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DeSantis und Trump Teaserbild

Bild: watson/keystone/shutterstock

Ron DeSantis macht Donald Trump den Thron streitig

Der Gouverneur aus Florida ist der neue Star der Republikaner. In manchen Umfragen liegt er bereits vor dem Ex-Präsidenten.



Auf den ersten Blick ist Ron DeSantis ein Klon von Donald Trump. Im Wahlkampf um das Amt des Gouverneurs von Florida liess er seine zweijährige Tochter eine Mauer mit Bauklötzen bauen. Bis heute weigert er sich, Joe Biden als rechtmässigen Präsidenten der USA zu anerkennen.

In der Regel kann eine Kopie dem Original nie das Wasser reichen. DeSantis scheint die sprichwörtliche Ausnahme von der Regel zu sein. In Umfragen liegt er in der Gunst der Republikaner nicht nur weit vor möglichen Rivalen wie Marco Rubio und Ted Cruz. Er ist gleichauf mit Trump, ja manchmal überholt er sein Vorbild sogar. Weshalb?

Florida Gov. Ron DeSantis, center, reacts after signing bills revamping Florida's literacy and early childhood learning in West Miami Middle School in Miami, Florida on Tuesday, May 4, 2021. (Matias J. Ocner/Miami Herald via AP)

Gouverneur DeSantis unterzeichnet ein neues Schulgesetz. Bild: keystone

«In gewisser Weise hat Mr. DeSantis das Vakuum aufgefüllt, das Trump hinterlassen hat – ohne Tweets», stellt Patricia Mazzei in der «New York Times» fest. Andere gehen gar einen Schritt weiter und bezeichnen die Methode des Gouverneurs aus dem Sunshine State als «kompetenten Trumpismus».

Tatsächlich ist DeSantis alles andere als ein Hanswurst, der alles nachäfft, was Trump vorgibt. Er ist weit intelligenter als etwa Matt Gaetz, der Abgeordnete aus Florida, der gerade mit einem gröberen Sexskandal zu kämpfen hat. Oder Ron Johnson, der Senator aus Wisconsin, dem keine Verschwörungstheorie zu absurd zu sein scheint.

Der Populismus von DeSantis hat einen handfesten Hintergrund. Der Gouverneur aus Florida hat an den beiden Prestige-Universitäten Yale (Geschichte) und Harvard (Recht) studiert und mit Glanz abgeschlossen. Anders als Trump liest er viel, auch komplexe Dossiers über Sachthemen, und anders als Trump ist er auch fleissig.

Was bei Trump aus dem Bauch entsteht, hat bei DeSantis Methode. Er kennt die Gefühlslage seiner republikanischen Basis und bedient sie punktgenau. Deshalb hat er in Florida niemals eine Maskenpflicht eingeführt und die Schulen als einer der ersten wieder geöffnet. Er untersagt Konzert- und Sportveranstaltern, nicht geimpfte Menschen auszuschliessen. Selbst Kreuzfahrtschiffe müssen solche Passagiere wieder aufnehmen.

epa09102418 People pose next to a police officer as he enforces the South Beach 8pm curfew during the spring break in Miami Beach, Florida, USA, 27 March 2021. On 20 March the city of Miami Beach imposed a curfew for its entertainment district and closed the three causeways heading into the beach. The measures are being put into place as an effort to control large crowds that have gathered during spring break.  EPA/CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH

Trotz Corona wurde in Miami in diesem Frühling wild gefeiert. Bild: keystone

Der Erfolg dieser Politik ist überschaubar. Florida hat rund 38’000 Covid-Tote zu beklagen, pro Kopf gesehen mehr als Kalifornien, das sehr strenge Massnahmen ergriffen hat.

Die wilden Studenten-Partys in Miami Beach in diesem Frühling waren ein landesweites Ärgernis, nicht so jedoch bei den Republikanern. Diese lieben es, wenn man der liberalen Elite den Mittelfinger zeigt. Deshalb darf auch die «critical race theory» auf Geheiss von DeSantis an keiner Schule in Florida unterrichtet werden – obwohl dies bislang noch keine je getan hat.

Auch mit den Medien weiss DeSantis umzugehen. Als er in einem schlecht recherchierten Bericht von «60 minutes» – einem prestigereichen Format des Senders CBS – fälschlicherweise der Vetternwirtschaft bezichtigt wurde, ging er sofort in die Offensive und stellte die linksliberalen Medien bloss. Umgekehrt unterzeichnete er bei Fox News demonstrativ ein verschärftes Wahlgesetz. Beim konservativen Sprachrohr ist DeSantis Dauergast.

Was also könnte DeSantis stoppen? Wahrscheinlich der verrückte König von Mar-a-Lago selbst. «Nichts frustriert und beleidigt Trump mehr, als Zweiter zu werden», stellt Philipp Bump in der «Washington Post» fest. «Das sind keine guten Nachrichten für Gouverneur Ron DeSantis.»

Tatsächlich hat Trump keine Skrupel, auch gegen die Eigenen rücksichtslos vorzugehen. So hat er im Wahlkampf Marc Rubio als Bubi und Ted Cruz als Lügner verunglimpft. Selbstverständlich verfolgt er auch den Aufstieg von DeSantis mit Argusaugen. Nochmals Philipp Bumb:

«Trump hat DeSantis nun eine Weile lang im Rückspiegel beobachtet. Um dessen Ruf zu beschädigen, hat er in den vergangenen Monaten immer wieder passiv-aggressive Bemerkungen in Richtung DeSantis gemacht. So hat er im April auf Fox News den Vorschlag eingebracht, DeSantis wäre ein guter Vize für ihn, sollte er 2024 erneut zur Wahl antreten. Das ist ein klassischer Schachzug, um Dominanz zu zeigen.»

Vielleicht träumt Trump davon, DeSantis schon viel früher zu seinem Vize befördern zu können. Obwohl es verfassungsmässig ausgeschlossen ist, ist er immer noch überzeugt, dass er bereits im Sommer ins Weisse Haus einziehen wird. Der Ex-Präsident glaubt offenbar, dass die immer verrücktere Nachzählung im Bundesstaat Arizona der Startschuss für eine Revolution sein wird, die ihn wieder ins Oval Office hievt.

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