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PC Engine Core Grafx Mini im Test: Ein Meisterwerke aus Japan

Klein aber fein: Die PC Engine Core Grafx Mini hat viele Game-Klassiker aus Japan unter der Haube.
Klein aber fein: Die PC Engine Core Grafx Mini hat viele Game-Klassiker aus Japan unter der Haube.bild: zvg
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Warum diese Mini-Konsole aus Japan ein Traum für Retro-Gamer ist

Die PC Engine war Ende der 80er eine Exoten-Konsole, die uns neidisch nach Japan blicken lies. Mit der Mini-Konsole können wir endlich ein paar grossartige Meisterwerke nachholen und uns Videogame-Träume erfüllen.
19.01.2026, 20:1319.01.2026, 20:13

Während Nintendo und Sega vor allem in Europa und in den USA innig um die Vormacht stritten, erschien in Japan eine Videospielkonsole, die heimlich immer mehr Fans um sich scharen konnte.

Die PC Engine kam 1987 in Japan auf den Markt und sorgte mit ihren Grafik- und Soundmöglichkeiten für Aufsehen. Unter der Haube schlummerte ein 16-Bit-Prozessor, der dafür sorgte, dass die Grafikabteilung beeindruckende Videospielwelten auf den Bildschirm zaubern konnte.

Euphorische Werbung in Japan...

Viele Versionen und ein Handheld

1989 wurde die Konsole unter dem Namen TurboGrafx-16 auch auf den amerikanischen Markt geworfen, hatte gegen die starke Präsenz von Sega und Nintendo aber keine Chance. In Japan konnte die PC Engine weiterhin Erfolge feiern, blieb aber schliesslich dennoch hinter der Konkurrenz zurück.

Euphorische Werbung in den USA...

Hersteller NEC brachte im Laufe der Jahre immer weitere neue Versionen – u.a. auch mit CD-Rom-Hardware-Erweiterungen – auf den Markt, um die Käuferschaft von der neusten Technik zu überzeugen. Auch eine Handheld-Konsole (PC Engine GT oder TurboExpress in den USA) wurde 1990 entwickelt, die technisch gesehen der Konkurrenz weit überlegen war, aber auf dem Massenmarkt keine Chance hatte.

Ein Konsolen-Traum aus Japan

Die PC Engine mit all ihren Hardware- und Erweiterungs-Konsolen blieb eine Exoten-Konsole, die viele im Westen nur aus damaligen Fachzeitschriften kannten. Während sie in Japan in viele Haushalte einziehen durfte, blieb sie in unseren Breitengraden unbedeutend. Viele grossartige Spiele aus Japan kamen nie zu uns oder mussten über Umwege importiert werden.

Mit der Mini-Konsole, die bei uns bereits im Jahr 2020 bei exklusiven Online-Häusern und sogar in drei optisch unterschiedlichen Versionen erhältlich war, können diese Klassiker nachgeholt werden. Zumindest, wenn man überhaupt noch eine ergattern kann und willig ist, die sehr hohen Preise dafür zu bezahlen.

Die Verpackungsrückseite zeigt die Cover von über 50 Videospielen, die darauf warten gespielt zu werden.
Die Verpackungsrückseite zeigt die Cover von über 50 Videospielen, die darauf warten gespielt zu werden.bild: zvg

Das kleine Problem mit der Sprache

Über 50 Games sind auf der Mini-Konsole vorinstalliert und sofort spielbar. Es gibt eine englischsprachige und eine japanische Abteilung, wo alles in der Originalversion inklusive Ton und Schrift vorhanden ist. Das ist bei den meisten Spielen gar kein Problem, da sie selbsterklärend funktionieren, doch es gibt ein paar ärgerliche Ausnahmen, wo mit den Augen gerollt wird.

So ist beispielsweise das grossartige Cyberpunk-Drama «Snatcher» von Hideo Kojima nur in der japanischen Version vorhanden und nicht spielbar, wenn keine Sprachkenntnisse vorhanden sind. Auch bei einigen Rollenspielen wird es sehr schwierig, der Geschichte und der Spielmechanik zu folgen, wenn Japanisch eine Fremdsprache bleibt.

Der Controller liegt sehr gut in den Händen und das Kabel ist lang genug.
Der Controller liegt sehr gut in den Händen und das Kabel ist lang genug.bild: zvg

Zweckentsprechend aber gut

Die Menüführung und Einstellungsmöglichkeiten sowie diverse Grafikfilter für Retro-Flair sind wie bei anderen Mini-Konsolen zweckentsprechend und wurden ohne Schnickschnack eingebaut. Der Retro-Controller liegt erfreulicherweise sehr gut in den Händen und hat ein genügend langes Kabel, um es sich auf dem Sofa bequem zu machen. Bonusmaterial zu den einzelnen Videospielen sucht man übrigens vergeblich, was den Retrospass aber keineswegs beeinflusst.

Und hier nun 10 wirklich gute Gründe, warum die PC Engine Core Grafx Mini in den Game-Haushalt von Retroliebhabern gehört...

Viele Weltraumballereien

Wer auf schnelle und knackige 2D-Shooter steht und viel Arcade-Flair mag, kommt voll auf seine Kosten. Es gibt jede Menge legendäre Ballereien im Weltraum, wo wir von links nach rechts oder mal von unten nach oben mit Raumschiffen herumdüsen und alles wegknallen, was uns in den Weg fliegt. Egal ob «Gradius», «Salamander» oder «R-Type», es warten viele Klassiker darauf wiedermal ausprobiert zu werden und sein Reaktionsvermögen zu testen.

