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Bundesrat Alain Berset im Helikopter unterwegs in den Kanton Graubünden.

Alain Berset am Montag im Super Puma unterwegs nach Graubünden. Bild: KEYSTONE

Coiffeure, Läden, Open Airs: Hier muss der Bundesrat heute Klarheit schaffen

Mit den ersten Schritten zur Lockerung des Corona-Lockdowns hat der Bundesrat mehr Verwirrung als Klarheit erzeugt. Die Verunsicherung ist gross. Nun braucht es Präzisierungen.



Viele hatten diesen Tag sehnlich erwartet. Und viele waren enttäuscht, als der Bundesrat am letzten Donnerstag den Fahrplan für einen vorsichtigen Ausstieg aus dem Corona-Lockdown präsentierte. Einzelne Wirtschaftszweige waren stocksauer, vor allem Restaurants und kleine Läden, die ohnehin um ihre Existenz fürchten.

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Der Bundesrat geniesst nach wie vor ein grosses Vertrauen in der Bevölkerung, weil er die Krise bislang gut gemeistert hat. Wenn er keine Erosion riskieren will, mit womöglich gravierenden Folgen, muss er heute Mittwoch nachbessern und präzisieren. Einfach wird das nicht, denn die Ansprüche sind vielfältig, und die Gesundheit hat oberste Priorität.

Sicht auf den leeren Rathausplatz mit Schloss waehrend der Pandemie des Coronavirus (COVID-19), am Dienstag, 21. April 2020 in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider)

In vielen Städten wie in Thun herrscht gähnende Leere. Das soll sich ab Montag ändern. Bild: KEYSTONE

Es ist absehbar, dass auch nach der heutigen Sitzung nicht alle Fragen geklärt sein werden. Der Bund will nur mehrere Grobkonzepte vorlegen. Im Zentrum stehen Schutzmassnahmen, um eine erneute Zunahme der Fallzahlen oder eine zweite Welle zu verhindern. Die «Feinjustierung» müssen die Branchenverbände vornehmen. Die Umsetzung liegt bei den Betrieben.

Coiffeure

Eine Angestellte des Coiffeursalons Gallery Hairstyle reinigt die Fenster des Coiffeursalons, am Dienstag, 21. April 2020 in Bern. Coiffeure duerfen ihre Geschaefte ab dem 27.4.2020 wieder oeffnen. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ein Coiffeursalon in Bern bereitet die Wiedereröffnung vor. Bild: KEYSTONE

Die Freude in der Branche war gross: Die Salons dürfen am nächsten Montag wieder öffnen. Wenige Tage vor dem Restart aber herrscht Verunsicherung, wie der «Blick» berichtet. Die Coiffeure wissen nicht, welche Schutzmassnahmen sie einhalten müssen.

Viel erwarten dürfen sie vom Bundesrat nicht, weil er wie gesagt nur ein Grobkonzept präsentieren will. Der Branchenverband Coiffeur Suisse wird es unter hohem Zeitdruck konkretisieren müssen. Das dürfte manchen Betrieb vor Probleme stellen. Allenfalls kann der Bund bei der Beschaffung des Schutzmaterials helfen, sicher ist das nicht.

Detailhandel

Schutzmasken haengen im Schaufenster eines Geschaefts, am Dienstag, 21. April 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Müssen die Läden bis 11. Mai zu bleiben, auch wenn sie Designer-Masken verkaufen? Bild: KEYSTONE

Die «kleinen» Ladenbesitzer sind das Gegenstück zu den Coiffeuren. Sie reagierten mit blankem Entsetzen auf den Öffnungsplan des Bundesrats. Er suggerierte, dass die grossen Detailhändler ab nächstem Montag das gesamte Sortiment anbieten können, während die spezialisierten Geschäfte weitere zwei Wochen geschlossen bleiben sollen.

Ziel des Bundes ist, einen «Menschenauflauf» zu verhindern. In den letzten Tagen versuchten seine Vertreter, den Schaden zu begrenzen. Gesundheitsminister Alain Berset betonte am Montag in Graubünden, es gehe um «eine gewisse Sortimentserweiterung» bei den Lebensmittelläden: «Zum Beispiel dürfen ab Montag Schuhbändel verkauft werden.»

Schuhbändel, aber keine Schuhe? Der Bundesrat muss für Klarheit sorgen und darlegen, wie er eine Wettbewerbsverzerrung verhindern will. Eine ideale Lösung wird es kaum geben. «Es ist eine gewisse Ungerechtigkeit da, keine Frage», sagte Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) an der Medienkonferenz vom Montag.

