Fall Patrick Fischer: Jetzt gerät die nächste Person in den Fokus
Der Fall Patrick Fischer ist noch lange nicht auserzählt. Dies wurde am Dienstagabend in der Sendung SRF-Club klar. Denn nun müssen weitere Personen im Umfeld Fischer ihr Verhalten erklären.
Zunächst wurde in der Club-Sendung abgefragt, wie die Teilnehmenden zur Entlassung Fischers stehen. Klaus Zaugg, der bei watson die Eismeister-Kolumne schreibt, findet den Fall «aufgebauscht». Fischer sei verurteilt worden und habe seine Busse bezahlt, das reiche.
Ähnlich sieht es Alex Chatelain, Experte bei MySports. Der ehemalige Spieler stellte in Frage, ob die getroffenen Massnahmen – sprich die Entlassung – verhältnismässig seien.
Anderer Meinung ist da Steffi Buchli. Sie kann die Entlassung nachvollziehen. «Wo kommen wir hin, wenn das okay ist?», so Buchli. Fischer habe mit seinem Verhalten die ganze Olympia-Mission 2022 in Gefahr gebracht. «Er ist ein hochbezahlter Arbeitnehmer. Wenn man jemandem so viel Geld bezahlt, kann man erwarten, dass er nicht lügt und keine Gesetzesbrüche macht.»
Auch der Swiss-Olympic-Direktor «unterstützt» die Entlassung Fischers. «Das war nicht einfach ein Gentleman-Vergehen», so Roger Schnegg. «Gerade Fischer, der sehr stark für seine Werte eingetreten ist, ist für sich selbst, aber auch für das Team und die ganze Schweizer Delegation ein grosses Risiko eingegangen.» Man habe von Swiss Olympic aber keinen Druck auf den Schweizer Hockeyverband ausgeübt, so Schnegg.
Wusste Lars Weibel Bescheid?
Zu Beginn der Sendung gingen die Meinungen auseinander. Als man bei der Mitte des «Clubs» angelangt war, herrschte plötzlich mehr Einigkeit. Die Teilnehmenden gingen alle hart ins Gericht mit der Kommunikation des Schweizer Hockeyverbands.
Dieser habe übereilig reagiert. Er hätte zunächst besser die Füsse stillgehalten, als sich sofort hinter Fischer zu stellen, nur um wiederum zwei Tage später seine Entlassung zu verkünden.
An diesem Punkt der Sendung kam eine Personalie zur Sprache, die in den nächsten Tagen noch einiges zu reden geben könnte. Es geht um Lars Weibel, Sport-Direktor beim Schweizer Hockeyverband. Dieser ist ein langjähriger Weggefährte von Patrick Fischer. Die beiden spielten unter anderem mehrere Jahre zusammen für den HC Davos und den HC Lugano.
Klaus Zaugg geht davon aus, dass man im Verband informiert gewesen sei wegen Fischers Urkundenfälschung. Es sei zwar «Spekulation», so Zaugg, aber: «Das haben viele Leute gewusst. Lars Weibel hat das ganz sicher gewusst.» Weibel sei der Linienvorgesetzte Fischers innerhalb des Verbandes. Wenn Weibel das nicht gewusst habe, dann komme nächstes Jahr der Osterhase und das Christkind, so Zaugg.
SRF Club hatte den Schweizer Hockeyverband zur Sendung eingeladen, dieser lehnte eine Teilnahme jedoch ab. Zum Vorwurf, dass Lars Weibel über Fischers Verfehlungen informiert gewesen sei, gab der Verband schriftlich folgendes Statement ab:
Buchli bemängelte erneut das Statement des Schweizer Hockeyverbands. Man hätte da auch einfach antworten können, dass die Vorwürfe Gegenstand der laufenden Untersuchung seien, sagte Buchli. So lehne sich der Verband schon wieder zu weit aus dem Fenster.
Sie sei sich einig mit Zaugg. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Lars Weibel, der so eng mit Patrick Fischer verbunden ist, nicht darüber informiert war.»
Das letzte Wort in der Affäre Fischer scheint also noch lange nicht gesprochen. (cma)
Was hätte passieren können, wenn Fischer mit seinem gefälschten Covid-Zertifikat an den Olympischen Spielen 2022 in Peking aufgeflogen wäre, sei gemäss Schnegg nicht abschätzbar: «Er wäre ganz sicher nicht an der Bande gestanden. Wie weit Team und Delegation sanktioniert oder ausgeschlossen worden wären, ist Spekulation. Aber so strikt wie die Massnahmen in China damals waren, würde ich das nicht ausschliessen.» (sda)
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