Eurowings macht Ernst: Mallorca steht vor grossen Veränderungen
Wer im Oktober nach Mallorca fliegt, tut das oft ganz bewusst: Die Strände sind leerer, die Restaurants haben wieder Platz, die Wanderwege gehören einem fast allein. Keine Warteschlangen am Mietwagenschalter, keine überfüllten Busse zur Cala Millor und keine Ballermann-Beschallung bis vier Uhr morgens. Die Nebensaison ist für viele Mallorca-Reisende nicht der Kompromiss – sie ist der Gold-Standard.
Eurowings stockt Mallorca-Flotte auf
Genau diese Ruhe könnte aber bald Geschichte sein. Eurowings und die Balearen-Regierung haben sich darauf verständigt, Mallorca stärker als Ganzjahresziel zu positionieren. Im Winterflugplan 2026/27 wird die Airline erstmals sechs Flugzeuge dauerhaft in Palma stationieren – doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Mehr Flüge, mehr Kapazität und natürlich auch mehr Touristen. Was aus Sicht der Wirtschaft nach Wachstum klingt, ist aus Sicht vieler Feriengäste ein klares Zeichen: Die Nebensaison wird voller.
Eurowings-Chef Max Kownatzki und Balearen-Präsidentin Marga Prohens trafen sich kürzlich in Palma, um die Kooperation offiziell zu besiegeln, berichtet unter anderem das Mallorca-Magazin. Ihr gemeinsames Ziel: Touristen gleichmässiger über das Jahr verteilen, die Saison verlängern, ganzjährige Arbeitsplätze schaffen. Kownatzki betonte, dass Mallorca «weit mehr zu bieten hat als Sonne, Strand und Meer». Ausserhalb der Hochsaison zieht die Lieblingsinsel der Deutschen zunehmend Sportler, Naturliebhaber und Erholungssuchende an, und das bereits seit Jahren.
Ruhe und Erholung geht (bisher) auch auf Malle
Aber genau diese Zielgruppe dürfte bisher in der Nebensaison Mallorca ansteuern, eben weil dann nicht die Massen unterwegs sind. Wer im März zum Radfahren kommt oder im November die Serra de Tramuntana erwandert, schätzt oft die Stille der Natur oder weitgehend leere Strassen. Die Verdoppelung der Flugkapazität deutet das Gegenteil hin: mehr Menschen, mehr Betrieb, mehr Konkurrenz um Unterkünfte und Mietwagen.
Eurowings prüft ausserdem den Aufbau einer Wartungsbasis auf Mallorca. Ein solcher Standort würde ganzjährige Arbeitsplätze im Bereich Flugzeugwartung schaffen – ein Geschäftsfeld, das auf der Insel bislang kaum existiert. Für die lokale Wirtschaft ist und bleibt das eine Chance.
Aber die Wirtschaftlichkeit, genauer die Kosten, sind auch für Feriengäste ein Argument. Bisher war die Nebensaison nicht nur ruhiger, sondern auch deutlich günstiger. Hotels, die im Spätsommer 200 Euro und mehr pro Nacht verlangen, reduzieren die Preise in den Wintermonaten oft um fast die Hälfte. Flüge kosten einen Bruchteil, Mietwagen sind verfügbar, Restaurants haben freie Tische. Diese Preislogik liegt gerade an der schwächeren Nachfrage.
Wenn Eurowings die Kapazität verdoppelt und die Balearen-Regierung aktiv dafür wirbt, die Insel auch im Winter zu besuchen, dürfte die Nachfrage weiter ansteigen. Mehr Nachfrage bedeutet, dass Unterkünfte auch höhere Preise durchsetzen können. Hotels, die bisher froh waren, im November überhaupt Gäste zu haben, werden ihre Raten anpassen. Immerhin könnten mehr Flüge dafür sorgen, dass bei steigender Nachfrage und mehr Fluggästen die Ticketpreise nicht auch noch anziehen – oder zumindest nicht noch stärker, als sie es in Folge der Kerosin-Krise tun werden.
Für Feriengäste, die Mallorca gerade wegen der Ruhe im Herbst und Winter schätzen, ist das insgesamt bestenfalls eine durchwachsene Nachricht. Die Insel, die sie abseits von Ballermann und Hochsommer kennen und schätzen, wird sich verändern. Nicht über Nacht, aber schrittweise. Mehr Flüge bedeuten mehr Menschen. Mehr Menschen bedeuten mehr Betrieb. Und mehr Betrieb bedeutet, dass die Nebensaison irgendwann nicht mehr die Nebensaison ist.
