Trump versinkt im Iran-Sumpf: Selbst MAGA beginnt zu zweifeln
Für Donald Trump verlief das Wochenende unerfreulich. Im erneut eskalierten Iran-Krieg kamen drei US-Soldaten ums Leben. Zwei starben bei einem Raketenangriff auf einen US-Stützpunkt in Jordanien, ein weiterer im Nordirak bei einem offensichtlich missglückten Versuch, Teile einer iranischen Kampfdrohne kontrolliert zu sprengen.
Die USA reagierten mit Vergeltungsschlägen unter anderem auf Einheiten der iranischen Revolutionsgarde. Sie seien «zu Ehren» der toten Soldaten erfolgt, sagte Trump nach seiner Rückkehr vom Fussball-WM-Final in New Jersey. Dort waren er und FIFA-Präsident Gianni Infantino ausgebuht worden. Wem die Abneigung mehr galt, war letztlich einerlei.
Donald Trump zeigte am Endspiel eine Vorliebe für die goldene WM-Trophäe. Bereits letzte Woche war in Washington zu seinen «Ehren» ein weiterer Goldpokal aufgetaucht. In Anspielung auf die Fussball-WM wollte das anonyme Künstlerkollektiv «The Secret Handshake» Trump für seinen Mut auszeichnen, «am Iran-Krieg teilzunehmen».
Iran nimmt Eskalation in Kauf
Aus dem ironischen Kommentar ist längst wieder bittere Realität geworden. Seit Tagen sprechen zwischen dem Iran und den USA erneut die Waffen. Das Rahmenabkommen, das zu einem Friedensvertrag führen sollte, gilt als mausetot. Irans oberster Führer Modschtaba Chamenei bezeichnete Trumps Unterschrift in einer schriftlichen Mitteilung als «wertlos».
Über Chameneis Verbleib wird nach wie vor gerätselt. Selbst an der aufwendigen Trauerfeier für seinen getöteten Vater Ali Chamenei hatte er sich nicht blicken lassen. Doch offensichtlich nehmen Irans Revolutionswächter eine weitere Eskalation in Kauf, obwohl die wirtschaftliche Lage im Land immer prekärer wird und viele Iraner sich kaum noch Lebensmittel leisten können.
Fokus auf Strasse von Hormus
«Die iranische Führung geht davon aus, dass die Lage im Land kurzfristig sehr hart sein wird», sagte der israelische Iran-Kenner Danny Citrinowicz der NZZ. «Doch sie glaubt, dass die steigenden Energiepreise Trump langfristig zum Einlenken bewegen werden.» Damit könnte sie richtig liegen, denn Trump geht es offenbar einzig um die Strasse von Hormus.
Vom Atomprogramm oder gar einem Regimewechsel ist bei der jüngsten Eskalation nur noch nebenbei die Rede. Vielmehr greifen die USA gezielt Strassen und Brücken im Süden Irans an, offenbar um die Versorgungsrouten in Richtung der für die globale Energieversorgung essenziellen Strasse von Hormus zu kappen. Ob die Strategie aufgeht, ist zweifelhaft.
Benzinpreis über 4 Dollar
«Iran braucht nur eine Rakete oder eine Drohne auf einen Tanker abzufeuern, und dann ist der Verkehr in der Meerenge wieder lahmgelegt», sagte Citrinowicz. Die Geschosse könnte Teheran auch aus dem Hinterland abfeuern. Gleichzeitig greift Iran weiterhin die arabischen Golfstaaten an, besonders die kleinen und verwundbaren Emirate Bahrain und Kuwait.
Das wirkt sich auf die globalen Ölpreise und den durchschnittlichen Benzinpreis in den USA aus. Nachdem das Rahmenabkommen zu einer kurzfristigen Entspannung geführt hatte, knackte er am Montag wieder die psychologisch sensible Marke von vier Dollar pro Gallone. Vor Kriegsbeginn Ende Februar waren es weniger als drei Dollar pro Gallone.
