Mount Everest: Nepal verschärft Regeln für Aufstieg – aus gutem Grund
Den Mount Everest einmal im Leben zu besteigen, ist für viele Alpinistinnen und Alpinisten ein grosser Traum. Doch der höchste Berg der Welt hat sich längst zu einem Massenziel entwickelt. Immer wieder sorgen überfüllte Routen, tödliche Unfälle und Müllberge für Schlagzeilen. Nun will Nepal gegensteuern – mit deutlich strengeren Regeln.
Das Parlament des Himalaya-Staates arbeitet derzeit an einer umfassenden Reform des Tourismusgesetzes. Insgesamt haben 58 Abgeordnete 263 Änderungsanträge eingebracht. Ziel ist es, die Voraussetzungen für Besteigungen des Mount Everest und anderer Achttausender deutlich zu verschärfen.
Everest-Besteigung soll nur noch mit Erfahrung möglich sein
Nach Informationen der Zeitung The Kathmandu Post sollen Bergsteigende künftig nachweisen müssen, dass sie bereits anspruchsvolle Gipfel in Nepal erfolgreich bestiegen haben, bevor sie überhaupt eine Genehmigung für den Mount Everest erhalten.
Je nach Vorschlag müssten dafür mindestens ein Berg über 7000 Meter sowie ein oder sogar zwei Achttausender in Nepal erklommen worden sein. Ausserdem soll es ausländischen Unternehmen nicht mehr gestattet sein, «solche Expeditionen oder Pauschalreisen direkt zu verkaufen oder durchzuführen».
Immer mehr unerfahrene Bergsteiger am höchsten Berg der Welt
Dass Nepal die Regeln verschärfen möchte, kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren nimmt die Zahl der Everest-Besteigungen zu. Rund 1000 Menschen erreichen inzwischen jedes Jahr den Gipfel. Im Mai 2026 wurde laut Nachrichtenagentur AFP erstmals die Marke von 1000 erfolgreichen Besteigungen innerhalb einer einzigen Saison überschritten.
Expeditionsleitende beobachten dabei mit Sorge, dass immer mehr zahlende Kundinnen und Kunden ohne ausreichende Hochgebirgserfahrung anreisen. «Wir haben alles gesehen: von Teams mit Leuten, die zum ersten Mal Steigeisen benutzen, bis hin zu solchen, die zum ersten Mal Fixseile und Sauerstoffsysteme einsetzen», kritisieren laut Focus Expertinnen und Experten des Bergführer-Dienstleisters Alpenglow Expeditions.
Gesundheitsnachweise und strengere Umweltauflagen geplant
Die geplante Gesetzesreform geht allerdings weit über Erfahrungsnachweise hinaus. Mehrere Abgeordnete sprechen sich laut «The Kathmandu Post» auch für verpflichtende Bergsteigerausbildungen, aktuelle Gesundheitsnachweise und höhere Versicherungsstandards für Expeditionsteilnehmer und das Bergpersonal aus.
Gleichzeitig sollen Bergführende gefährliche Einsätze künftig ablehnen dürfen, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen.
Auch der Schutz der empfindlichen Bergwelt soll verbessert werden. Geplant sind unter anderem ein Verbot von Einwegplastik in den Bergregionen sowie eine Null-Abfall-Politik. Zusätzlich sollen Ausrüstungsgegenstände digital registriert werden. Zurückgebrachte Ausrüstung und menschliche Hinterlassenschaften sollen künftig dokumentiert werden.
Müll auf dem Mount Everest bleibt ein riesiges Problem
Dass strengere Umweltauflagen nötig sind, zeigen die Zahlen der vergangenen Jahre. Während der Frühjahrssaison 2024 sammelte das Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC) rund 88 Tonnen Abfälle am Basislager und in den Hochlagern ein.
Schon 2023 waren laut SPCC rund 75 Tonnen Müll angefallen – darunter mehr als 21 Tonnen menschliche Fäkalien. Hinzu kommen zurückgelassene Sauerstoffflaschen, Zelte, Seile und Plastikmüll. Durch den Klimawandel und das schmelzende Eis gelangen zudem immer häufiger jahrzehntealte Abfälle wieder an die Oberfläche.
Mit den geplanten Reformen will Nepal deshalb nicht nur die Sicherheit am höchsten Berg der Welt erhöhen, sondern auch die Belastung für Mensch und Natur langfristig reduzieren.
