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Sudanese Americans rally outside the White House in Washington, Saturday, June 8, 2019, in solidarity with Pro-democracy protests in Sudan. Pro-democracy protest leaders in Sudan on Saturday called on Sudanese to take part in acts of civil disobedience in a bid to pressure the military to hand over power after the deadly break-up of their main sit-in in the capital of Khartoum earlier this week. (AP Photo/Andrew Harnik)

Auch vor dem Weissen Haus in Washington wurde demonstriert. Bild: AP/AP

Vier Tote bei der Kampagne des «zivilen Ungehorsams» im Sudan



Was ist passiert?

Bei Protesten anlässlich der Kampagne des «zivilen Ungehorsams» im Sudan sind nach Angaben von Ärzten am Sonntag vier Menschen getötet worden. Je ein Mensch sei in Khartum und im benachbarten Omdurman erschossen worden.

Das erklärte das Zentralkomitee sudanesischer Ärzte, eine der Opposition nahestehende Organisation. Zwei weitere Menschen seien nach Stichverletzungen im Spital verstorben.

Wer ist dafür verantwortlich?

Das Zentralkomitee machte die Militärregierung und paramilitärische Truppen für die Todesfälle verantwortlich. Beobachter der Proteste gegen den Militärrat berichteten von Warnschüssen, mit denen Polizisten die Proteste auflösen wollte. Zuvor hatte die Polizei bereits Tränengas eingesetzt.

epa07636516 People walk down an empty street closed in the Omdurman market, near Khartoum, Sudan, 08 June 2019. Sudanese protest group called on demonstrators participating in the first day of the 'Civil Disobedience' campaign, which was called in the wake of a deadly attack on protesters.The Sudanese Professionals Association (SPA) said the campaign would run until a civilian government was put in charge by the country's ruling generals.  EPA/MARWAN ALI

Die «Civil Disobedience» – ziviler Ungehorsam – hinterliess eine Spur der Verwüstug in Khartoum. Bild: EPA/EPA

Um was geht's überhaupt?

Anhänger der Protestbewegung hatten am Sonntag damit begonnen, den nördlichen Bezirk Bahari der Hauptstadt Khartum mit Autoreifen, Baumstämmen und Steinen zu verbarrikadieren.

Sie folgten damit einem Aufruf des sudanesischen Berufsverbands SPA, der als Reaktion auf die brutale Niederschlagung eines Sitzstreiks durch die Armee zu einer landesweiten «Bewegung des zivilen Ungehorsams» aufgerufen hatte. Der Protest solle andauern, bis die regierenden Generäle die Macht an eine zivile Regierung übergeben, erklärte die SPA.

Sicherheitskräfte nahmen am Sonntag Dutzende Oppositionsanhänger fest. Flughafenmitarbeiter sowie Angestellte der sudanesischen Zentralbank seien abgeführt worden, sagten ihre Kollegen der Nachrichtenagentur DPA.

Und warum der Streik?

Der am Sonntag begonnene landesweite Streik folgte auf die mutmassliche Festnahme zweier Oppositionsführer. Der Generalsekretär der Rebellengruppe SPLM-N, Ismail Jallab, und deren Sprecher, Mubarak Ardol, waren laut internationalen Medienberichten wenige Stunden nach einem Treffen mit dem äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed am Freitag festgenommen worden. Die Berichte, die auf ungenannten Quellen basierten, liessen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Abiy versucht, in der Krise im benachbarten Sudan zwischen der Militärführung und der Opposition zu vermitteln. Dazu hatte er sich am Freitag mit dem militärischen Übergangsrat sowie mit Mitgliedern des Oppositionsbündnisses FFC getroffen.

Sudans langjähriger Staatschef Omar al-Baschir ist wegen Beteiligung an der Ermordung von Demonstranten angeklagt worden. (Archivbild)

Sudans langjähriger Staatschef Omar Al-Baschir. Bild: AP

Sicherheitskräfte hatten am vergangenen Montag mit Gewalt eine wochenlange Sitzblockade in Khartum aufgelöst, die massgeblich zum Sturz des Langzeitmachthabers Omar al-Baschir beigetragen hatte.

Gab es Opfer?

Nach Angaben eines Ärzteverbandes wurden mehr als 100 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt. Das sudanesische Gesundheitsministerium gab die Zahl der Toten mit 61 an. Sicherheitskräfte gingen auch in den Tagen danach gegen Demonstranten vor.

Präsident Al-Baschir, der das Land drei Jahrzehnte lang mit harter Hand regiert hatte, war im April von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seitdem ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung.

Wie geht's jetzt weiter?

Seit Tagen sind die Strassen in Khartum und der Stadt Omdurman am gegenüberliegenden Nil-Ufer wie leergefegt. Viele Bewohner blieben in ihren Häusern. In den meisten Vierteln fuhren keine Busse.

Das Geschäftszentrum von Khartum blieb am Sonntag geschlossen, ebenso die meisten Geschäfte und Märkte in Omdurman sowie in den Städten Al-Obeid im Zentrum des Landes und Madani im Südosten Khartums.

In this frame grab from video shops are closed during a general strike, in the Al-Arabi souk business district of Khartoum, Sudan, Sunday, June 9, 2019. The first day of the workweek in Sudan saw shops closed and streets empty as part of a general strike called by protest leaders who are demanding the resignation of the ruling military council. The Sudanese Professionals Association had urged people to stay home to protest a deadly crackdown last week, when security forces violently dispersed the group’s main sit-in camp outside the military headquarters in the capital of Khartoum. (AP Photo)

Bild: AP/AP

«Ich war in drei Bäckereien und konnte kein Brot kaufen», sagte ein Bewohner der Stadt Madani in einem Telefonat mit der AFP. Demonstranten hätten auch in Madani Barrikaden aufgebaut, sodass Autos kaum noch durchfahren könnten.

Eine Verdreifachung der Brotpreise hatte die Massenproteste gegen den Langzeitherrscher Omar Al-Baschir ausgelöst. Seit dem Sturz Baschirs fordern die Demonstranten die regierenden Generäle dazu auf, die Macht an eine zivile Regierung zu übergeben. Verhandlungen zwischen der Protestbewegung und dem Militärrat waren jedoch Mitte Mai zum Erliegen gekommen.

Mehrere Fluglinien haben ihre Flugverbindungen von und nach Sudan seit dem brutalen Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten am Montag ausgesetzt. Viele Passagiere warteten am Sonntag vor dem Abflugterminal des Flughafens in Khartum, wobei unklar blieb, ob am Sonntag überhaupt Flüge starten. (bal/sda/afp/dpa)

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