Ein Cyberpunk-Meisterwerk

«Snatcher» ist ein frühes Videospiel vom bekannten Game-Autor Hideo Kojima, das storytechnisch seiner Zeit voraus war. Der Cyberpunk-Thriller überzeugt auch heute noch durch seine fein herausgearbeitete Future-Welt und lässt uns tief in eine kuriose Sci-Fi-Umgebung eintauchen. Leider ist der Titel nur in der Japan-Version vorhanden, was bedingt, dass man dieser Sprache mächtig sein muss, um der Geschichte und der Spielmechanik richtig folgen zu können.

Ein ganz besonderes «Castlevania»

«Castlevania: Rondo of Blood» (Originaltitel: «Akumajou Dracula X Chi no Rondo») gilt als eines der besten «Castlevania»-Games aller Zeiten. Alleine das Intro, in dem mit deutscher Sprachausgabe eine besondere Atmosphäre gezaubert wird, ist sehenswert. Die grafische und auch musikalische Leistung ist heute noch ein Genuss und zieht den Gruselfan sofort in eine herrlich schaurige Spielwelt hinein.

Ordentlicher Retro-Horror

«Splatterhouse» führte damals schon bei der Spielhallen-Version für einen Aufschrei. Die explizite Pixel-Gewalt und Splattereinlagen waren nichts für zarte Gemüter. In einem heruntergekommenen Horrorhaus macht man sich auf die Suche nach seiner Liebsten und nimmt dabei ganz viele Monster auseinander während das Blut und Eingeweide nur so herumspritzen.

Rollenspiele der Extraklasse

Auf einer japanischen Konsole dürfen natürlich auch ein paar zünftige Rollenspiele nicht fehlen, wo wir alleine oder in der Gruppe durch niedliche und simpel gestaltete Welten wandern und dabei allerlei Abenteuer erleben. Vor allem «Neutopia», von dem Teil 1 und 2 spielbar sind, sticht dabei heraus und verzückt mit einem wunderschönen Artdesign und einer Geschichte mit ordentlichem Tiefgang.

Kunterbunte Hüpfspiele

Wie es sich für eine gute Retro-Konsole gehört, gibt es auch ein paar Plattformer, die ausprobiert oder nachgeholt werden wollen. «PC Genjin», «Bonk’s Revenge» oder «Air Zonk» laden ein, sich in eine kunterbunte Hüpfwelt zu begeben, wo einfache Spielmechanik auf ausgefallene Design-Ideen treffen. Da ist ganz viel Spielspass und Retro-Flair vorprogrammiert.

Ritter in Unterhose

«Ghouls`n Ghosts» (Originaltitel: «Daimakaimura») ist und bleibt ein Fest für Retroliebhaber, das aber mit seinem hohen Schwierigkeitsgrad ganz viele Nerven benötigt. Der Spielhallenklassiker überzeugt auch heute noch mit schaurig schöner Grafik, viel Humor und legendären Antagonisten, die unser Held schon mal in der Unterhose bodigen muss.

Bomben im Labyrinth

Die Videospielreihe «Bomberman» war damals in der Spielhalle ein ordentlicher Münzschlucker und sorgte für knackige Spielstunden. Gegnern ausweichen und regelmässig Bomben platzieren, um schliesslich den Ausgang zu erreichen, konnte schon mal sehr schweisstreibend werden.

Digitale Körperertüchtigung

Auch ein paar Sportspiele haben es in die Sammlung geschafft. Dabei sticht zwar keines wirklich heraus, sie sind aber allesamt aus historischer Sicht durchaus interessant, um sich einmal zu Gemüte zu führen, wie damals Sportversoftungen in Japan umgesetzt wurden. Vor allem «Appare! Gateball» muss man mit eigenen Augen gesehen haben.

Ganz schön schräge Sachen

Auch ziemlich ausgefallene Videospielideen mit schrägen Figuren und Inhalten haben es auf die Mini-Konsole geschafft. «J.J. & Jeff» ist beispielsweise so ein Titel, wo man sich ständig fragt, was hier genau eigentlich abgeht und welches denn nun das Ziel sein soll. Dieses abgedrehte Videospiel sollte man unbedingt erlebt haben.

Fazit: Shut up and take my money!

Schon Ende der 80er und Anfang der 90er schielte ich neidisch auf die PC Engine. Genau wie die Spielkonsole Neo Geo blieb sie aber ein Traum, eine Exoten-Maschine, die man nur mit ganz vielen Hürden und reichlich Geld in sein damaliges Jugendzimmer holen konnte.

Viele Spielperlen von damals haben den Weg nicht bis zu uns geschafft oder waren nur via Import erhältlich. Auch wenn man den einen oder anderen Titel heute via diverser Online-Dienste durchaus konsumieren kann, war bei mir schnell klar, dass ich diese besondere Mini-Konsole haben muss, wo bereits alle Klassiker darauf warten mit dem klassischen Controller nachgeholt zu werden. Da griff ich gerne ohne Bedenken tiefer in den Geldbeutel und zahlte mehrere Hundert Franken, um mir die volle japanische Retro-Dosis zu gönnen.

Wer ein besonderes Faible für kultige Weltraumballereien besitzt, wird den Controller nicht mehr so schnell aus den Händen geben. Dazu gesellen sich jede Menge tolle Rollenspiele und einzelne Vorzeigetitel, die auch heute noch ordentlich reinknallen und zeigen, was die japanische Videospiellandschaft damals Besonderes im Angebot hatte.

Bonuslevel: Retro-Werbung aus Japan...

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