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Russland ändert Drohnen-Taktik und greift Ukraine im Dauertakt an

Feuerwehrleute löschen einen Brand in einem Betriebsgebäude in Kramatorsk (Archivbild): Russland greift die Ukraine jetzt in schnellerem Rhythmus an.
Feuerwehrleute löschen einen Brand in einem Betriebsgebäude in Kramatorsk (Archivbild): Russland greift die Ukraine jetzt in schnellerem Rhythmus an.Bild: IMAGO/Francisco Richart/imago

Russland ändert Drohnen-Taktik – und greift Ukraine im Dauertakt an

In den vergangenen Wochen hat Moskau seine Drohnenstrategie im Krieg gegen die Ukraine verändert. Das setzt Kiew gehörig unter Druck.
02.09.2026, 13:09
Anna von Stefenelli / t-online
Ein Artikel von
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Russland hat Kiew und das Umland in der Nacht zum Dienstag erneut mit Drohnen und Raketen angegriffen. Es war der sechste Tag in Folge, an dem die ukrainische Hauptstadt unter Beschuss stand. Mindestens neun Menschen wurden getötet und 14 weitere verletzt, wie Reuters unter Berufung auf ukrainische Behörden berichtete.

Blickt man auf die russische Angriffstaktik der vergangenen Monate, so hat sich zuletzt vor allem der Ablauf verändert. Bislang bündelte Moskau seine Drohnen- und Raketenangriffe meist zu grossen nächtlichen Wellen. Nun lässt es auch tagsüber immer wieder kleine Gruppen schneller Drohnen starten. Teilweise liegt zwischen den Angriffen nicht einmal eine Stunde. Die ukrainische Luftabwehr gerät dadurch massiv unter Druck.

Russland schickt Drohnen im Stundentakt

Am 27. August starteten russische Einheiten nach einer Auswertung des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) alle 30 bis 60 Minuten neue Drohnengruppen. In Kiew galt deshalb 14 Stunden lang Luftalarm. Einen Tag später gab es in der Hauptstadt 13-mal Luftalarm, so oft wie noch nie an einem Tag seit Beginn der russischen Grossinvasion.

Pohreby in der Region Kiew: Die Hauptstadt und ihr Umland werden seit sechs Tagen immer wieder angegriffen.
Pohreby in der Region Kiew: Die Hauptstadt und ihr Umland werden seit sechs Tagen immer wieder angegriffen.Bild: Imago/Kyrylo Chubotin

Viktor Kevliuk, Reserveoberst und Analyst am ukrainischen Center for Defense Strategies, sagte dazu dem «Kyiv Independent»: «Das Ziel ist nicht nur, ein bestimmtes Ziel zu treffen, sondern die ukrainische Luftabwehr in ständiger Kampfbereitschaft zu halten. Das ist technisch, psychisch und körperlich äusserst schwierig.»

Der Dauereinsatz belastet einerseits Soldaten und Material. Zugleich legen die Angriffe aber auch Teile des öffentlichen Lebens lahm: Während eines Luftalarms wird der oberirdische Metroverkehr über den Dnipro eingestellt, Betriebe schliessen vorübergehend, Pendler warten auf Bahnsteigen. Nähern sich weitere Drohnen, müssen auch Rettungskräfte ihre Arbeit an einem getroffenen Ort mitunter unterbrechen.

Ganz auf grosse Angriffswellen verzichtet Moskau allerdings nicht. Vielmehr verbindet Russland beide Muster. Am 28. und 29. August erstreckte sich eine kombinierte Angriffsserie über mehr als 28 Stunden; nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland dabei mehr als 550 Drohnen und weitere Flugkörper ein. Die kleinen Gruppen halten den Druck auch zwischen den massiven Angriffen aufrecht.

Schnelle Drohnen erschweren die Abwehr

Der Druck auf die Luftabwehr wächst auch, weil Russland immer mehr Drohnen mit Strahlantrieb einsetzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge hat Moskau innerhalb von vier Tagen fast 1'500 Drohnen gestartet, rund 800 davon waren strahlgetrieben. Modelle wie die Geran-4 sind deutlich schneller als ältere Shahed-Drohnen mit Kolbenmotor. Viele der günstigen ukrainischen Abfangdrohnen können ihnen nicht folgen. Die schnellen Modelle müssten deshalb derzeit vor allem von Kampfflugzeugen bekämpft werden.

Russland hat den Einsatz dieser Drohnen zuletzt stark ausgeweitet. Nach Angaben des ukrainischen Drohnenexperten Serhii Beskrestnov stieg die Zahl der eingesetzten strahlgetriebenen Drohnen von rund 1'500 im Juli auf mehr als 2'500 im August. Russland schicke sie praktisch direkt aus der Fabrik in den Einsatz, zitierte ihn «Ukrinform». Die Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen.

Zwei Männer vor einem brennenden Reifenlager in der Region Kiew: Das Feuer brach nach einem russischen Angriff aus.
Zwei Männer vor einem brennenden Reifenlager in der Region Kiew: Das Feuer brach nach einem russischen Angriff aus.Bild: Imago/Danylo Antoniuk

Ein Wettlauf der Kriegswirtschaften

In dieser Kombination liegt der neue strategische Kern Moskaus. «Russland versucht, aus der Frage, ob die Ukraine 80 bis 90 Prozent der Drohnen abfangen kann, die Frage zu machen, ob sie dies über Wochen und Monate jeden Tag schafft, ohne unverhältnismässig teure Ressourcen aufzubrauchen», sagte der Analyst Kevliuk. «Das ist nicht mehr nur eine Frage der Luftabwehr. Es ist eine Frage der Kriegswirtschaft und der industriellen Herstellung von Abfangmitteln.»

Die Ukraine arbeitet deshalb an schnelleren und zugleich bezahlbaren Gegenmitteln. Das Verteidigungsministerium hat im August die «Alexa Spatium» für den Einsatz freigegeben, die erste im Land entwickelte strahlgetriebene Abfangdrohne. Selenskyj zufolge haben vier Unternehmen entsprechende Systeme entwickelt. Offen ist jedoch, wie schnell die Ukraine sie in ausreichender Zahl produzieren und flächendeckend einsetzen kann.

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