International
Armee

Erneute Auseinandersetzung im Westjordanland: 5 Todesopfer

Deadly shooting attack near Havat Gilad in the occupied West Bank TEL, OCCUPIED WEST BANK JULY 24, 2026: Israeli security forces secure the scene following a deadly shooting attack near the settlement ...
Die palästinensischen Behörden und die israelische Armee machten widersprüchliche Angaben zum Vorfall.Bild: www.imago-images.de

Tödliche Auseinandersetzung im Westjordanland

Ein bewaffneter Zwischenfall im Westjordanland mit mindestens sechs Toten verschärft die Spannungen zwischen Israel und Palästinensern.
24.07.2026, 11:4124.07.2026, 15:49

Als Konsequenz bereitet sich die israelische Armee nach eigenen Angaben auf eine gross angelegte Militäroperation in dem besetzten palästinensischen Gebiet vor. Sie verhängte ausserdem eine Ausgangssperre.

Der Ankündigung waren Gespräche von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Verteidigungsminister Israel Katz, Generalstabschef Ejal Zamir und Geheimdienstchef David Zini vorausgegangen. In einer gemeinsamen Erklärung von Netanjahu und Katz hiess es, das Haus eines palästinensischen «Terroristen» werde abgerissen.

In Dörfern, die als «Terrorzentren» dienten, solle es «durchgreifende Massnahmen» geben, wie die Beschlagnahmung von Waffen und den Entzug von Arbeitserlaubnissen. Die Armeepräsenz im Westjordanland werde erhöht. Zudem solle die Legalisierung bestehender und neuer Siedler-Aussenposten beschleunigt werden.

In Israel hat der Wahlkampf vor der Parlamentswahl Ende Oktober begonnen. Das Thema Sicherheit spielt dabei eine zentrale Rolle.

Palästinenser fordern internationale Hilfe gegen Siedlergewalt

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem rund 1100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und Anschlägen getötet.

Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat zugenommen. Der Armee wird immer wieder vorgeworfen, sie gehe nicht entschlossen genug gegen solche Angreifer vor.

Das palästinensische Aussenministerium erklärte, die Eskalation von «Siedler-Terrorismus» sei eine direkte Folge des Schutzes, des politischen Rückhalts und einer vollständigen Straffreiheit, die Regierung und Armee gewährten.

Widersprüchliche Angaben zum Tathergang

Zu dem jüngsten bewaffneten Zwischenfall widersprachen sich die Darstellungen der israelischen Armee und der palästinensischen Behörden. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens fünf Palästinenser getötet, drei weitere seien schwer verletzt worden.

Den Angaben zufolge griffen bewaffnete israelische Siedler am Morgen das Dorf Tel bei Nablus im nördlichen Westjordanland an. Bewohner hätten sich verteidigt. Hinzugekommene Soldaten hätten dann das Feuer eröffnet und mehrere Palästinenser getötet. Unter den Dorfbewohnern hätten sich auch Siedler aufgehalten, die durch Schüsse von Soldaten verletzt worden seien.

Israelische Medien berichteten, dass ein israelischer Bürger getötet worden sei. Eine Sprecherin der israelischen Armee erklärte auf X, es sei in der Nähe des israelischen Aussenpostens «Gilad Farm» zu einem Angriff auf israelische Wanderer gekommen. Die Angreifer hätten die Waffe einer Sicherheitskraft entwendet und das Feuer auf Israelis eröffnet.

Rettungskräfte brachten demnach mehrere verletzte Menschen in ein Spital. Palästinenser vor Ort bezeichneten die Angaben der Armee zum Tathergang als frei erfunden.

Eine unabhängige Überprüfung aller Angaben ist derzeit nicht möglich.

Das palästinensische Aussenministerium rief die internationale Gemeinschaft auf, Massnahmen gegen die Gewalt israelischer Siedler zu ergreifen - etwa Sanktionen gegen Siedlungen und Siedleraktivisten sowie ein Boykott von Waren aus den Siedlungen.

Israels Sicherheitsminister fordert Vorgehen wie im Gazastreifen

Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat. Nach völkerrechtlichem Konsens gelten alle Aussenposten und Siedlungen im besetzten palästinensischen Westjordanland als illegal.

Israels rechtsextremistischer Polizei- und Sicherheitsminister, Itamar Ben-Gvir, forderte auf der Plattform X, die Häuser von «Terroristen und deren Unterstützern» aus der Luft und mit Baggern zu zerstören, so wie es im Gazastreifen geschehen sei. «Für jeden ermordeten Juden muss der Feind den Verlust von Land und Häusern hinnehmen. Das ist die Sprache, die man im Nahen Osten spricht, und so wie wir sie in Gaza gesprochen haben», schrieb Ben-Gvir. Es ist unklar, ob diese Forderung in Betracht gezogen oder umgesetzt wird.

Der israelische Siedler-Aussenposten «Gilad Farm» wurde 2002 errichtet. Das israelische Kabinett erklärte ihn 2018 zu einer vollwertigen Siedlung. (dab/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Räumung illegaler israelischer Siedlung Amona im Westjordanland
1 / 25
Räumung illegaler jüdischer Siedlung Amona im Westjordanland
Eine junge Israelin trägt einen Stein zu einer Barrikade.
quelle: epa/epa / jim hollander
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Kinder im Gazastreifen spielen den Tod eines Märtyrers nach
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
18 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18
Nächstes Debakel für die CDU? Merz stellt Vertrauensfrage
Bei den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag müssen Friedrich Merz und die CDU erneut eine Schlappe befürchten. Für den Bundeskanzler wird es immer enger.
Friedrich Merz reist nicht nach New York. Der deutsche Bundeskanzler hat seine Rede in der jährlichen UNO-Generaldebatte abgesagt. Geplant war sie für nächsten Mittwoch. Am Vortag aber trifft sich die Bundestagsfraktion von CDU und CSU. «Dass die Abgeordneten ohne ihn diskutieren, hält der Kanzler offenkundig für zu riskant», schreibt der «Spiegel».
Zur Story