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Grosser Wurf oder kolossaler Flop? Microsoft kauft für 70 Milliarden den Game-Konzern Activision Blizzard.
Grosser Wurf oder kolossaler Flop? Microsoft kauft für 70 Milliarden den Game-Konzern Activision Blizzard.Bild: keystone

Nokia, LinkedIn und nun Activision Blizzard: Das sind Microsofts teuerste Firmenübernahmen

Von Nokia über Skype bis LinkedIn: Die neun grössten Firmenübernahmen der Microsoft Corporation im Überblick.
19.01.2022, 20:1720.01.2022, 13:18

Es ist die mit Abstand grösste Übernahme in der Spielebranche: Am Dienstag wurde bekannt, dass Microsoft bereit ist, fast 70 Milliarden Dollar für Activision Blizzard hinzulegen. Der wegen Sexismus-Klagen höchst umstrittene Videospiel-Konzern mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien, ist zugleich die weitaus teuerste Firmenübernahme des Windows-Konzerns. Für LinkedIn beispielsweise berappte Microsoft 2016 rund 26 Milliarden Dollar.

Welche Dimension die Übernahme hat, zeigt der folgende Vergleich: Vor wenigen Tagen übernahm Take Two, Publisher des Videospiel-Bestsellers «Grand Theft Auto», den Browsergame-Anbieter Zynga für zwölf Milliarden Dollar. Der Zukauf galt bislang als grösste Übernahme in der Spielebranche.

Nicht immer hatte Microsoft in der Vergangenheit bei seinen Einkaufstouren ein glückliches Händchen. Gleich mehrere Übernahmen endeten mit milliardenschweren Abschreibern. Andere entpuppten sich als Volltreffer.

Die wichtigsten Firmenübernahmen von Microsoft von 2007 bis heute in der Übersicht:

Mojang (2014): 2.5 Milliarden Dollar

2014 übernahm Microsoft den «Minecraft»-Entwickler Mojang für 2.5 Milliarden US-Dollar. «Sind die noch ganz dicht?», hallte es da durchs Netz. 2,5 Milliarden für ein Spiel? Inzwischen gilt «Minecraft» als das meistverkaufte Videospiel der Welt mit 238 Millionen Verkäufen (Stand Oktober 2021).

Da das Open-World-Spiel seit zehn Jahren ein konstanter Verkaufsschlager ist, hat Microsoft offenbar einen guten Riecher bewiesen.

Seit ihrem Rücktritt als Bundeskanzlerin hat Angela Merkel vielleicht mehr Zeit für «Minecraft» ;)
Seit ihrem Rücktritt als Bundeskanzlerin hat Angela Merkel vielleicht mehr Zeit für «Minecraft» ;) Bild: AP/AP

Aquantive (2007): 6 Milliarden

2007 schnappte sich Microsoft für 6 Milliarden Dollar den Werbevermarkter Aquantive. Damit wollte man Google Paroli bieten. 2012 folgte die Mitteilung, dass man rund 6 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit der Übernahme abschreibt. Microsoft ist weiterhin im Werbemarkt tätig, aber im Vergleich zu Google und Facebook ein kleiner Fisch.

Nokia (2013): 7.2 Milliarden

Bild: AP/AP

2013 verleibte sich Microsoft die Handysparte von Nokia ein. Mit dem Deal, der 7.2 Milliarden Dollar kostete, wollte Microsoft seinem Mobile-Betriebssystem Windows Phone zum Durchbruch verhelfen. Der Plan scheiterte und gilt bis heute als eine der grössten Schlappen des Konzerns. 2015 zog Microsoft einen Schlussstrich unter das Nokia-Abenteuer und schrieb über 7 Milliarden Dollar ab. Tausende ehemalige Nokia-Angestellte verloren ihre Jobs.

Bethesda / Zenimax Media (2020): 7.5 Milliarden

Durch die Akquise von Zenimax sicherte sich Microsoft u.a. die Rechte an «The Elder Scrolls».
Durch die Akquise von Zenimax sicherte sich Microsoft u.a. die Rechte an «The Elder Scrolls».Bild: Microsoft / Bethesda

Vor zwei Jahren stärkte Microsoft seine Gaming-Sparte mit der 7.5 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Spieleentwicklers und Publishers Bethesda. Seitdem kann Microsoft Spielehits wie «Doom», «Fallout», «The Elder Scrolls» und viele andere in seinem Spiele-Abo «Game Pass» anbieten. Inzwischen nutzen 25 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten für 12 bis 15 Franken pro Monat diese Spiele-Flatrate für PC, Xbox und mobile Geräte.

