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Fall Patrick Fischer im SRF: Jetzt gerät die nächste Person in den Fokus

Klaus Zaugg
Der «SRF Club» diskutierte am Dienstagabend über die Entlassung des Schweizer Hockey-Trainers. screenshot: srf club

Fall Patrick Fischer: Jetzt gerät die nächste Person in den Fokus

22.04.2026, 08:1922.04.2026, 10:42

Der Fall Patrick Fischer ist noch lange nicht auserzählt. Dies wurde am Dienstagabend in der Sendung SRF-Club klar. Denn nun müssen weitere Personen im Umfeld Fischer ihr Verhalten erklären.

Zunächst wurde in der Club-Sendung abgefragt, wie die Teilnehmenden zur Entlassung Fischers stehen. Klaus Zaugg, der bei watson die Eismeister-Kolumne schreibt, findet den Fall «aufgebauscht». Fischer sei verurteilt worden und habe seine Busse bezahlt, das reiche.

Ähnlich sieht es Alex Chatelain, Experte bei MySports. Der ehemalige Spieler stellte in Frage, ob die getroffenen Massnahmen – sprich die Entlassung – verhältnismässig seien.

«Wo kommen wir hin, wenn das okay ist?»
Steffi Buchli

Anderer Meinung ist da Steffi Buchli. Sie kann die Entlassung nachvollziehen. «Wo kommen wir hin, wenn das okay ist?», so Buchli. Fischer habe mit seinem Verhalten die ganze Olympia-Mission 2022 in Gefahr gebracht. «Er ist ein hochbezahlter Arbeitnehmer. Wenn man jemandem so viel Geld bezahlt, kann man erwarten, dass er nicht lügt und keine Gesetzesbrüche macht.»

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Patrick Fischer reiste 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele.Bild: keystone

Auch der Swiss-Olympic-Direktor «unterstützt» die Entlassung Fischers. «Das war nicht einfach ein Gentleman-Vergehen», so Roger Schnegg. «Gerade Fischer, der sehr stark für seine Werte eingetreten ist, ist für sich selbst, aber auch für das Team und die ganze Schweizer Delegation ein grosses Risiko eingegangen.» Man habe von Swiss Olympic aber keinen Druck auf den Schweizer Hockeyverband ausgeübt, so Schnegg.

Wusste Lars Weibel Bescheid?

Zu Beginn der Sendung gingen die Meinungen auseinander. Als man bei der Mitte des «Clubs» angelangt war, herrschte plötzlich mehr Einigkeit. Die Teilnehmenden gingen alle hart ins Gericht mit der Kommunikation des Schweizer Hockeyverbands.

Dieser habe übereilig reagiert. Er hätte zunächst besser die Füsse stillgehalten, als sich sofort hinter Fischer zu stellen, nur um wiederum zwei Tage später seine Entlassung zu verkünden.

An diesem Punkt der Sendung kam eine Personalie zur Sprache, die in den nächsten Tagen noch einiges zu reden geben könnte. Es geht um Lars Weibel, Sport-Direktor beim Schweizer Hockeyverband. Dieser ist ein langjähriger Weggefährte von Patrick Fischer. Die beiden spielten unter anderem mehrere Jahre zusammen für den HC Davos und den HC Lugano.

Video: watson/nina bürge

Klaus Zaugg geht davon aus, dass man im Verband informiert gewesen sei wegen Fischers Urkundenfälschung. Es sei zwar «Spekulation», so Zaugg, aber: «Das haben viele Leute gewusst. Lars Weibel hat das ganz sicher gewusst.» Weibel sei der Linienvorgesetzte Fischers innerhalb des Verbandes. Wenn Weibel das nicht gewusst habe, dann komme nächstes Jahr der Osterhase und das Christkind, so Zaugg.

General Manager Lars Weibel, links, und Trainer Partick Fischer, rechts, mit ihren Koffern nach der Kleiderabgabe des Maenner Eishockey Teams von Swiss Olympic fuer die Olympischen Spiele 2026 in Ital ...
Lars Weibel (links) und Patrick Fischer (rechts) bei der Kleiderabgabe vor den Olympischen Spielen in Mailand.Bild: keystone

SRF Club hatte den Schweizer Hockeyverband zur Sendung eingeladen, dieser lehnte eine Teilnahme jedoch ab. Zum Vorwurf, dass Lars Weibel über Fischers Verfehlungen informiert gewesen sei, gab der Verband schriftlich folgendes Statement ab:

«Lars Weibel hatte keine Kenntnisse von diesem gefälschten Zertifikat, er weist die Vorwürfe zurück. Dies wird die gestartete Administrativ-Untersuchung zeigen, die die relevanten Sachverhältnisse abklären wird.»
Schweizer Hockeyverband.

