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A customer wears a face mask as he shops for seafood at a market in Beijing, Saturday, March 14, 2020. The United States declared a state of emergency Friday as many European countries went on a war footing amid mounting deaths as the world mobilized to fight the widening coronavirus pandemic. For most people, the new coronavirus causes only mild or moderate symptoms, such as fever and cough. For some, especially older adults and people with existing health problems, it can cause more severe illness, including pneumonia. (AP Photo/Mark Schiefelbein)

Ein Markt für Meeresfrüchte in Peking: Noch ist nicht abschliessend geklärt, woher das Virus stammt. Bild: AP

Ursprung der Coronavirus-Pandemie: Woher stammt die Infektion wirklich?

Ein Wildtiermarkt in Wuhan oder doch ein chinesisches Hochsicherheitslabor? Weiterhin ist unklar, wo das Coronavirus seinen Ursprung nahm. Forscher finden allerdings immer mehr Belege, die Verschwörungstheorien entkräften.

Nicole Sagener / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Vier Monate breitet sich das neuartige Coronavirus  nun schon rund um den Kontinent aus. Genauso lange bemühen sich Forscher weltweit nun schon, dem Ursprung des Erregers auf die Spur zu kommen.

Wildtiermarkt? Chinesisches Hochsicherheitslabor? Auch wenn es zahlreiche Spuren, Hinweise und noch mehr Verschwörungstheorien gibt bleibt doch weiter ungeklärt, wo die Corona-Epidemie tatsächlich ihren Anfang nahm. Als wahrscheinlich gilt als Ursprung der Huanan Fisch- und Wildtiermarkt in Wuhan .

Fledermaus als ursprünglicher Wirt des Coronavirus

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Fledermausart mit grosser Wahrscheinlichkeit das ursprüngliche Wirtstier von SARS-CoV-2 . Ob der hochinfektiöse Erreger der Lungenerkrankung Covid-19  von den Tieren aus direkt auf den Menschen überging oder seinen Weg über einen tierischen Zwischenwirt wie etwa eine Schlange oder ein Gürteltier nahm, ist noch nicht gesichert.

FILE - In this Jan. 5, 2204, file photo, a man looks at caged civet cats in a wildlife market in Guangzhou, capital of south China's Guangdong Province, China. Nearly two decades after the disastrously-handled SARS epidemic, China’s more-open response to a new virus signals its growing confidence and a greater awareness of the pitfalls of censorship, even while the government is as authoritarian as ever. (AP Photo/Xinhua, Liu Dawei, File)

Ein Mann betrachtet eingesperrte Wildtiere auf einem Markt in Guangzhou. Bild: AP

Eine im Fachblatt «Lancet» publizierte Studie chinesischer Forscher kam jedoch im Januar zu dem Ergebnis, dass von den ersten gemeldeten 41 Infizierten immerhin 14 zuvor nicht mit dem Markt in Berührung gekommen waren.

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Das schürte, zusammen mit anderen Fakten, Gerüchte um einen anderen Ausgangspunkt des Coronavirus: Wie US-Medien berichteten, gebe es nahe des Marktes in Wuhan noch andere Orte, wo Fledermäuse in direkten Kontakt mit dem Menschen kommen können: Zum einen werden sie als Labortiere im Wuhan-Institut für Virologie (WIV) gehalten – ein Hochsicherheitslabor, das allerdings nicht im Zentrum der Stadt liegt. Zum anderen kam das Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention (WHCDC) von Wuhan ins Gespräch, das nicht weit vom Huanan-Markt entfernt ist.

Verschwörungstheorien: SARS-CoV-2 als designte Biowaffe?

Rasch kursierten im Netz Theorien, laut denen das neue Virus nicht zufällig entstanden, sondern gezielt als biologische Waffe im WIV-Labor herangezüchtet worden sei. Eine andere Vermutung, wie sie etwa der «Washington Post»-Journalist David Ignatius in einem Meinungsbeitrag äusserte, gehen von einer ungewollten Panne in dem Labor aus.

Demnach könnte das Coronavirus in einem Labortier mutiert und dann versehentlich auf einen Mitarbeiter des Forschungsinstituts übergesprungen sein, der es dann unter andere Menschen trug.

