Erschwerte Suche nach Flutopfern in Nepal und China – 2500 Menschen weiter vermisst
«Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle», sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet in Battar Bazar in der an Tibet grenzenden Provinz Bagmati. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten.
Derzeit sind laut Basnet unter anderem 14 Rettungshubschrauber in der Region im Einsatz. Bis zum Freitagabend (Ortszeit) gab die Katastrophenschutzbehörde des Landes die Zahl der Geretteten mit mehr als 4400 Menschen an. Laut offiziellen Angaben vom Samstagvormittag (Ortszeit) wurden bislang 149 Ausländer gerettet.
Das sind die neusten Entwicklungen.
Hunderte Tote und Tausende Vermisste
Insgesamt liegt die Zahl der Todesopfer nach der verheerenden Sturzflut am Mittwoch nach jüngsten Informationen aus China und Nepal bei 623. In Nepal wurden mehr als ein Drittel der Leichen Dutzende Kilometer vom Katastrophengebiet entfernt im Bezirk Chitwan entdeckt, der im Süden des Landes an der Grenze zu Indien liegt.
Zusammengerechnet gelten laut Angaben der chinesischen und nepalesischen Behörden mehr als 2500 Menschen als vermisst, wobei Nepal mit 1924 Vermissten, darunter 517 Ausländer, deutlich mehr gemeldet hatte.
Verschüttete in Tunneln vermutet
Als eine weitere Hürde nannte der Armeesprecher bestehende Tunnel im Gebirge, in denen Menschen festsassen. Am Freitagmorgen (Ortszeit) seien erst vier Personen aus den Tunneln gerettet worden. Vermutlich befänden sich in ihnen noch zahlreiche Menschen. In einem Video war zu sehen, wie die Armee zwei mit Schlamm überzogene Arbeiter lebend aus einem Tunnel an einem Wasserkraftwerk zogen. Die Männer wurden von den Rettern auf dem Rücken zu einem Hubschrauber getragen.
Erschwert werden dürften die Arbeiten ausserdem durch strömenden Regen in Nepal, wie ein dpa-Reporter am Samstag berichtete. Asien steckt derzeit noch in der normalerweise bis September dauernden Monsun-Regenzeit. Auch Chinas Meteorologen hatten Regenfälle für das Wochenende erwartet. Im chinesischen Staatsfernsehen waren Suchmannschaften zu sehen, die sich am Samstagvormittag (Ortszeit) im Einsatzgebiet im Südwesten Tibets durch Geröll und Schlamm kämpften.
Suche am zerstörten Grenzübergang
Die Chinesen suchen verstärkt um den Grenzübergang Gyirong nach Opfern. Die tödliche Flutwelle, die nach Expertenmeinung am Mittwoch in Nepal durch einen Gletschersturz ausgelöst worden war, hatte sich ihren Weg durch ein enges und steiles Flusstal gebahnt und dabei den Grenzposten völlig zerstört. Der Übergang liegt auf dem Hauptverkehrsweg für Tourismus und Handel zwischen Nepal und China.
Gefahr durch angestauten See bleibt
Sorge bereitet den chinesischen Rettungskräften nach wie vor ein See, der sich als Folge der Sturzflut oberhalb von Gyirong neu angestaut hat. Sollte das Wasser den Damm aus Geröll und Schlamm durchbrechen, könnte eine weitere Flut das Tal hinunter schiessen. Der Leiter eines Erkundungsteams, das dort Mess- und Überwachungsgeräte aufstellte, beruhigt allerdings: Weil das Wasser aus dem See bereits natürlich abfliesse, habe sich die Gefahr deutlich verringert, zitierte das chinesische Staatsfernsehen Chen Hanxiao. (sda/dpa)