Ob der Game Pass je einen Profit abwerfen wird, steht in den Sternen, aber Microsoft ist offenbar überzeugt davon und investiert weiter Milliarden in den Ausbau des Angebots, das nebst eigenen Titeln auch Spiele von Electronic Arts umfasst. Mit den neusten Hits von Bethesda und nun Activision Blizzard könnte der Plan aufgehen.

Microsofts Game-Imperium

Mit Activision Blizzard kommt eine Reihe weiterer Game-Studios unter das Xbox-Dach.
Mit Activision Blizzard kommt eine Reihe weiterer Game-Studios unter das Xbox-Dach.

GitHub (2018): 7.5 Milliarden

Zur aktuellen Strategie von Microsoft zählt der Fokus auf Open Source. 2018 kauften die Redmonder daher die Softwareentwicklungs-Plattform GitHub für 7.5 Milliarden US-Dollar. Auf einen Schlag gehörte die grösste Plattform zur gemeinschaftlichen Verwaltung und Entwicklung von Open-Source-Software zum Windows-Konzern.

Microsoft-Chef Satya Nadella umgarnt die Entwickler-Community.
Microsoft-Chef Satya Nadella umgarnt die Entwickler-Community.

Mit der Übernahme kann der Softwarekonzern die Entwickler-Community stärker an sich binden. Ein Ziel ist, die Microsoft-Entwicklerwerkzeuge in neuen Zielgruppen zu verbreiten. Für Microsoft sind also vor allem die Millionen Kunden von Github interessant.

Skype (2011): 8.5 Milliarden

Skype vereint Bildtelefonie, Videokonferenzen, IP-Telefonie, Instant-Messaging, Dateiübertragung und Screen-Sharing.
Skype vereint Bildtelefonie, Videokonferenzen, IP-Telefonie, Instant-Messaging, Dateiübertragung und Screen-Sharing.Bild: EPA

2011 war auch Google an Skype interessiert, aber Microsoft legte 8.5 Milliarden auf den Tisch und bekam den Zuschlag. Damals war Skype in aller Munde, der Duden nahm sogar das Wort «skypen» auf. Doch rasch liefen WhatsApp, Facetime und Co. Skype den Rang ab.

In der Corona-Krise und dem damit einhergehenden Homeoffice-Boom blieb Skype weit hinter Zoom zurück. 2021 stellte Microsoft Skype for Business Online ein und forderte Firmenkunden dazu auf, zur moderneren Alternative Microsoft Teams zu wechseln.

Nuance Communications (2021): 19.7 Milliarden

Im letzten Jahr stemmte Microsoft mit dem Zukauf von Nuance für fast 20 Milliarden Dollar eine seiner grössten Firmenübernahmen. Der KI-Spezialist Nuance ist vor allem für seine Spracherkennungstechnologie bekannt, auf deren Basis unter anderem Apple seine Sprachassistentin Siri aufgebaut hat.

Inzwischen hat sich die Firma zum Ziel gesetzt, mithilfe von KI-basierter Spracherkennung die medizinische Dokumentation neu zu gestalten. Ärztinnen und Ärzte sollen so Fälle zeit- und ortsunabhängig erfassen können. Bereits jetzt nutzen Microsoft zufolge 77 Prozent aller US-Spitäler Nuance-Software. Mit dem Zukauf will Microsoft sein speziell auf den Gesundheitssektor ausgerichtetes Cloud-Angebot stärken.

LinkedIn (2016): 26.2 Milliarden

Bei LinkedIn können sich Nutzer in beruflichen Profilen präsentieren, nach neuen Jobs Ausschau halten und mit anderen Mitgliedern vernetzen und kommunizieren.
Bei LinkedIn können sich Nutzer in beruflichen Profilen präsentieren, nach neuen Jobs Ausschau halten und mit anderen Mitgliedern vernetzen und kommunizieren.Bild: EPA/EPA

Das Karrierenetzwerk LinkedIn war Microsoft 2016 über 26 Milliarden Dollar wert. 2016 hatte LinkedIn gut 400 Millionen User, inzwischen sind es beinahe 800 Millionen. Mit der Übernahme sicherte sich Microsoft einen gewaltigen Datenschatz. Das Karrierenetzwerk wird denn auch als Plattform für Werbekunden immer wichtiger.

