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Europa kämpft gegen Antisemitismus

«Wir wären nicht mehr dieselben ohne jüdische Gemeinde»



Nach den Anschlägen in Paris und Kopenhagen haben die Regierungen Dänemarks, Deutschlands und Frankreichs den Schutz von Jüdinnen und Juden in ihrem Land bekräftigt.

Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt rief die Juden nach den Anschlägen in Kopenhagen eindringlich auf, ihre dänische Heimat nicht zu verlassen. «Wir wären nicht mehr dieselben ohne jüdische Gemeinde», sagte Thorning-Schmidt am Montag. Seit Jahrhunderten gebe es die jüdische Gemeinde im Land, sie «gehört nach Dänemark, sie ist Teil der dänischen Gemeinde».

(FILES) File photo of the Synagoge in Krystalgade in Copenhagen in April 2007. One person was shot in the head and two policemen were shot in the arm and leg on February 15, 2015 in Krystalgade, a street that is home to Copenhagen's main synagogue. It was not confirmed if the incident was related to Saturday's deadly shooting at a cultural centre in Copenhagen where a debate on Islam and free speech was being held.   FILES / AFP PHOTO / SCANPIX DENMARK / LISELOTTE SABROE +++ DENMARK OUT +++

Synagoge in Kopenhagen. Bild: SCANPIX DENMARK

Ein 22-Jähriger hatte am Wochenende bei Angriffen auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge zwei Menschen erschossen und fünf Polizisten verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Unter den Todesopfern ist ein 37-jähriger jüdischer Wächter der Synagoge. Als Reaktion hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Europas Juden am Sonntag erneut aufgerufen, nach Israel auszuwandern.

«Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben.»

Kanzlerin Angela Merkel

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagte am Montag in Berlin, die Bundesregierung, die Landesregierungen und alle Verantwortlichen in Deutschland würden alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Einrichtungen und der Bürgerinnern und Bürger jüdischer Herkunft gewährleistet werde. «Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben», sagte die Kanzlerin.

Nach den Anschlägen in Kopenhagen fürchten die Juden in Deutschland um ihre Sicherheit. Der Zentralrat der Juden rief die Behörden zu Wachsamkeit auf und verlangte, den Schutz jüdischer Einrichtungen zu überprüfen.

Umfassender Schutz verlangt

Der Präsident des Zentralrats der deutschen Juden, Josef Schuster, sagte zu seiner Forderung nach einem umfassenden Schutz jüdischer Einrichtungen: «Unter dieser Voraussetzung ist jüdisches Leben auch in Deutschland weiterhin möglich.»

Children and grownups celebrate Purim in the Wiedikon district of Zurich, Switzerland, pictured on March 10, 2009. Purim is a festival commemorating the deliverance of the Jewish people from the threat of annihilation in the ancient Persian Empire. During the festival processions take place with people dressing up in masks and costumes, all in an exuberant mood. Gifts and sweets constitute an essential part of Purim as well. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella) 

Kinder und Erwachsene feiern im Stadtviertel Wiedikon in Zuerich das Purimfest, aufgenommen am 10. Maerz 2009. Purim ist ein Fest, das an die Errettung des juedischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen Diaspora erinnert. Im Mittelpunkt steht das Verkleiden mit bunten Trachten und das Veranstalten von Umzuegen. Die Stimmung ist ausgelassen. Es werden Geschenke ausgetauscht und große Mengen hauptsaechlich suesser Festspeisen verzehrt. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Purim-Fest in Wiedikon ZH: Jüdische Verbände in der Schweiz warnen vor Anstieg antisemitisch motivierter Gewalt. Bild: KEYSTONE

Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Plattform der Liberalen Juden der Schweiz (PLJS) schreiben von einem massiven Anstieg antisemitisch motivierter Gewalttaten und Drohungen in Europa. Sie gingen davon aus, dass die Behörden die notwendigen Massnahmen treffen würden, um die Sicherheit der Jüdinnen und Juden in der Schweiz zu garantieren.

Appell in Frankreich

Auch Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls appellierte an die Jüdinnen und Juden, in Frankreich zu bleiben. «Frankreich ist genauso verletzt wie Ihr es seid, und Frankreich wünscht nicht, dass Ihr das Land verlasst.» Frankreichs Präsident François Hollande sagte am gleichen Tag, die Juden hätten «ihren Platz in Europa und besonders in Frankreich».

Police officers investigate the site of defaced tombstones at the Jewish cemetery of Sarre-Union, eastern France, Monday, Feb. 16, 2015. Hundreds of graves have been vandalized at a Jewish cemetery in eastern France, in what the president called an

Jüngste Untat in Frankreich: Verwüstung eines jüdischen Friedhofs. Bild: Christian Lutz/AP/KEYSTONE

Netanjahu hatte bereits nach den jüngsten Angriffen auf Juden und jüdische Einrichtungen in Frankreich zur Auswanderung nach Israel ermuntert. Nach den tödlichen Attacken in Kopenhagen erneuerte er diesen Appell.

Mehr Übergriffe - mehr Auswanderung?

In den vergangenen Jahren nahmen vor allem in Frankreich judenfeindliche Angriffe deutlich zu; im Jahr 2014 wurden doppelt so viele antisemitische Straftaten wie im Vorjahr registriert. In Frankreich lebt die grösste jüdische Gemeinde Europas, rund 600'000 Menschen.

Auch beim Gaza-Krieg im Sommer mischten sich Antisemiten unter die Demonstranten, die gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen protestierten.  (kad/sda/reu/afp/dpa)

Rekordzahl bei Einwanderern in Israel

Die Zahl jüdischer Einwanderer nach Israel erreichte 2014 ein Zehnjahreshoch. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr rund 26'500 Juden nach Israel, wie die Einwanderungsorganisation Jewish Agency am Montag bestätigte. Im Jahr zuvor seien es rund 20'000 gewesen. 2014 betrug die Zahl der nach Israel emigrierten französischen Staatsbürger rund 7000 im Vergleich zu rund 3400 Personen im Jahr davor. Aus der Ukraine wanderten 5840 Menschen aus (2013: 2020), aus Russland waren es 4830 (4640) und aus den USA 3870 (3200).

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