.05.2014 10:41
    Highlight Endlich mal Jemand, der die Verhältnisse Sachlich ins rechte Licht rückt.
    3 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.05.2014 10:38
    Highlight Hoffentlich hat Widmer-Schlumpf nur Kaffee getrunken und nicht wieder ein Zugeständnis seitens der Schweiz gemacht.
    Wir sollten bei den Amis auch einmal die gleiche Vorgehensweise anwenden und denen eine Forderung entgegen stellen - Möglichkeiten gibt es immer.
    Leider ist unsere Regierung dermassen schwach und um jeden Preis auf Kompromisse eingestellt - und schlussendlich dies immer zu Ungunsten der Schweiz.
    Gescheiter wäre BR Burkhalter würde diese Gespräche mit den USA führen, Widmer-Schlumpf ist unfähig unser Land zu vertreten.
    5 0 Melden
    • Kari Metzger 07.05.2014 17:19
      Highlight Dann sagen Sie uns eine Forderung, die man den Amis entgegenstellen kann, gemäss Ihrer Schreiben gibt es immer Möglichkeiten. Sie sind ein ganz Schlauer und haben die Plaudereien der SVP Grössen, die an Realitätsverlust leiden, schön auswendig gelernt. Wann endlich hört unsere hochgelobte Finanzindustrie auf mit Bescheissen und Tricksen? Die einen verkünden noch hochnäsig, wie viele Millarden sie in Rückstellungen verschoben haben, um die Bussen in den USA begleichen zu können. Und Sie, lieber Trader glauben wohl, diese Bussen würden die Banken einfach so und freiwillig bezahlen. Diese Bussen wären noch viel höher, wenn nicht ständig jemand aus der Regierung um Vergleiche bemüht wäre!
      1 2 Melden
    • papparazzi 12.05.2014 21:54
      Highlight Ich bin auch dafür, dass die Schweizer endlich wieder mal selbstbewusster sind und auch dementsprechend auftreten! ut (dp)
      1 0 Melden

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