Frankreich
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
French President Francois Hollande waves as he enters his car at the Arc de Triomphe after the Armistice Day ceremonies marking the end of World War I, in Paris, France, Tuesday, Nov. 11, 2014. The Armistice Day is commemorated every year on Nov. 11 to mark the armistice signed between the allies of World War I and Germany to end the war. (AP Photo/Francois Mori, pool)

Frankreichs Präsident François Hollande will seine Reichensteuer nicht verlängern. Bild: Francois Mori/AP/KEYSTONE

75 Prozent ab einer Million

Frankreich sagt «Adieu» zur Reichensteuer

Die umstrittenste Steuer unseres Nachbars gilt seit Jahresbeginn nicht mehr. Dass Hollande die Steuer nicht verlängert, ist Teil seines Richtungswechsels.



Wirklich leicht hatte es der französische Präsident François Hollande nicht. Als er im Wahlkampf die «Reichensteuer» ankündigte, erntete er auch parteiintern scharfe Kritik. Sein heutiger Wirtschaftsminister, Emmanuel Macron, bezeichnete Frankreich wegen der Reichensteuer gar als «Kuba, nur ohne Sonne». Der Grund: Wegen der 75-prozentigen Besteuerung von Einkommen ab einer Million drohten viele Franzosen, das Land zu verlassen.

Und tatsächlich machten viele ihre Drohung wahr: So liess sich der bekannte französische Schauspieler Gérard Depardieu in Russland einbürgern. Fussballclubs und ihre Spieler streikten gegen die Reichensteuer. Und wofür? Für rund 420 Millionen Euro Steuereinnahmen, wie die Regierung jüngst geschätzt hat. Verteilt über zwei Jahre.

Nur rund 470 Unternehmen haben für etwa 1000 Angestellten die Reichensteuer abgedrückt. Die effektive Steuer betrug dabei lediglich 50 Prozent, weil der Arbeitgeber die Sozialabgaben von 25 Prozent abziehen konnten. Internationale Unternehmen fanden zudem Wege, die Steuer durch die Zahlung der Löhne im Ausland zu umgehen.

Steuer hatte Ablaufdatum

François Hollande führte 2012 die «Reichensteuer» ein und setzte damit eines seiner umstrittensten Wahlversprechen um. Die Steuer war indes auf zwei Jahre beschränkt. Im Oktober des letzten Jahres kündigte Frankreichs Premierminister Manuel Valls jedoch an, dass die Steuer nicht verlängert werde. 

Dass die Steuer nicht weitergeführt wird, sorgt derweil für weitere parteiinterne Kritik gegen Hollande. Der linke Flügel seiner Partei wirft ihm einen «krassen Verrat sozialistischer Ideale» vor. Hollande scheint dies hingegen nicht zu kümmern. Anfang 2014 kündigte er mit seinem «Verantwortungspakt» eine weitere Kehrtwende in Richtung liberaler Wirtschaftspolitik an. 

Dieser fordert in erster Linie die Senkung der Lohnnebenkosten. Allein 30 bis 35 Milliarden Euro sollen die Unternehmen bei den Sozialabgaben einsparen, dadurch, dass bis 2017 die Unterstützung für Familien nicht mehr von den Firmen finanziert wird. 

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Banksy 02.01.2015 16:07
    Highlight Highlight Wollen wir nur hoffen, dass in 2 Jahren nicht Marine le Pen, u.a. dank Hollandes Unvermögen, die Macht ergreifen wird.
  • Cox 02.01.2015 14:36
    Highlight Highlight Ich habe noch nie verstanden, was daran "gerecht" sein soll, wenn reiche absolut und relativ mehr Steuern bezahlen.
  • Jol Bear 02.01.2015 13:31
    Highlight Highlight Das Problem der Sozialisten ist, dass sie keine Grenzen kennen, wenn sie von ihren Feindbildern, erfolgreichen Unternehmen und Reichen, Geld abkassieren. Wird die Grenze überschritten, dann wenn die Feinde abwandern oder kaum mehr zu versteuernde Gewinne machen, dann stehen sie mit leeren Händen da. Das begehrte Geld der andern fehlt dann plötzlich. Ein klassischer Fall vom Absägen des Astes, auf dem man selber sitzt.
  • pun 02.01.2015 12:52
    Highlight Highlight "Knickknack" macht das zarte Ästchen der sozialistischen Versprechen im harschen neoliberalen Gegenwind. - obwohl es genügend Gründe gäbe, sich eben von der neoliberalen Politik abzuwenden und ein sinnvolles Programm durchzusetzen.
    Ich weiss noch, wie viel Hoffnung dem Hollande entgegengebracht wurde von seinen jungen linken Parteianhängern - aber wiedermal vergebene Liebsmüh'. Jetzt erleben wir dafür den Selbstmord der französischen sozialistischen Partei.
    • tinette 02.01.2015 14:33
      Highlight Highlight Die Wahl Hollandes war eine Abrechnung mit Sarkozy. Mehr aber auch nicht. Und siehe da... schneller als gedachte sackten seine Umfrageergebnisse in den Keller, die radikale Rechte erhielt auftrieb. Warum... weil das Wohl der Leute eben nicht vom Staat sondern von der Wirtschaft abhängt, sprich von ihren Arbeitsplätzen. Diese zu erhalten und dafür zu sorgen, dass es mehr davon gibt, wäre die Aufgabe gewesen. Aber Monsieur Hollande konzentrierte sich lieber auf eine Neidpolitik. Sh*t happens!

Analyse

Die SwissCovid-App hat bereits über 1,85 Millionen Downloads – doch die EU blockt

Das Bundesamt für Gesundheit gibt sich trotz stagnierender Nutzerzahlen optimistisch. Und auch von der technischen «Front» gibt es positive Neuigkeiten. Hingegen lässt die EU-Kommission die Schweiz auflaufen.

Im Nachhinein ist man immer klüger.

Das gilt speziell auch für ein neuartiges IT-Grossprojekt wie die Schweizer Corona-Warn-App, SwissCovid.

Auch Deutschland hat eine solche Tracing-App, die wie das Schweizer Pendant auf technischen Schnittstellen aufbaut, die Apple und Google in ihre mobilen Betriebssysteme iOS (iPhone) und Android implementiert haben.

Die Deutschen konnten trotz turbulenter Anfangsphase ihre App früher in die App-Stores bringen als die Schweizer. Und sie haben sich im Gegensatz …

Artikel lesen
Link zum Artikel