Der unbeliebteste Konflikt
Entsprechend unpopulär ist der Iran-Krieg in den USA. In einer Umfrage des «Economist» mit dem Institut YouGov bezeichneten ihn 57 Prozent als falsche und nur 27 Prozent als richtige Entscheidung. Der «Economist» erinnert daran, dass es sechs Jahre gedauert habe, bis der Vietnamkrieg ähnlich unbeliebt war wie jener mit Iran in weniger als sechs Monaten.
Larry Sabato von der Universität Virginia, einer der renommiertesten Politologen der USA, bezeichnete den Iran-Krieg gegenüber dem «Economist» als «unbeliebtesten Konflikt, seit Umfragen durchgeführt werden, und zwar seit dem ersten Tag». Je länger er dauere, umso höher die Kosten für Trump und die Republikaner bei den Midterm-Wahlen im November.
«Halbwegs» statt «entschieden»
Auch dafür liefert die Umfrage Belege. Nicht nur die Wählerschaft der Demokraten lehnt den Krieg fast geschlossen ab. Auch zwei Drittel der parteilosen Wählerinnen und Wähler halten ihn für falsch. Einzig Donald Trumps treue MAGA-Fans sind zu 77 Prozent für den Krieg, doch 51 Prozent jener Republikaner, die sich als «nicht MAGA» bezeichnen, lehnen ihn ab.
Damit nicht genug: Selbst im MAGA-Camp zeigen sich Risse. Dies belegt eine weitere Erhebung des Instituts Ipsos für die «Washington Post». Demnach liegt Donald Trumps allgemeine Beliebtheit noch bei 37 Prozent, und selbst unter diesen Befürwortern unterstützt mehr als die Hälfte den Präsidenten nur noch «halbwegs» statt «entschieden».
Zweifel an wirtschaftlicher Lage
Für die «Washington Post» ist dieser Befund erstaunlich. Er zeige, dass sich der Rückhalt bei seiner Basis abschwäche. Denn mehr als 60 Prozent der republikanischen Wählerschaft definiert sich gemäss Umfragen als Teil der MAGA-Bewegung. Sie hat bislang jede noch so irre Kehrtwende ihres Idols mitgemacht, auch jene vom Kriegsgegner zur Kriegsgurgel.
Mit der erneuten Eskalation und den Folgen für die Lebenshaltungskosten wachsen offenbar selbst unter Trump-Fans die Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung. In der «Washington Post»-Umfrage gehen mehr als zwei Drittel davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage im nächsten Jahr eher verschlechtern als verbessern wird.
Offen für neue Gespräche
Das verheisst nichts Gutes für die Aussichten der Republikaner bei den Midterms. Vieles hängt davon ab, ob es zu einer Beruhigung kommen wird. Anzeichen gibt es. So zeigte sich US-Aussenminister Marco Rubio am Sonntag offen für neue Gespräche mit dem Iran. Die Vermittler Pakistan und Katar bemühen sich offenbar um eine Wiederaufnahme.
Als Hoffnungsschimmer gilt auch die Freilassung einer amerikanisch-iranischen Doppelbürgerin, die seit Dezember 2024 wegen Spionageverdachts im Iran inhaftiert war. Ausserdem hat sich Israel aus den neusten Kämpfen herausgehalten, offenbar auf Drängen der USA. Im Gegenzug lancierten die Iraner keine Angriffe auf Ziele in Israel.
Ein Autostopper im Hagelsturm
Die Amerikaner bleiben skeptisch. Fast die Hälfte geht in der «Economist»-Umfrage davon aus, dass der Krieg noch ein Jahr oder länger dauern wird. David Miller von der Denkfabrik Carnegie Endowment sagte dem Magazin, Donald Trumps Probleme im Iran erinnerten ihn an eine Aussage des damaligen Präsidenten Lyndon Johnson zum Vietnamkrieg:
Johnson hatte sich von den Generälen immer tiefer in den Vietnam-Sumpf ziehen lassen. Er zog die Konsequenzen und verzichtete 1968 auf eine erneute Kandidatur für die Präsidentschaft. Eine ähnliche Einsicht ist von Donald Trump definitiv nicht zu erwarten.