Software-Anbieter-Microsoft kann LinkedIn aber auch als Marketing-Kanal für seine eigenen Produkte nutzen, etwa durch gezielte Abo-Angebote für seine Cloud- und Office-Produkte, die mithilfe der LinkedIn-User-Daten zusammengestellt werden.

Seit Microsoft LinkedIn übernommen hat, hat sich der Umsatz fast verdreifacht. Das Karrierenetzwerk dürfte in den kommenden Jahren kontinuierlich zum Gewinn von Microsoft beitragen.

Umsatzentwicklung: LinkedIn entwickelt sich ganz im Sinne von Microsoft.
Umsatzentwicklung: LinkedIn entwickelt sich ganz im Sinne von Microsoft.grafik: geekwire
  • 790 Millionen Menschen nutzen LinkedIn weltweit
  • 17 Millionen User in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • 77 Bewerbungen werden auf LinkedIn pro Sekunde eingereicht
  • 45 Millionen Menschen nutzen jede Woche LinkedIn für die Suche nach neuen Jobs
  • 57 Millionen Marken und Unternehmen haben ihre eigene LinkedIn-Präsenz

Activision Blizzard (2022): 68.7 Milliarden

Eine kalifornische Behörde verklagte Blizzard 2021: Es geht um Diskriminierung am Arbeitsplatz, ungleiche Aufstiegschancen, aber auch um sexuelle Belästigung.
Eine kalifornische Behörde verklagte Blizzard 2021: Es geht um Diskriminierung am Arbeitsplatz, ungleiche Aufstiegschancen, aber auch um sexuelle Belästigung.Bild: Olaf Bleich

Microsoft kauft regelmässig Game-Studios hinzu, aber noch nie in dieser Grössenordnung: Für den Kauf von Zenimax Media, dem Spielehits wie «Doom», «Fallout» oder «The Elder Scrolls» gehören, legte der Xbox-Konzern 2020 rund 7.5 Milliarden Dollar auf den Tisch. Bei Activision Blizzard sind es gut neunmal mehr. Der Deal soll die Xbox-Verkäufe ankurbeln und Microsofts Spiele-Abo «Game Pass» weitere Kunden zuführen.

Ein anderer Grund für den exorbitanten Kaufpreis: Zu Activision Blizzard gehört nebst populären Marken wie «Call of Duty» und «Diablo» auch der Mobile-Games-Spezialist King Digital Entertainment. Dieser setzt mit Handy-Games wie «Candy Crush» ein Vermögen um.

«Microsoft kauft neben diesen Marken auch die Mobilkompetenz von King», analysiert das deutsche Techportal Heise den Deal. Mit deren Hilfe könne Microsoft auch die Eigenmarken, die bislang auf den Mobilplattformen kaum stattgefunden hätten, für Handys und Tablets veröffentlichen.

«Mit tollen Teams und toller Technik werden Activision Blizzard und Microsoft es Spielerinnen und Spielern ermöglichen, Marken wie ‹Halo› und ‹Warcraft› praktisch überall zu erleben», schreibt Microsoft. Für den auf PCs und Konsolen fokussierten Konzern tut sich ein gigantischer Markt auf.

Offen bleibt die Frage, ob Microsoft den in Sexismus-Skandale verstrickten Game-Konzern in neue Bahnen lenkt und der Besitzerwechsel einen grundlegenden Kulturwandel nach sich zieht.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rocky Balboa
19.01.2022 22:06registriert Dezember 2020
Passt zwar nicht ganz zum Thema, aber von allen Datensammlern vertraue ich Microsoft am meisten. Microsoft hat aus seinen früheren Fehlern gelernt. Seinen schlechten Ruf hat es immer noch. Das werden wir hier sicher noch in den Kommentaren feststellen. Schade hat es mit Microsoft Phone nicht geklappt.
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