Nachdem US-Präsident Donald Trump immer wieder mit Begriffen wie dem «Wuhan-Virus» oder dem «chinesischen Virus» China zum Schuldigen für die Epidemie erklärt hatte, reagierte die Pekinger Führung ihrerseits mit einer haltlosen Verschwörungstheorie: Es sei nicht auszuschliessen, dass der Erreger während eines Militärsportfests im Herbst 2019 durch US-amerikanische Soldaten nach Wuhan gelangt sei. Hierfür gibt es allerdings keinerlei Belege.

Genanalysen sprechen gegen Zuchtlabor-Theorie

Auch die die These vom Zuchtlabor betrachten die meisten Wissenschaftler aus mehreren Gründen als nicht haltbar. Einerseits liegt das Forschungsinstitut WIV rund zwölf Kilometer vom Huanan-Markt entfernt – der Weg zum Markt wäre also recht weit. Zudem sprechen auch genetische Analysen des neuartigen Coronavirus eher dagegen, dass der Erreger gezielt designt worden ist.

The Wuhan Huanan Wholesale Seafood Market, where a number of people related to the market fell ill with a virus, sits closed in Wuhan, China, Tuesday, Jan. 21, 2020. Heightened precautions were being taken in China and elsewhere Tuesday as governments strove to control the outbreak of the coronavirus, which threatens to grow during the Lunar New Year travel rush. (AP Photo/Dake Kang)

Der Huanan-Markt ist zwölf Kilometer vom Forschungslabor entfernt. Bild: AP

So erbrachte etwa eine Mitte März im Fachblatt «Nature Medicine» veröffentlichte Studie (The proximal origin of SARS-CoV-2) starke Belege gegen einen menschengemachten Ursprung von SARS-CoV-2. Die beteiligten Forscher analysierten Genomdaten des Virus.

In ihrer Auswertung schreiben die Studienautoren: «Es ist unwahrscheinlich, dass SARS-CoV-2 durch Labormanipulation eines verwandten SARS-CoV-ähnlichen Coronavirus entstanden ist.» Die genetischen Daten würden zweifelsfrei zeigen, dass SARS-CoV-2 nicht von einem im Labor verwendeten Grundgerüst eines bereits existierenden Coronavirus abgeleitet sei, so das Wissenschaftler-Team.

Wann passte sich Covid-19-Erreger an Menschen an?

Stattdessen halten die Forscher zwei Szenarien für wahrscheinlich: Entweder mutierte das Virus schon in einem tierischen Wirt so, dass es beim Sprung auf den Menschen dessen Zellen problemlos kapern konnte und von Anfang an eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich war.

Oder, so das zweite Szenario der Forscher, das Virus ging erst vom Tier auf den Menschen über und passte sich erst im menschlichen Körper durch Mutationen optimal an den neuen Wirt an. In diesem Fall wären die Infektionsketten beim Menschen anfangs kurz, das Virus wäre dann erst nach und nach durch die zunehmende Anpassung an den menschlichen Organismus zum effizient sich ausbreitenden Erreger geworden.

«Wichtig ist, dass diese Analyse den Nachweis erbringt, dass SARS-CoV-2 weder ein Laborkonstrukt noch ein gezielt manipuliertes Virus ist», resümieren die Forscher in ihrer Untersuchung. Es gebe keine Belege für derartige genetische Manipulationen.

Der Wildtiermarkt als Zuchtbecken 

Der Fischmarkt gilt Forschern auch deshalb als der wahrscheinlichere Ausgangspunkt der Corona-Epidemie, weil auch die 2003 in China ausgebrochene Epidemie mit dem SARS-Coronavirus offenbar von einem chinesischen Markt ausgegangen war, auf dem Wildtiere verkauft wurden.

Der Welt-Tiergesundheitsorganisation OIE zufolge sind 60 Prozent der Infektionskrankheiten beim Menschen zoonotisch, haben ihren Ursprung also im Tierreich. Dazu gehören altbekannte Keime wie etwa HIV, Tuberkulose , Tollwut sowie neuere Erreger wie Ebola  und Influenza . Gerade Säugetiere tragen oft nachweislich Erreger in sich, die zoonotisch sind, also vom Tier auf den Menschen überspringen können.

Auf dem Fischmarkt in Wuhan kamen die unterschiedlichen Wildtiere wie Fledermäuse, Waschbären, Wölfe und Schlangen durch die Haltung auf engstem Raum samt ihrer Sekrete und Ausscheidungen untereinander sowie mit dem Menschen in engen Kontakt.

Woher auch immer das Virus kommen mag – dass der Wildtierhandel den Übergang von Keimen von Tier auf  Mensch deutlich erleichtert, liegt auf der Hand.

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