«Gefährlichster Mann Deutschlands» – «Spiegel»-Cover sorgt für Kritik
Siegmund landet auf dem «Spiegel»-Cover
Ulrich Siegmund ist Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt. Er ist gemäss aktuellen Umfragen der erste AfD-Politiker, der in einem deutschen Bundesland Ministerpräsident werden könnte. Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat den Politiker im aktuellen Magazin zum gefährlichsten Mann Deutschlands erklärt – und das prominent auf der Titelseite im Stil eines Fahndungsfotos.
Im Artikel selbst gehen die Journalistinnen und Journalisten nicht direkt darauf ein, wie sie zu dieser Einschätzung kommen. Es passiert eher subtil, indem sie auf das «rechtsextreme Netzwerk und Personal» hinweisen, das hinter Siegmund steckt und gar «der eigenen Parteispitze Angst macht». In einem Absatz heisst es:
Die Reaktionen
Das «Spiegel»-Cover hat in Deutschland eine kontroverse Debatte ausgelöst und für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Der Artikel samt Titel mache Siegmund bloss noch attraktiver, schreibt etwa der deutsche Fernsehmoderator und Autor Micky Beisenherz in der «Süddeutschen Zeitung». Es sei «ein trauriger Moment» und wohl das Bitterste, was dem einst mächtigsten Blatt der Bundesrepublik passieren könne, findet auch Springer-Autor Ulf Poschardt in einem Interview mit der «Welt». Der Linken-Bundestagsabgeordnete Dietmar Bartsch bezeichnet das Cover als unverantwortlich, da es letztendlich eine Wahlkampfhilfe für die AfD sei.
Auch in den sozialen Medien ist das Cover zum Thema geworden. Dort kursieren spöttische Nachahmungen des Titelblatts, etwa mit einem Foto von Kanzler Friedrich Merz und dem Titel «Der entbehrlichste Mann Deutschlands».
Bei der AfD macht man sich über den Titel ebenfalls lustig. Siegmund selbst unterzeichnet inzwischen «Spiegel»-Ausgaben auf Wahlkampfveranstaltungen und bezeichnete den Artikel über sich als «sehr gute Werbung».
So verteidigt sich der «Spiegel»
Das Nachrichtenmagazin verteidigt sich gegen die Kritik. Chefredakteur Dirk Kurbjuweit erklärte, Relevanz sei das oberste Kriterium, nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nütze oder schade. Siegmund besitze das Potenzial, als erster rechtsextremer Politiker Ministerpräsident zu werden, und kombiniere ein gewinnendes Auftreten mit einer Agenda, die eine Gefahr für die Demokratie darstelle. Er sei aktuell eine hochrelevante Figur, weil er als Ministerpräsident ganz Deutschland verändern würde.
«Das zusammen, das Umgängliche und das Extreme, machen Siegmund zu einem gefährlichen Mann, aktuell zum gefährlichsten Mann Deutschlands, aus Sicht liberaler Demokraten», schreibt Kurbjuweit. Politiker seien potenziell wirkmächtiger als Kriminelle. «Sagen, was ist» – das Motto des «Spiegel»-Herausgebers Rudolf Augstein – gelte auch für die Titelseite. (hkl)
