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Mit einem Kugelschreiber aus einer Gewehrkugel: Historischer Friedensvertrag in Kolumbien unterzeichnet

Nach über 50 Jahren ist der bewaffnete Konflikt zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC-Rebellen offiziell beigelegt. Präsident Juan Manuel Santos und FARC-Kommandeur Rodrigo Londoño alias «Timochenko» unterzeichneten am Montag einen Friedensvertrag.



Santos und Londoño unterschrieben das historische Abkommen mit einem aus einer Gewehrkugel gefertigten Kugelschreiber. «Unsere Vergangenheit wurde mit Kugeln geschrieben, die Bildung wird unsere Zukunft schreiben», war auf dem Schreibgerät zu lesen.

epa05386873 A handout picture made available by the Colombian Ministry of Education in Bogota, Colombia on 24 June 2016 shows a 'Baligrafo' (a pen made in a bullet) that was given by Colombian President Juan Manuel Santos to the leader of Revolutionary Armed Forces of Colombia (FARC) Rodrigo Londono Echeverri, alias 'Timochenko', during a cease-fire agreement ceremony held in Havana, Cuba, 23 June 2016. An agreement aimed at ending more than five decades of conflict between the Colombian government and the FARC guerrilla group was signed here Thursday at a ceremony presided over by Cuban head of state Raul Castro. The inscription on the pen reads 'The bullets wrote our past, the education will write our future'.  EPA/JUAN GABRIEL MUNOZ / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der symbolträchtige Kugelschreiber Bild: EPA/EFE / MINISTRY OF EDUCATION

Die Unterschrift und der Händedruck der ehemaligen Gegner lösten lauten Jubel unter den Gästen aus. An der Zeremonie in Cartagena nahmen zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten teil, unter anderen US-Aussenminister John Kerry und Kubas Präsident Raul Castro sowie Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Damit geht der älteste Konflikt in Lateinamerika zu Ende. In den Kämpfen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs kamen seit 1964 Jahre über 220'000 Menschen ums Leben. 45'000 Menschen gelten als vermisst. Sieben Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben.

«Wir akzeptieren die Gewalt nicht länger als Mittel, um Ideen zu verteidigen», sagte Präsident Santos. «Kein Krieg mehr.» Künftige Generationen sollten ihre Energie auf die Entwicklung des Landes richten. «Wir machen jetzt Politik ohne Waffen», sagte Farc-Chef «Timochenko». «Wir werden unseren Teil erfüllen und hoffen, dass die Regierung ihren Teil erfüllt.»

Rebellen wollen Abgeordnete werden

Der unter kubanischer und norwegischer Vermittlung zustande gekommene Friedensvertrag sieht eine Landreform, neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer vor. Innerhalb von sechs Monaten sollen die Rebellen nun unter Aufsicht der Vereinten Nationen ihre Waffen niederlegen.

Die linken Rebellen, die zum Höhepunkt des Konfliktes Ende der 1990er Jahre etwa 20'000 und zuletzt noch 7000 Kämpfer zählten, kontrollierten jahrelang weite Teile des Landes. Finanziert wurde ihr Kampf auch durch Drogenhandel und Lösegeld-Erpressungen. Künftig wollen die FARC politisch für ihre Ziele eintreten. In den kommenden zwei Wahlperioden bekommen sie zehn Abgeordnetenmandate garantiert.

Colombian President Juan Manuel Santos (L) holds a pen made from a bullet before signing an accord ending a half-century war that killed a quarter of a million people, as Marxist rebel leader Rodrigo Londono (R), known by his nom de guerre Timochenko, looks on in Cartagena, Colombia, September 26, 2016. REUTERS/John Vizcaino

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos (links) und FARC-Kommandeur Rodrigo Londoño unterzeichnen den historischen Vertrag. Bild: JOHN VIZCAINO/REUTERS

Verhandlungen in Kuba

Nach fast vierjährigen Verhandlungen in Kubas Hauptstadt Havanna hatten sich beide Seiten am 24. August auf den Friedensvertrag geeinigt. Seit dem 29. August ist ein Waffenstillstand in Kraft.

In Kuba vereinbarten beide Seiten zudem ein eigenes Justizwesen zur Aufarbeitung der Verbrechen des Konflikts. Für politische Straftaten wird eine weitreichende Amnestie gewährt. Wer seine Beteiligung an schweren Verbrechen einräumt, muss mit einer Freiheitsstrafe von höchstens acht Jahren rechnen.

Uno-Generalsekretär Ban sagte, die Opfer des Konflikts seien die Vorkämpfer für den Friedensvertrag gewesen. «Heute ziehen die Kolumbianer einen Schlussstrich unter Jahrzehnte in Flammen und senden ein helles Licht der Hoffnung, das die Welt erhellt», sagte er.

Die Europäische Union strich die FARC von der Terrorliste. «Heute sendet Kolumbien eine Botschaft der Hoffnung an den Rest der Welt», sagte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini. Zudem kündigte sie die Gründung eines Treuhandfonds mit einem Umfang von 600 Millionen Euro an, an dem sich viele EU-Staaten beteiligen wollten.

Volksabstimmung am Sonntag

Das Abkommen muss am kommenden Sonntag noch in einer Volksabstimmung gebilligt werden. Umfragen zufolge liegen die Befürworter des Vertrags vorn. Die Gegner kritisieren vor allem, dass die Guerillakämpfer mit relativ milden Strafen davonkommen.

Medienberichten zufolge demonstrierten 2000 Menschen in Cartagena gegen das Friedensabkommen. Der frühere kolumbianische Staatschef Álvaro Uribe kritisierte in seiner Rede den Vertrag der Regierung mit den FARC-Rebellen.

Uribe macht die FARC für die Ermordung seines Vaters verantwortlich. Er wirbt öffentlich für eine Ablehnung des Friedensvertrags bei der kommenden Volksabstimmung.

Schweiz bei den Friedensverhandlungen

Auch die Schweiz war an der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen FARC-Rebellen und kolumbianischer Regierung dabei: EDA-Staatssekretär Yves Rossier wollte in Cartagena an der Zeremonie teilnehmen.

Die Schweiz war an den Friedensverhandlungen selbst beteiligt. Sie stellte in den letzten Jahren verschiedene Expertinnen und Experten als Unterstützung für die Konfliktparteien zur Verfügung.

Zudem ist die Schweiz mit drei Kooperationsprogrammen in den Bereichen humanitäre Hilfe, menschliche Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung in Kolumbien aktiv.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat den Delegationen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Rebellen nun zum Abschluss der Friedensverhandlungen gratuliert, wie es in einer Mitteilung hiess. Das EDA hoffe, dass die Umsetzung des Abkommens zu einem nachhaltigen Frieden führe.

Friedensvertrag in der Schweiz aufbewahrt

Nach der Unterzeichnung wollen Regierung und FARC ein Originalexemplar des Friedensvertrages in der Schweiz aufbewahren. Damit wollen sie der Bedeutung des Dokuments als Spezialabkommen im Rahmen der Genfer Konventionen Rechnung tragen.

Der Bundesrat habe sich bereit erklärt, das Abkommen aufzubewahren, teilte das EDA mit. Allerdings übernehme die Schweiz damit keinerlei Verantwortung für die Umsetzung des Abkommens. (sda/dpa/afp/reu)

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