International
Italien

Roberto Vannacci löst Debatte in Italien über Patriarchat aus

Politik-Aufsteiger verteidigt «mediterranes Patriarchat» – Debatte in Italien

13.08.2026, 06:5213.08.2026, 06:52

Der Chef der neuen rechten Partei «Futuro Nazionale», Roberto Vannacci, hat in Italien mit seinem ersten Parteiprogramm eine Debatte über Geschlechterrollen ausgelöst. Darin stellt der 57 Jahre alte Ex-Armeegeneral das von ihm so bezeichnete «mediterrane Patriarchat» als gesellschaftliches Modell dar, das bewahrt werden solle. Politiker des sozialdemokratischen Partito Democratico kritisierten dies scharf.

EU Parliament member and former Italian army general Roberto Vannacci speaks during a press conference as he concludes the two-day founding congress of his far-right party, Futuro Nazionale (National  ...
Roberto Vannacci sorgt derzeit in Italien für Schlagzeilen.Bild: keystone

Die «Ideologie des ständigen Kampfes gegen das Patriarchat» sei offensichtlich gescheitert. «Dort, wo jede Spur einer patriarchalischen Gesellschaft verschwindet, ist gleichzeitig eine besorgniserregende Zunahme der Gewalt gegen Frauen zu beobachten», heisst es. Dies sei ein Beleg dafür, das Modell des «mediterranen Patriarchats» zu schützen und nicht zu kriminalisieren.

Scharfe Kritik von sozialdemokratischem PD

Dieses von Vannacci und seiner neuen Partei gepriesene Modell zielt demnach darauf ab, «die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hervorzuheben und starke Männer heranzubilden, die in der Lage sind, ihre Emotionen und Leidenschaften zu beherrschen, Frauen zu schützen und sich selbst in den Dienst des Aufbaus und der Verteidigung der Gesellschaft zu stellen».

Die Formulierungen stiessen bei linken Parteien auf Kritik. Valeria Valente von der grössten Oppositionspartei Partito Democratico bezeichnete Vannaccis Vorstellungen als «absurdes Programm der Rückkehr ins Mittelalter». Die Vorstellung, Frauen seien durch die Unterordnung unter ein patriarchales Modell sicherer, sei aus ihrer Sicht grundlegend falsch. Gerade die männliche Kontrolle über Frauen bilde die Grundlage für Femizide, argumentierte Valente.

Roma 08/06/2023 - conferenza stampa PD sulle proposte contro la violenza di genere / foto Image Sport nella foto: Valeria Valente *** Rome 08 06 2023 PD press conference on proposals against gender vi ...
PD-Politikerin Valente kritisiert Vannacci öffentlich.Bild: www.imago-images.de

Meloni-Regierung unter Druck

Vannacci hatte seine neue Partei im Februar aus der Taufe gehoben. Er gehörte zuvor der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega von Matteo Salvini an, verliess diese aber im Streit um die politische Ausrichtung. Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht wegen der neuen Partei indes unter Druck. Denn Vannaccis Rhetorik findet bei einem nicht unerheblichen Teil der Wählerschaft der insgesamt drei Regierungsparteien Anklang.

Die Partei legte nun ihr Grundsatzprogramm vor. Bereits in der Einleitung des 120 Seiten langen Dokuments heisst es, man wolle «Italien zu seinen Wurzeln zurückführen und wieder auf den Weg seiner grossen Geschichte zurückbringen». Italien solle «wieder zu einem identitätsbewussten, souveränen, sicheren, freien und wohlhabenden Land werden», heisst es weiter. (dab/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
EU geht gegen Russlands Repression und Kinderdeportationen vor
Neben zehn Personen sanktioniert die EU auch 17 Einrichtungen und Organisationen. Sie sollen an der Zwangsadoption ukrainischer Kinder und deren Eingliederung in russische Strukturen mitwirken.
Die Europäische Union hat nach der Parlamentswahl in Russland Sanktionen gegen Verantwortliche für den Ausschluss der Anti-Kriegspartei Jabloko verhängt. Betroffen sind nach Angaben des Rates der Mitgliedstaaten unter anderem drei Richter des Obersten Gerichtshofs in Moskau sowie ein Beamter der Generalstaatsanwaltschaft.
Zur Story