Am Mount Everest gelten neue Müllregeln – weil viele Touristen schummelten
Der Mount Everest ist das Mekka der Bergsteiger. Jedes Jahr pilgern Tausende von Kletterinnen und Kletterer aus aller Welt in die Region, um den höchsten Berg der Welt zu bezwingen. Allein letzten Mittwoch haben 269 Personen am gleichen Tag den Gipfel erreicht – ein Rekord.
Die vielen Leute bringen der Region zwar hohe Einnahmen ein – allein eine Lizenz für den Aufstieg kostet neu 15'000 Dollar –, aber auch viele Probleme.
Denn mit der steigenden Anzahl an Personen bleibt auch immer mehr Müll auf dem Berg zurück. Bilder von zurückgelassenen Zelten und Ausrüstungen machen in den sozialen Medien jährlich die Runde.
Im Durchschnitt produzieren Kletterinnen und Kletterer acht bis zwölf Kilogramm Müll pro Kopf: Zelte, Seile, Kot. Und je mehr Personen den Berg besteigen, desto mehr Müll staut sich an – vor allem am oberen Abschnitt des Berges.
Neue Massnahmen implementiert
Für die Saison 2026 hat darum das Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC), eine lokale Organisation, die sich dem Kampf gegen den Abfall gewidmet hat, neue Vorschriften erlassen.
Seit 2016 muss jede Person mindestens acht Kilogramm Müll bei der Rückkehr ins Basislager abgeben. Dies sorgte allerdings für Schummeleien, denn gemäss der nepalesischen Newsplattform «The Tourism Times» liessen Bergsteigerinnen und Bergsteiger ihren Müll in den Hochlagern oftmals zurück und sammelten stattdessen weiter unten Abfall ein.
Deshalb muss auf diese Saison hin jeder Bergsteiger und jede Bergsteigerin sicherstellen, dass zwei Kilogramm dieses Abfalls aus dem Gebiet oberhalb von Camp zwei gesammelt wird. «Diese neue Regelung zielt speziell auf die Säuberung der höher gelegenen Lager wie Camp drei und vier ab», sagt Tshering Sherpa, Geschäftsführer des SPCC.
Zudem ist das Trennen von Abfall in allen Basecamps mittlerweile obligatorisch, der Müll muss in verschiedenen Kategorien getrennt werden. Auch dürfen Personen neu «keine eigenen Kotbeutel mehr verwenden, sondern müssen stattdessen die vom SPCC und der ländlichen Gemeinde Khumbu Pasang Lhamu bereitgestellten Beutel nutzen.» Dies soll Kletterinnen und Kletterer davon abhalten, die Kotbeutel auf dem Berg zurückzulassen. Dies wird dann auch vom SPCC beim Abstieg kontrolliert:
«Die vorgeschriebenen Beutel werden registriert und eingesammelt, sobald die Bergsteiger von der Expedition zurückkehren», sagt Tshering Sherpa.
Eine weitere Massnahme, die derzeit diskutiert wird, ist die Einrichtung eines bestimmten Bereichs im Camp vier, wo man im Notfall seinen Müll entsorgen kann. «Auf diese Weise könnte der Müll in der nächsten Saison reduziert werden», so Tshering Sherpa.
«Kleiner, aber positiver Schritt»
Die Verantwortlichen erhoffen sich durch die Massnahmen eine Besserung am Berg. «Es ist ein kleiner, aber positiver Schritt, um den Mount Everest sauber zu halten», sagt Rishi Bhandari, Generalsekretär des Verbandes der Expeditionsveranstalter Nepals. Gemäss Bhandari würden sich die Veranstalter an die neuen Vorschriften halten.
Shiva Bahadur Sapkota, Generalsekretär der Everest Summiteers Association, findet den Schritt jedenfalls gut und appelliert an alle Beteiligten, sowohl Veranstalter als auch Bergsteiger, die Vorschriften einzuhalten: «Alle müssen auf die Umsetzung und Überwachung der Regeln hinarbeiten, anstatt sie nur zu formulieren.»
Ob die Massnahmen tatsächlich greifen, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen. Die Frühjahrs-Klettersaison 2026 ist jedenfalls auf Rekordkurs. Gemäss Khimlal Gautam, dem Leiter der Aussenstelle des Tourismusministeriums im Everest-Basislager, könnte die Zahl der Bergsteigerinnen und Bergsteiger noch vor Saisonende Ende Mai die 1000-Marke knacken – eine Herausforderung – nicht nur für Bergsteigerinnen und Bergsteiger, sondern auch für die Umwelt.