Gastro/Tourismus

ARCHIV - ZUR BILANZMEDIENKONFERENZ DER RIGI BAHNEN AG STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG, AM FREITAG, 5. APRIL 2019 - A crowd of train passengers and the blue Rigi Railway at the railway station Rigi Kulm on Mount Rigi, Switzerland, on July 18, 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Zugreisende und die blue Rigi-Bahn bei der Station Rigi Kulm am 18. Juli 2016 auf der Rigi. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Rigibahn soll nach dem Willen der Touristiker bald wieder fahren. Bild: KEYSTONE

Beizer und Touristiker bildeten die andere grosse Gruppe, die am letzten Donnerstag enttäuscht war. Sie wurde im Lockerungsplan nicht einmal erwähnt. Bürgerliche Politiker fordern eine rasche Öffnung oder zumindest Klarheit für die Branche. Die Bundesräte Alain Berset und Guy Parmelin machten ihr in den letzten Tagen zumindest Hoffnung.

Einfach wird es wegen der Vielfalt der Branche nicht werden. Führende Vertreter von Gastronomie und Tourismus machten am Dienstag mit einem ganzseitigen Inserat in den grossen Zeitungen weiter Druck. Sie wollen «baldmöglichst wieder öffnen» und verlangen vom Bundesrat «einen klaren Fahrplan». Dazu wird es heute nicht kommen.

Events

Im KKL Luzern wird es in diesem Jahr keine Auftritte im Rahmen des Blue Balls Festival geben. (Archivbild)

Das Blue Balls Festival in Luzern wurde bereits abgesagt. Bild: KEYSTONE

Das Coronavirus wird uns noch monatelang in Atem halten. Das sind schlechte Nachrichten für die Veranstalter von Grossanlässen wie Festivals und Open Airs. Ihre Saison ist wohl gelaufen. Einzelne wurden abgesagt, etwa Paléo, Montreux Jazz und Blue Balls. Andere wie die Street Parade zögern, obwohl sie wissen, dass es dieses Jahr nichts mehr wird.

Sie warten vermutlich aus versicherungstechnischen Gründen auf ein klares «Verbotssignal» des Bundes und dürften vorerst weiter leer ausgehen. «Der Bundesrat wird zu gegebenem Zeitpunkt entscheiden – aber sicher noch nicht diese oder nächste Woche», sagte BAG-Krisenmanager Patrick Mathys am Montag.

Sport

epa08373088 A handout photo made available by Slavia Prague shows player Nicolae Stanciu (R) in action during team's training session in Prague, Czech Republic, 20 April 2020. Czech government allowed trainings of professional sportmen from 20 April 2020 as begun partially lifting the coronavirus measures to slow down the spread of the pandemic COVID-19 disease caused by the SARS-CoV-2 coronavirus.  EPA/MARTIN MALY / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

In Tschechien dürfen die Fussballklubs wie Slavia Prag seit Montag wieder trainieren. Bild: EPA

Der Sportbetrieb steht nicht nur im Profibereich weitgehend still. Gemeinsame Trainings etwa von Fussballklubs sind nicht möglich. Auch Hobbysportler würden gerne wieder Golf oder Tennis spielen, wie es im Ausland teilweise schon möglich ist. Erlaubt sind derzeit aber nur Sportarten wie Joggen oder Velofahren.

Derzeit würden Konzepte und Vorgehensweisen erarbeitet, sagte Mathys. Einen konkreten Zeitplan aber nannte er am Montag nicht. Es heisst wohl weiter warten. Daran ist der Sportbetrieb nicht unschuldig. Seine Durchschlagskraft in Bern ist traditionell beschränkt. Im politischen Powerplay verhalten sich selbst Profisportler häufig wie blutige Amateure.

Schulen

Blick in ein leeres Schulzimmer in der Primarschule Tellenmatt, aufgenommen am Montag, 16. Maerz 2020, in Stans. Der Bundesrat schliesst wegen der Corona-Pandemie bis 4. April alle Schulen. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Die Schulen sollen am 11. Mai öffnen, aber mit welchem Schutzkonzept? Bild: KEYSTONE

Dringender Handlungsbedarf besteht dafür bei der für den 11. Mai geplanten Öffnung der Schulen. «Mr. Corona» Daniel Koch hat die Eltern letzte Woche mit widersprüchlichen Aussagen zum Ansteckungsrisiko bei Kindern nachhaltig verunsichert. Deshalb müssen rasch konkrete Schutzmassnahmen für die Schulen auf den Tisch.

Die genauen Schutzkonzepte für die Schulöffnung würden derzeit zusammen mit der Erziehungsdirektorenkonferenz ausgearbeitet, sagte Patrick Mathys am Montag. Zumindest gewisse Eckwerte muss der Bundesrat heute präsentieren, denn verunsicherte Eltern sind so ziemlich das Letzte, was er zur Bewältigung der Corona-Krise brauchen kann.

Es gibt weitere Fälle, bei denen eine Lösung schwierig ist. Ein Paradebeispiel sind die Fahrschulen mit dem Problem des fehlenden Abstands. Und die Kirchen wollen wieder Gottesdienste mit Gläubigen durchführen. Die Arbeit wird dem Bund nicht ausgehen.

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Covid-Verordnung Bundesrat (16. April 2020)

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Covid-Verordnung Bundesrat (16. April 2020)
quelle: bundeskanzlei
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Bund rechnet erst 2022 mit Normalisierung des Tourismus

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