Kolumbianische Kartell-Söldner gehen auf Drohnen-Stage im Ukraine-Krieg
Kolumbianische Söldner haben in vielen Kriegen gekämpft. Im Südsudan, im Jemen und jüngst auch in der Ukraine waren Kolumbianer im Einsatz. Während sie in der Ukraine Schulter an Schulter kämpfen, stehen einige von ihnen in Kolumbien selbst jedoch nicht auf derselben Seite. Das berichtet die Financial Times.
«Hier kämpfen ehemalige kolumbianische Paramilitärs, Guerillas und Soldaten gemeinsam und lernen den Umgang mit Drohnen», erzählt ein kolumbianischer Helfer der Zeitung. «Die Rekrutierungsprozesse sind sehr komplex. Was mir jedoch am meisten Sorgen bereitet, ist der Spezialisierungsgrad, den sie hier erlernen.»
Im Juni kündigte der kürzlich entlassene Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow eine Reform an, wonach der Anteil an ausländischen Söldnern in Sturmtruppen und Infanterie auf bis zu 50 Prozent steigen soll. Dafür will Kiew mit einem durchschnittlichen Sold von umgerechnet rund 5400 Franken weltweit neue Kämpfer rekrutieren. (sda/dpa)
Drohnen verändern Konflikte
Nicht nur der Ukrainekrieg hat sich durch den Einsatz von Drohnen stark verändert, sondern auch der langjährige Konflikt zwischen dem kolumbianischen Staat, linken Rebellen und Drogenkartellen. «Die Drohnenindustrie ist explodiert und kriminelle Gruppierungen nutzen nun diese Technologie für Angriffe. Das stellt eine grosse Herausforderung auf dem Schlachtfeld dar», erklärt Pedro Sánchez, abtretender Verteidigungsminister Kolumbiens.
In den Jahren 2024 und 2025 sollen illegale Gruppierungen insgesamt 264 Drohnenangriffe durchgeführt haben, schätzt das Verteidigungsministerium. Auch dieses Jahr wurden mehrere Soldaten des kolumbianischen Militärs durch Drohnenangriffe getötet – im eigenen Land.
Letztes Jahr hätten 96 Prozent der Drohnenangriffe durch Signalstörungen oder Drohnenabschüsse vereitelt werden können, meint Sánchez. Nun versuchen die illegalen Gruppierungen jedoch, sich ukrainische Expertise anzueignen, um so die kolumbianischen Streitkräfte zu überlisten.
Die ukrainische Expertise
Wie ein kolumbianischer Drohnenpilot in der Ukraine der Zeitung erzählt, sollen Kartell-Rekruten Ausbildungen in der Montage und dem Betrieb von First-Person-View-Drohnen (FPV-Drohnen) anstreben. FPV-Drohnen werden in das Ziel geflogen und explodieren beim Aufprall.
«FPV-Drohnen werden in Kolumbien bereits verwendet, jedoch wissen sie noch nicht, wie man die Verbindung zwischen Drohne und Pilot verschlüsselt», erzählt der Drohnenpilot. Auch die Anbringung des Sprengsatzes, wie dies in der Ukraine praktiziert werde, sei ihnen unbekannt.
Nebst NPV-Drohnen sollen sich die bewaffneten Gruppierungen auch Glasfaserdrohnen angeschafft haben. Bei diesen ist die Drohne durch ein Glasfaserkabel mit dem Piloten verbunden, damit kein Signal gestört werden kann. Diese sind ebenfalls der Innovationsdynamik im Ukrainekrieg entsprungen.
Die kolumbianische Regierung reagiert darauf mit Importbeschränkungen auf jegliche Drohnen. Zusätzlich gebe es auch Pläne für einen 1.6 Milliarden US-Dollar teuren Anti-Drohnen-Schild, schreibt die «Financial Times».
Ein jahrzehntealter Konflikt
Seit Jahrzehnten kämpft das kolumbianische Militär gegen Kartelle und Guerilla-Gruppierungen. Selbst nach der Demobilisierung der Farc-Rebellen 2016 führten einige Fraktionen den Kampf fort. Alle diese bewaffneten Gruppen in Kolumbien seien in irgendeiner Form Akteure in illegalen Wirtschaftszweigen wie Drogenhandel, illegalem Bergbau oder Schutzgelderpressung, schreibt die «Financial Times».
Während der abtretende Präsident Gustavo Petro auf Verhandlungen setzte, will sein ultrarechter Nachfolger Abelardo de la Espriella «die Autorität des Staates in den von Gewalt am härtesten betroffenen Regionen wiederherstellen». Er wird am Freitag als neuer Präsident Kolumbiens vereidigt.
Das Problem der bewaffneten Gruppen wurde keineswegs kleiner. «Die Menge an Drohnen, über die diese Gruppen verfügen, kann jedes militärische oder zivile Ziel sehr leicht überwältigen», meint Elizabeth Dickinson, stellvertretende Direktorin für Lateinamerika bei der International Crisis Group. Die kolumbianischen Streitkräfte hätten ihr Monopol im Luftraum vollständig verloren, «und das ist tatsächlich eine gewaltige strategische Verschiebung». (nil)
