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Klimawandel erhöht auch in der Schweiz die Gefahr von Bergfluten

KEYPIX - The Oigschtchummun Glacier, left, which is slowly collapsing into the Loetschental valley is pictured, in Blatten, Thursday, May 21, 2026. A new landslide risk sparks concern above Blatten, a ...
Der Oigschtchummun-Gletscher, der ins Lötschental zu stürzen droht, am 21. Mai 2026.Bild: keystone

Klimawandel erhöht auch in der Schweiz die Gefahr von Bergfluten

Nach der Flutkatastrophe in Nepal warnt ein Lausanner Experte: Der Klimawandel erhöht auch in der Schweiz die Gefahr extremer Flutwellen aus den Bergen.
28.08.2026, 12:2428.08.2026, 12:24

Der Klimawandel führe in den Alpen zu einer Art «explosivem Cocktail», wie die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) am Freitag mitteilte. Einerseits lieferten das Abtauen des Permafrosts und der Gletscherrückgang grosse Mengen an lockerem Gesteinsmaterial. Andererseits erhöhe wärmere Luft die Intensität von extremen Niederschlägen, die dieses Material in Bewegung setzen könnten.

Anlass für die Einschätzung ist die Flutwelle, die sich am Mittwoch an der Grenze zwischen Nepal und Tibet ereignete. Sie zerstörte mehrere hundert Häuser. Laut dem Experten Christophe Ancey handelte es sich dabei um eine Welle, die durch den Bruch eines natürlichen Damms aus Eis und Gestein entstanden sei. Eine solche Welle bestehe zu über 90 Prozent aus Wasser und bewege sich sehr schnell.

Die Welle im Himalaya war laut Ancey 20 Meter hoch. Ihre Abflussmenge erreichte rund 20'000 Kubikmeter pro Sekunde – das entspricht ungefähr dem Abfluss des Amazonas.

Murgänge funktionieren anders

Ein solches Ereignis sei nicht mit einem Murgang zu verwechseln. Ein Murgang bestehe zu mindestens 80 Prozent aus Sedimenten und nur zu 20 Prozent aus Wasser. Er bewege sich langsamer, ähnlich wie flüssiger Beton, könne aber ebenfalls alles auf seinem Weg zerstören. Solche Murgänge ereigneten sich in der Schweiz beispielsweise 2018 und 2019 in Chamoson VS oder kürzlich im Val de Bagnes.

In der Schweiz werden bekannte Risikogebiete seit langem überwacht. An Bergstrassen warnen Ampeln vor Murgängen oder Lawinen. Zum Schutz von Siedlungen dienen Bauwerke, die Fliessmassen umleiten oder zurückhalten. Viele Gewässer sind mit sogenannten Geschiebesammlern ausgestattet, die zwar Wasser durchlassen, aber Murgänge stoppen.

Nicht vergleichbar mit Blatten

Auch Gletscher und Gletscherseen werden überwacht, um Brüche zu verhindern. Ein Ereignis wie in Blatten VS, wo ein Teil des Birchgletschers abbrach, sei nicht mit der Katastrophe in Asien vergleichbar gewesen. Auch da habe sich zwar durch die Verstopfung des Flussbetts der Lonza ein See gebildet. «Die im Flussbett angesammelte Materialmasse war im Verhältnis zum Volumen des Sees und zur Durchflussmenge der Lonza so gross, dass keine Gefahr eines Dammbruchs oder einer Flutwelle zu befürchten war», sagte Ancey.

Obwohl es bereits im 19. Jahrhundert eine Häufung von Naturkatastrophen gegeben habe, als es im Schnitt drei Grad kälter war, führe die aktuelle schnelle Erwärmung zu einer Zunahme der Intensität und Häufigkeit solcher Ereignisse.

Für die Beurteilung der Gefahr eines Murgangs ist deshalb entscheidend, ob in einem Gebiet genügend Material vorhanden ist, das durch Wasser oder starke Niederschläge mobilisiert werden kann. Als Quellen für mobilisierbares Material gelten neben dem Gletscherrückgang und dem schmelzenden Permafrost auch klassische Erdrutsche wie jener am Illgraben im Wallis, der jedes Jahr mehrere Murgänge auslöst. (sda)

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Sturzflut in Nepal
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quelle: keystone / niranjan shrestha
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