Nicht nur Trump spinnt
Kürzlich geriet der FBI-Direktor Kash Patel in Panik. Wie das Magazin «The Atlantic» berichtet, konnte er sich kurzzeitig nicht mehr in das interne Computersystem einloggen und war deshalb überzeugt, gefeuert worden zu sein. Der Chef von 38'000 Mitarbeitern telefonierte wie wild herum und machte halb Washington wahnsinnig, bevor er realisierte, dass es sich um ein technisches Problem gehandelt hatte.
Nicht, dass es nicht mehr als genügend Gründe gäbe, Patel seines Amtes zu entheben. Er ist dafür weder fachlich noch politisch qualifiziert. Aufgefallen ist er ursprünglich als Mitarbeiter von Devin Nunes, einem Trump-hörigen ehemaligen Abgeordneten. Trotz grosser Bedenken hievte der Präsident Patel in das wichtige Amt, vor allem, weil dieser versprochen hatte, Trumps Gegner mit Strafuntersuchungen zu überziehen.
Erfolglos gibt sich Patel seither Mühe, diesem Herzensanliegen des Präsidenten nachzukommen. Er scheiterte sowohl im Fall des ehemaligen FBI-Direktors James Comey als auch bei der Generalstaatsanwältin von New York, Letitia James, und bei Adam Schiff, einem Senator aus Kalifornien.
Aufgefallen ist Patel hingegen durch seine Prahl- und Trunksucht. Immer wieder müssen FBI-Beamte ihren Chef stockbetrunken aus dem Bett holen. Gemäss «Atlantic» mussten sie einst gar die Tür seiner Wohnung aufbrechen, um den komatösen Boss aufzuwecken. «Einige von Patels Kollegen befürchten, dass dessen persönliches Verhalten zu einem Sicherheitsrisiko geworden ist», so der «Atlantic».
Das FBI und das Weisse Haus dementieren selbstredend. Nicht abstreiten können sie jedoch die Tatsache, dass Patel schon mehrmals frühzeitig Erfolge vermeldet hatte, so etwa beim Attentat auf Charlie Kirk. Eigentlich führt so etwas zu einer fristlosen Entlassung. Patel hingegen entlässt seinerseits fleissig FBI-Beamte, die in die Untersuchungen gegen Trump involviert waren. So dummerweise auch eine auf den Iran spezialisierte Truppe. Dies geschah kurz vor dem Angriff auf Teheran.
Schliesslich sind auch die Prunksucht und die Eitelkeit Patels notorisch. Er lässt seine Freundin im Privatjet der Regierung einfliegen und weigert sich seinerseits, diesen Jet zu verlassen, bis ihm die passende Uniform zur Verfügung steht.
Was Inkompetenz betrifft, steht Pete Hegseth dem FBI-Chef in nichts nach. Der Verteidigungs-, pardon, Kriegsminister brachte es als aktiver Soldat gerade mal zum Rang eines Majors. Das hat ihn nicht daran gehindert, im vergangenen Jahr die 800 ranghöchsten, rund um den Erdball verteilten Militärs in die USA zurückzubeordern – ein milliardenteures, höchst komplexes Unterfangen –, nur um ihnen mitzuteilen, sie seien zu dick und sollten doch bitte keine Bärte tragen.
Wie Patel hat oder hatte auch Hegseth ein ernstes Alkoholproblem. Anders als der indischstämmige FBI-Direktor ist er jedoch ein fanatischer, fundamentalistischer Christ. Deshalb lässt er regelmässig von einem evangelikalen Priester Gottesdienste durchführen. Er selbst hat sich dabei ebenfalls als Prediger versucht und dabei deklariert:
«Ich will, erfüllt mit Rache und mit furioser Wut, diejenigen niedermachen, die versuchen, meine Brüder zu zerstören. Und du wirst wissen, dass ich Gott bin, wenn ich dich mit Rache überziehe.»
Peinlicherweise stammt dieser Text nicht, wie Hegseth fälschlicherweise annahm, aus der Bibel, sondern aus «Pulp Fiction», dem Kultfilm von Quentin Tarantino. Dort äussert ein Mafioso diesen Satz, der im Begriff ist, einen Geschäftspartner zu erschiessen.
Trump selbst soll ebenfalls zwischen Grössenwahn und panischer Angst schwanken. So berichtet das «Wall Street Journal», dass der Präsident stundenlang herumgetobt hatte, nachdem er vom Abschuss zweier amerikanischer Piloten erfahren hatte. «Wisst ihr nicht, wie es Jimmy Carter mit den zerstörten Helikoptern und den Geiseln ergangen ist?», soll Trump geschrien haben.
Für die Jüngeren unter euch: 1979 scheiterte der Versuch einer amerikanischen Elitetruppe, in einer Spezialoperation die in Teheran festgehaltenen Geiseln zu befreien. Das war mit ein Grund, weshalb Carter danach die Wahlen gegen Ronald Reagan verlor.
Trump neigt ebenfalls zu Paranoia. So lässt er in Mar-a-Lago die Sonnenschirme auch nachts aufgespannt, weil er sich vor einem Drohnen-Angriff fürchtet. In der manischen Phase hingegen wähnt sich Trump unbesiegbar. Gemäss dem «Wall Street Journal» soll er gar erwogen haben, sich selbst die Medal of Honor, die höchste militärische Auszeichnung zu verleihen. Als Grund soll er angegeben haben, in seiner ersten Amtszeit eine gefährliche Nachtlandung im Irak überlebt zu haben. (Kein Witz)
John Gartner ist Professor für Psychologie an der John Hopkins University und Spezialist für Borderline-Fälle. Seit einiger Zeit hat er Trump als pathologischen Narzissten diagnostiziert und bei ihm Anzeichen einer Frontlappen-Demenz festgestellt. Nach der Jesus- und Papst-Affäre geht Gartner einen Schritt weiter. In einem Podcast mit Joanna Coles vom Daily Beast erklärt er jetzt: «Der Präsident ist im medizinischen Sinn psychotisch geworden.»
Um seine These zu beweisen, führt Gartner eine Reihe von Symptomen an: Der Präsident brabbelt unverständlich. Er hält sich für Jesus. Er verbreitet nächtelang irre Posts. Er kann keine kohärente Argumentation für den Iran-Krieg liefern. Er hält sich für den Präsidenten von Venezuela und gar für den Ayatollah des Iran. Überall will er seinen Namen anbringen lassen. Gartner vergleicht Trump gar mit Hitler in seinem Berliner Bunker in den letzten Tagen. «Auch Trump will die Welt mit in den Abgrund ziehen», so Gartner. Das Fazit des renommierten Psychologen ist unzweideutig und erschreckend: «Unser Präsident ist jetzt völlig durchgeknallt (stark, raving mad).»
