«Wie der letzte Arsch»: MAGA-Influencerin Laura Loomer bereut Anti-Ukraine-Haltung
Der Besuch von Laura Loomer in Kiew entwickelt sich zu einem politischen Beben innerhalb der MAGA-Bewegung. Die treue Verbündete von US-Präsident Donald Trump, die sich jahrelang gegen die Ukraine positioniert und russische Narrative verbreitet hat, revidiert öffentlich ihre Haltung – und greift sogar prominente Vertreter des eigenen politischen Lagers an.
Die rechts aussen stehende US-Influencerin, die nur schon auf der Plattform X 1,9 Millionen Follower zählt, kann dabei auf die Unterstützung einer breiten Fan-Basis zählen. Loomer erklärte auf X, sie sei früher in einer «Medien-Echokammer» gefangen gewesen und habe russischer Propaganda geglaubt. Deshalb sei sie jetzt in die Ukraine gereist, um sich selbst ein Bild von Wladimir Putins Angriffskrieg zu machen.
Loomer unterstreicht damit ihren Seitenwechsel, den sie erstmals Mitte Juni in ihrem Video-Podcast «Loomer Unleashed» vollzog und der einhergeht mit Donald Trumps jüngster Annäherung an ukrainische Sichtweisen. «Ich habe mich geirrt», gibt sie jetzt aus der ukrainischen Hauptstadt zu, und fühle sich deshalb «wie der letzte Arsch». Gleichzeitig betont sie, ihre Visite sei nicht von der Ukraine bezahlt worden, sondern aus freien Stücken erfolgt.
Ein Opfer von russischer Desinformation
Laut eigenen Angaben hat Loomer unter anderem Butscha besucht und sich dort über russische Kriegsverbrechen informiert. Durch das berühmte Kiewer Höhenkloster wurde sie am Mittwoch von der ukrainischen Kulturministerin Tetyana Berezhna persönlich geführt.
Besonders prägend sei für sie aber ein russischer Luftangriff auf Kiew gewesen, den sie am Dienstag miterlebte. Danach schrieb sie, sie schäme sich dafür, das Leid der Ukrainer jahrelang heruntergespielt zu haben. Man habe geglaubt, die Ukraine sei ein Land voller Nazis: Tatsächlich sei sie Opfer russischer Desinformation geworden.
Als Zeichen des Trotzes publizierte sie ein Bild von sich, wie sie im von Trümmern umgebenen Kiewer McDonald's einen Cheeseburger isst – obwohl sie «sonst nie Fast Food» esse.
🚨 Russia Targets American Businesses in Kyiv: Iconic McDonald’s Endures Repeated Attacks From Russian Ballistic Missiles Proving Russia’s Disdain For America 🚨
— Laura Loomer (@LauraLoomer) July 21, 2026
3 days ago, Russia launched 40 ballistic missiles into Kyiv, Ukraine, striking civilian districts in the Ukrainian… pic.twitter.com/2ijSmbhsYy
Loomers Kehrtwende geht inzwischen weit über die Ukraine hinaus. Nicht nur wirft sie Russland vor, gemeinsam mit Iran gezielt Desinformation zu verbreiten, um die USA und die republikanische Partei zu spalten. Besonders scharf attackiert sie auch Teile der eigenen MAGA-Bewegung. Viele konservative Influencer und Politiker hätten sich von Russland, Katar oder dem Iran instrumentalisieren lassen und verbreiteten antiamerikanische Propaganda. Dabei tue Russland «nichts Positives für Amerika».
In einem weiteren Beitrag verschärft Loomer ihre Kritik noch. Sie beginne zu erkennen, dass sie viele Republikaner, die sie in den vergangenen zwölf Jahren kennengelernt hat, «gar nicht mehr mag». Manche seien schlicht ignorant, andere womöglich bezahlt. Einen besonderen Schlagabtausch liefert sie sich mit Tucker Carlson wegen dessen jüngstem Podcast. Darin behauptet «Katarlson», wie Loomer ihn spöttisch nennt, man würde Russen bloss deshalb hassen, weil «sie Weisse sind».
Lob aus der Ukraine, Spott aus Moskau
Die Reaktionen auf diese öffentlichen Bekenntnisse folgen unmittelbar. Das Präsidialamt von Wolodimir Selenski und Aussenminister Andrij Sybiha begrüssen Loomers Besuch ausdrücklich. Es gebe keinen besseren Weg, sich eine eigene Meinung zu bilden, als die Realität vor Ort zu erleben, erklärte Selenskis Präsidialamt auf X.
Aus Russland kommen dagegen Spott und Häme. Die Chefredaktorin des Staatssenders Russia Today (RT), Margarita Simonjan, erinnert an Loomers frühere, prorussische Kolumnen für RT. Der Sender selbst verspottet ihre «Transformation» und zitiert aus älteren Beiträgen, in denen sie die Ukraine als Land voller «Nazi-Apologeten» bezeichnet hatte.
Loomer kontert, sie sei damals auf russische Desinformation hereingefallen und wolle gerade deshalb ihre alten Beiträge online lassen – als Beleg dafür, wie wirksam Putins Informationskrieg sei.
Auch innerhalb des Trump-Lagers fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Während viele MAGA-Vertreter Loomers Kurswechsel scharf kritisieren und darin bloss einen weiteren Publicity-Stunt sehen, erhält sie Unterstützung von Nate Vance, einem Ukraine-Veteran und Cousin von US-Vizepräsident JD Vance. Es brauche Mut, öffentlich einzugestehen, sich geirrt zu haben, lobt er Loomer auf X.
Andere Ukraine-Unterstützer sind da skeptischer: Obschon ihre Entschuldigung grundsätzlich begrüssenswert sei, benötige es nach Loomers jahrelanger Anti-Selenski-Kampagne mehr, um wirklich glaubhaft zu werden, urteilt ein Kommentator. (schweizheute.ch)
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