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Die andern. Die andern. kafi freitag

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Ich mache die Erfahrung, dass viele Gleichaltrige wie ich in dieser Welt gedankenlos konsumieren. 

Damit meine ich, dass Uber genutzt wird ohne sich Gedanken zu machen was dies für das Taxigeschäft heisst, dass für einen Wochenendtrip das Flugzeug genommen wird ohne an die Umwelt zu denken und so weiter. Dies macht mich nachdenklich ... Was denkst du darüber, wieso ist dies so? Olivia, 25



Liebe Olivia

Sie machen sich Gedanken darüber, dass andere sich zu wenig Gedanken machen. Das ist recht praktisch, denn so ist die Bilanz wieder ausgeglichen, nicht wahr? Wie kommen Sie aber eigentlich darauf, dass andere sich keine Gedanken machen? Können Sie Gedanken lesen und sind ständig mit leeren Gedankenblasen konfrontiert? Oder haben Sie diesen Eindruck im Gespräch gewonnen weil man Ihnen gegenüber gesagt hat, dass man sich dabei nichts denkt? Oder ist es einfach Ihr Eindruck, Ihr Vorurteil?

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, tippe ich mal auf letzteres. Wir Menschen sind wahnsinnig gut im Urteilen. Und noch besser im Vorverurteilen. In unseren Köpfen liegen immer schon ganze Antwortstränge parat, lange bevor wir mit der betreffenden Person geredet haben, über die wir diese Gedanken hegen. Das ist normal, ich kenne das auch. Aber es ist auch wahnsinnig doof. Und anmassend ist es auch. Weil man sich mit dieser Einstellung über alle anderen stellt und das Gefühl bekommen könnte, besser und schlauer und eben bewusster zu sein.

Vielleicht sollten Sie anfangen, sich weniger über andere Gedanken zu machen, liebe Olivia. Vielleicht sollten Sie anfangen, stattdessen auch mal Uber zu fahren. Sie könnten dabei herausfinden, dass viele Uberfahrer selber Taxifahrer sind, die im Nebenerwerb etwas dazu verdienen. Oder dass da ein Mensch am Steuer sitzt, der auf dem Arbeitsmarkt nichts finden konnte und sich nun über die persönlichen Kontakte und den finanziellen Zustupf freut, der ihm sonst fehlt. Über das Fliegen in einen anderen Ort könnte ich jetzt auch ein paar Beispiele bringen, aber ich denke, Sie haben das Konzept verstanden.

Wann immer wir uns über jemanden oder etwas übermässig ärgern, sollten wir uns mal eingehend fragen, was es mit uns selber zu tun hat. Menschen die uns mit ihrer Art oder ihrem Verhalten triggern, haben immer etwas, was wir selber auch haben und das uns an uns selber stört. Immer. Das kann nun entweder bedeuten, dass Sie in anderen Gebieten auch gedankenlos handeln oder aber dass Sie sich zu viele Gedanken machen und stattdessen eigentlich auch gerne mal für ein Wochenende nach London fliegen möchten. Es kann bedeuten, dass Sie neidisch sind auf den Freundeskreis, in dem das passiert oder auf sonst irgendwas. Was auch immer es ist: es ist einzig Ihr Thema und somit auch Ihr Problem.

Sie können sich entweder mit sich und eigenen Unzulänglichkeiten auseinandersetzen, oder wie es in der Schweiz sehr viele Menschen tun, im Bewerten und Verurteilen von anderen Menschen verharren und damit von sich selber ablenken. Ersteres ist anstrengender, ich weiss. Aber ich kann Ihnen auch aus persönlicher Erfahrung sagen wie wahnsinnig befreiend es ist, den Fokus von den anderen zu nehmen und sich mehr mit sich selber zu beschäftigen.

Ganz herzlich. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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