Die AfD sieht sich bald an der Macht – diese 5 Momente am Parteitag zeigen es
AfD will 2029 regieren
Am Ende des Parteitags formulierte Alice Weidel den Anspruch ihrer Partei unmissverständlich. Deutschland werde schlecht regiert und brauche Reformen, sagte sie. Nach der nächsten Bundestagswahl werde die AfD «Regierungsanspruch erheben», da die Partei «stärkste Kraft» sei. Ihre Partei bereite sich auf baldige Neuwahlen vor.
«Wir müssen endlich aus der Opposition in die Regierung kommen», rief auch AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla den Abgeordneten in seiner Rede zu, als es um die Landtagswahlkämpfe in gewissen Bundesländern ging. Doch das Ziel müsse sein, «2029 auch im Bund» die Regierung zu stemmen.
Die AfD sei bereit. «Wir werden siegen und wir werden regieren», sagte Chrupalla unter tosendem Applaus.
Der Verfassungsschutz steht im Visier
In verschiedenen Momenten aufgefallen ist am Parteitag, wie stark die AfD noch um die Debatte rund um den Verfassungsschutz ringt.
Für den Verfassungsschutz gilt die Bundespartei als rechtsextremer Verdachtsfall. Die vorherige Einstufung der Bundes-AfD als «gesichert rechtsextremistisch» wurde nach einer Klage der AfD im Eilverfahren vorerst gestoppt. Das Verwaltungsgericht Köln entschied im Februar 2026, dass der Verfassungsschutz die Bundespartei bis zum Hauptverfahren nicht als gesichert extremistisch einstufen und öffentlich so behandeln darf.
Entlastet hat das Gericht die AfD aber nicht einfach. Es schrieb ausdrücklich, es bestehe weiterhin ein starker Verdacht, dass die Partei verfassungsfeindliche Bestrebungen entfalte.
Tino Chrupalla sagte derweil am Parteitag, die AfD wolle bei Wahlsiegen in ostdeutschen Bundesländern den Innenminister stellen. Danach werde man sich auch dem Verfassungsschutz «annehmen». Seine Begründung: Der Verfassungsschutz sei eine weisungsgebundene Behörde. Chrupalla sagte: «Wir werden dafür sorgen, dass politische Parteien in diesem Land nicht mehr beobachtet werden können.»
Auch Alice Weidel lieferte sich dazu im ZDF ein Wortgefecht mit der Moderatorin Dunja Hayali. Sie wies den Vorwurf, dass die «Partei oder Teile der Partei, rechtsextrem sein solle aufs Schärfste zurück».
Höckes Lager gewinnt an Einfluss
Björn Höcke selbst kandidierte nicht für den Bundesvorstand. Sein Einfluss war am Parteitag trotzdem sichtbar.
Denn der Thüringer AfD-Politiker Stefan Möller wurde zum stellvertretenden Parteichef gewählt – mit dem besten Ergebnis der Vize-Kandidaten. Möller führt den Thüringer Landesverband seit Jahren zusammen mit Höcke und gilt als enger Vertrauter des Rechtsaussen. Bei seiner Vorstellung sagte Möller: «Ich habe eine dicke Akte beim Verfassungsschutz.»
Gleichzeitig ging Höckes Plan mit der Unvereinbarkeitsliste nicht auf. Auf dieser Liste stehen Organisationen, deren frühere Mitgliedschaft mit einer AfD-Mitgliedschaft unvereinbar sein kann. Ein Antrag aus dem Umfeld von Björn Höcke zielte darauf ab, die Regeln zu lockern.
Offen abgestimmt wurde darüber am Parteitag nicht. Nach einem Vorschlag von Alice Weidel zog Höcke den Antrag zurück – nun soll der neue Bundesvorstand die Liste überarbeiten.
Das war kein Durchmarsch für Höcke. Aber definitiv auch kein endgültiges Scheitern: Die Frage wurde nur vertagt – und zwar in ein Gremium, in dem sein Lager nach diesem Parteitag stärker vertreten ist.
Weidels Familienbild-Moment
Einer der auffälligsten Randmomente des Parteitags kam ausgerechnet bei einem Thema, das Alice Weidel immer wieder in Erklärungsnot bringt – weil es sie persönlich betrifft.
Im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt heisst es, eine «intakte Familie aus Mutter, Vater und Kindern sei die beste Voraussetzung für eine gesunde Kindesentwicklung». Bekannterweise lebt Weidel mit einer Frau zusammen in der Schweiz und zieht mit ihr zwei Kinder gross.
Auf das Wahlprogramm von RTL-Journalisten angesprochen, meinte Weidel: «Die können reinschreiben, was sie wollen. Ich lebe etwas anderes.»
Gleichgeschlechtliche Beziehungen seien gleichwertig zu behandeln, sagte die AfD-Chefin. Gleichzeitig sei die traditionelle Familie aus ihrer Sicht ein gesellschaftliches Zielbild. Einen Widerspruch dieser Politik zu folgen und so zu leben wie sie, sehe sie darin nicht.
Weidel fiel schon in der Vergangenheit mit ähnlichen Aussagen auf: Im Bundestagswahlkampf 2017 sagte sie zwar öffentlich: «Ich bin homosexuell.» Gleichzeitig lehnte sie es ab, als «queer» bezeichnet zu werden.
Parteitag als nationales Grossereignis
Eines ist spätestens seit diesem Wochenende klar: Der Parteitag der AfD ist weit mehr als eine interne Veranstaltung.
In Erfurt, wo sich die Delegierten trafen, gab es seit Freitag ein massives Polizeiaufgebot, zahlreiche Medien berichteten in Livetickern und -übertragungen und Zehntausende gingen gegen die Partei auf die Strasse.
Die Polizei sprach von rund 31’000 Protestierenden, das Bündnis «Widersetzen» von etwa 50’000. Die Thüringer Polizei zog am Sonntag eine überwiegend friedliche Bilanz, registrierte aber bis Sonntagmittag 65 Straftaten.
Zusätzliche Symbolik bekam der Parteitag durch das Datum. Er fiel auf den 100. Jahrestag eines NSDAP-Treffens in der Region. Die AfD wies entsprechende Vergleiche zurück.
Daneben gab es auch kleinere skurrile Szenen. Ein Kandidat für das Amt des Bundesrechnungsprüfers sprach auf der Bühne von einem «kleinen Fetisch» für das Zählen von Goldbarren – den man ihn doch mit einer Wahl weiterhin ermöglichen solle.
Und: Während des Parteitags ertönte plötzlich der «Imperial March» aus «Star Wars» aus versteckten Lautsprechern.