Buchli bemängelte erneut das Statement des Schweizer Hockeyverbands. Man hätte da auch einfach antworten können, dass die Vorwürfe Gegenstand der laufenden Untersuchung seien, sagte Buchli. So lehne sich der Verband schon wieder zu weit aus dem Fenster.

Sie sei sich einig mit Zaugg. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Lars Weibel, der so eng mit Patrick Fischer verbunden ist, nicht darüber informiert war.»

Das letzte Wort in der Affäre Fischer scheint also noch lange nicht gesprochen. (cma)

IOC hat den Fall im Blick
Auch international interessiert der Fall Fischer. Swiss-Olympic-Direktor Roger Schnegg sagte im «Club», das International Olympische Komitee habe sich bei ihm gemeldet: «Ich habe vom Verantwortlichen ein Telefon gekriegt. Er wollte sich informieren, was hier abgeht.» Das IOC erwarte, dass «diese Sache» seriös angeschaut werde. Forderungen seien keine gestellt worden, so Schnegg.

Was hätte passieren können, wenn Fischer mit seinem gefälschten Covid-Zertifikat an den Olympischen Spielen 2022 in Peking aufgeflogen wäre, sei gemäss Schnegg nicht abschätzbar: «Er wäre ganz sicher nicht an der Bande gestanden. Wie weit Team und Delegation sanktioniert oder ausgeschlossen worden wären, ist Spekulation. Aber so strikt wie die Massnahmen in China damals waren, würde ich das nicht ausschliessen.» (sda)
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Ex-Eishockeyspieler Mark Streit zu Patrick Fischer
Video: watson
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Die beliebtesten Kommentare
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Bravo
22.04.2026 08:26registriert Juli 2018
Die strafrechtliche Verurteilung von Fischer (und die Verurteilung für das SVG-Delikt) sind doch Nebenschauplätze. Jedoch ist Fischer definitiv ein Lügner, ein mehrfacher Lügner, wollte nicht in Quarantäne (wie das andere gemacht haben) und hat das ganze Team gefährdet. Komplett untragbar als Trainer. Da muss man den Aluhut schon weit übers Gesicht ziehen, um das nicht einzusehen.
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Spitzbuab
22.04.2026 08:35registriert Oktober 2018
Hier wird wieder einmal der Täter zum Opfer gemacht.
Er hat das Gesetz gebrochen - Basta!
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Lightwood
22.04.2026 08:34registriert März 2020
Urkundenfälschung ist kein Kavaliersdelikt. Und schamloses Lügen nicht eines Nationaltrainers würdig.

Oder anders gesagt, die Herren sind der Meinung, dass lügende Straftäter qualifiziert sind als Trainer der Eishockeynationalmannschaft?

Wo kommen wir denn da hin, wenn wir das normalisieren?
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Wegen persönlicher Befangenheit: SRF-Ombudsfrau tritt im Fall Fischer in den Ausstand
Beim SRF sind nach dem Fischer-Skandal rund um das gefälschte Covid-Zertifikat gleich mehrere Beschwerden bei der Ombudsstelle eingegangen. Die eigentlich dafür zuständige Esther Girsberger ist nun in den Ausstand getreten, weil dabei ein Interessenkonflikt vorliegt.
SRF muss sich nach dem Covid-Zertifikat-Fälschungsskandal rund um Patrick Fischer gleich um mehrere Beschwerden kümmern. SRF-Redaktor Pascal Schmitz erfuhr bei einem Mittagessen von Fischer persönlich, dass dieser vor vier Jahren mit einem gefälschten Covid-Zertifikat zu den Olympischen Spielen in Peking reiste und dafür auch verurteilt wurde. Schmitz recherchierte daraufhin und es kam schlussendlich so weit, dass Fischer noch vor der Heim-WM entlassen wurde.
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